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Arbeiten in der Landwirtschaft

High Tech auf dem Acker

Mittwoch, 30. April 2025, 16:30 Uhr
Im Märzen spannt der Bauer schon lange keine Rößlein mehr ein, heute regiert High-Tech den Acker. Wer Arbeit in der Landwirtschaft sucht, muss viel mitbringen, gewinnt aber auch berufliche Sicherheit. Um auf die Möglichkeiten im Agrarsektor aufmerksam zu machen, lud die Agentur für Arbeit heute zum Südharzer Landhandel…

Im Hintergrund High-Tech im Wert von rund 1,5 Millionen Euro, davor (v.l.) Christoph Bier und Dr. Steffen Sendig vom Südharzer Landhandel und Karsten Froböse, der Leiter der Nordthüringer Agentur für Arbeit (Foto: agl) Im Hintergrund High-Tech im Wert von rund 1,5 Millionen Euro, davor (v.l.) Christoph Bier und Dr. Steffen Sendig vom Südharzer Landhandel und Karsten Froböse, der Leiter der Nordthüringer Agentur für Arbeit (Foto: agl)

In alter Zeit da ernährte ein Bauer nur eine Handvoll Personen, kaum mehr als ein halbes Dutzend. Mit dem Fortschritt von Wissen und Technik waren es Mitte des vergangenen Jahrhunderts etwa 40 Köpfe, eine Entwicklung die sich bis heute nur noch beschleunigt hat. Ein Landwirt ernährt heute rund 160 Menschen, sagt Dr. Steffen Sendig vom Südharzer Landhandel. Sendig leitet die Geschicke des Dienstleisters und kennt jeden Landwirt, der in der Region noch aktiv ist und als Vorstand des Bauernverbandes geht der Blick auch über Feld und Aue hinaus.

„Die Digitalisierung ist der größte Wachstums- und Entwicklungsbereich, den wir in der Landwirtschaft haben. Wir arbeiten mit präzisen Daten die in Echtzeit übermittelt werden und nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch Kraft und Energie sparen und die Umwelt schonen", berichtet Sendig heute bei der Vorstellung der Arbeitsmarktdaten, für die die Agentur für Arbeit an die Darre in Nordhausen geladen hatte. Sein Stellvertreter Christoph Bier zückt das Handy und hat in Sekundenschnelle Position und Auftrag der Kollegen auf dem Feld zur Hand.

Automatisierung und Robotik halten Einzug auf dem Acker und im Kuhstall, den Menschen werde man aber auch in Zukunft brauchen. „Der Melkroboter mag vier menschliche Arbeitskräfte ersetzen, aber in der Folge braucht man dann zwei Spezialisten, die die Maschine auch bedienen können. Wir sehen beeindruckende Entwicklungen, aber ohne den Menschen geht es nicht. Ein Schwarm kleiner Roboter kann die Unkrautbekämpfung verrichten, aber sobald es an komplexere Fragen und Entscheidungen geht, sind Fachleute gefragt“.

Moderner Ackerbau in der Goldenen Aue (Foto: Südharzer Landhandel) Moderner Ackerbau in der Goldenen Aue (Foto: Südharzer Landhandel)

Einfache Aushilfsarbeiten, wie sie früher in der Landwirtschaft üblich waren, gäbe es heute kaum noch, so Sendig weiter. An Präzisionsmaschinen, die mitunter Millionen Kosten, lässt man nicht einfach jeden ran. „Wir beobachten leider, dass das Bildungsniveau bei vielen Bewerbern nicht hoch genug ist. Wer im Agrarbereich Fuß fassen will, muss Verantwortungsbewusstsein und Motivation mitbringen. Wer es aber einmal schafft, der muss den Landkreis nicht mehr verlassen und kann sich im Grunde aussuchen, bei wem man arbeiten will.“

Im Landhandel werden Fachkräfte für Agrarservice ausgebildet, unter den 40 Mitarbeitern finden sich unter anderem 15 Fahrer und 15 Maschinisten aber kein klassischer „Bauer“. Das liegt auch daran, dass der Landhandel primär Dienstleister ist und nicht über eigenes Land oder Vieh verfügt. Schon in den 1970ern hatten die Landwirte erkannt, dass es bei großen Besorgungen besser im Verbund funktioniert und so läuft das System im Kern bis heute.

Zum „Landhandel“ gehören 16 Betriebe im Umkreis von 20 Kilometern, die als Gesellschafter auftreten und für die eine Reihe an Dienstleistungen erbracht werden. Das reicht von der Lagerung und Bereitstellung von Düngemitteln, Saatgut und Pflanzenschutz bis zum Ernteeinsatz mit großem und teurem Gerät. So holt man zum Beispiel in den Wintermonaten mit der „Rübenmaus“ um die 200.000 Tonnen Zuckerrüben aus dem Boden.

Über ganz Nordthüringen verteilt, sind rund 600 Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt, kann Karsten Froböse, der Leiter der Agentur für Arbeit berichten. Anders als in manch anderer Branche sind die Nachwuchssorgen und der Altersdruck hier noch zu handhaben, der Berufsstand gilt als sicher. Herausforderungen gibt es freilich trotzdem reichlich und das nicht nur, weil jeder Agrarbetrieb über diverse Fäden direkt mit dem Geschehen auf dem Weltmarkt verbunden ist.

„Die Personalfrage begrenzt uns auch, gute Leute sind nicht leicht zu finden und einige Professionen wie zum Beispiel unsere Landmaschinenschlosser sind sehr gefragt. Da hat man auch regional einen Wettkampf um die besten Köpfe. Schwierig wird es auch, wenn in der Politik Unsicherheit herrscht und die Bürokratie überhand nimmt. Und natürlich machen auch die Kostensteigerungen vor uns keinen Halt, gerade die Technik hat Sprünge von 25 bis 30 Prozent hinter sich“, sagt Sendig.

Dass der Verbraucher an der Kasse tiefer in die Tasche greifen muss, hänge damit aber nur bedingt zusammen, von einem „großen Frühstück“ mit allem drum und dran bleibt beim Bauern im Schnitt nur ein Euro. Beim Brötchen sind es zwei Cent, bei der Butter acht Cent, beim Glas Milch drei Cent. Der maßgebliche Preistreiber sei der Einzelhandel, sagt Sendig, die großen und marktbestimmenden Firmen würden oft wie Oligarchen handeln und Preise schlicht diktieren. „Dennoch muss man sich immer wieder vor Augen halten, dass die Landwirtschaft so effektiv und so sicher wie noch nie ist. Das Land kann sich selbst versorgen und wenn der Landwirt seinen Betrieb gut und vernünftig führt und bei Innovationen nicht erst aufholen muss, dann wird er auch nicht hungern“.

Einen Einblick die Agrarwirtschaft der Region für Experten, Interessierte und Laien gibt der „Feldtag“, der vom Landhandel einmal im Jahr organisiert wird. Am 13. Juni lädt man in diesem Jahr nach Mauderode und stellt hier neue Entwicklungen vor und wirft auch einen Blick auf experimentelle Felder. Neugierige Gäste und potentielle Nachwuchs-Landwirte sind gerne willkommen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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