Renaissance für das fehlende Wunder?
Lindwurm bin ich genannt
Freitag, 30. Mai 2025, 12:55 Uhr
Sieben Wunder haben sich die alten Nordhäuser einst selbst gegeben, Zeichen des Bürgerstolzes und der Unabhängigkeit der freien Reichsstadt. Sechs sind heute noch zu sehen, wenn man weiß wohin man schauen muss, nur das Siebente gilt als verschollen. Aber da ließe sich vielleicht Abhilfe schaffen...
Ein eigenes Rathaus, eine heilkräftige Quelle, ein vergoldeter Stein der von altehrwürdiger Herkunft spricht, ein langer Kanal der die Mühlen stetig mahlen lässt, ein Adler und ein Roland, die von Unabhängigkeit und Einigkeit künden - das sind die sechs Wunder, die sich die alten Nordhäuser zu Beginn der Renaissance selber gaben. Ein 7. Wunder kam im Jahr 1519 dazu, von Meisterhand in Nürnberg gegossen - der Lindwurm, das Prunkgeschütz des Reichsstädtischen Arsenals.
Bis auf den Mühlgraben, der heute immerhin an einigen Stellen im Stadtbild wieder nachempfunden wird, sind fast alle Nordhäuser Wunder noch erhalten nur der Lindwurm ist unauffindbar. Im 18. Jahrhundert wurde die Kanone von den Preußen konfisziert und es verliert sich jede Spur. Die Stadtoberen haben mehrfach zum Verbleib des Lindwurms angefragt, aber ohne Erfolg. Das Kanonenrohr bestand aus Bronze und wurde wahrscheinlich einfach eingeschmolzen. Das einzig gute an der Sache ist, dass wir deswegen recht genaue Beschreibungen haben, wie der Lindwurm aussah, sagt Michael Garke von der Stadt- und Gästeführergilde.
Die begeht dieser Tage ihren 30. Geburtstag und hat zur Feier des Tages den alten Zwinger am Töpfertor jüngst um eine neue Informationstafel zur Geschichte der Stadtbefestigung bereichert. Beschrieben wird die Entwicklung und der Verlauf der Stadtmauer. Prominent vertreten ist hier auch ein Entwurf zum Aussehen des Lindwurms und das kommt nicht von ungefähr, denn der Herr Garke hegt einen Wunsch.
Die Stadt- und Gästeführergilde hat den Glasbau des Zwingers am Mittwoch um eine neue Schautafel bereichert (Foto: agl)
Nach der Rückkehr des Riesen am Lutherplatz und der Vergoldung des Theodosius-Steins soll auch der Lindwurm wieder einen Platz im Stadtbild erhalten, idealerweise direkt hier, am Zwinger. Der Entwurf, den wir hier haben ist gerade ein paar Wochen alt und soll erst einmal nur einen Eindruck davon vermitteln, wie der Lindwurm ausgesehen haben könnte. Aber irgendwann wäre es schön, wenn wir ihn auch hier stehen haben. Nicht als richtige Kanone natürlich, sondern als ein Denkmal für unser fehlendes Wunder, sagt Garke.
Mit einer Rohrlänge von 4,77 Metern käme ein wiederauferstandener Lindwurm samt Lafette auf stolze sieben Meter Länge und wäre wohl ein echter Hingucker. Auf dem Pflaster über den Resten des Zwingers wäre genug Platz, nur ganz günstig dürfte ein Bronzeguss in dieser Größe wohl nicht werden. Im Moment steht denn auch erst einmal nur die Idee im Raum, man will die Werbetrommel ein wenig rühren und sehen, ob sich Interesse regt. Nach dem 2017 eingeweihten neuem Lutherdenkmal am Blasii-Kirchplatz wäre es das zweite größere Denkmal, das sich die Stadt in der Gegenwart setzen könnte und eine passende Gelegenheit böte sich zum 1.100 Stadtgeburtstag in zwei Jahren.
Aber noch ist all das nur frommer Wunsch. Zur Einweihung der Schautafel war aber immerhin schon einmal das Rathaus in Person von Oberbürgermeister Kai Buchmann zugegen. Der hat sein Büro in einem der Wunder, blickt auf ein anderes und kommt jeden Tag an einem Dritten vorbei. Das historische Erbe ist dem Rathaus allgegenwärtig, meint der OB, es wäre durchaus interessant, das Set voll zu machen.
Erfährt der Lindwurm also eine Renaissance? Man wird sehen müssen, aber beim Riesen, dem goldenen Theo und dem neuen Luther haben sich letztlich auch Mittel und Wege gefunden, den Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen.
Wer mehr zum Lindwurm und der Geschichte der Nordhäuser Stadtbefestigung erfahren will, der ist gerne eingeladen die Gästeführer Michael Garke und Klaus-Uwe Koch morgen zwischen 10 und 16 Uhr am Zwinger zu besuchen. Die Katakomben werden für den Besucherverkehr geöffnet und die Herren lassen sich nur allzu gerne mit Fragen löchern. Außerdem bietet die Gilde zu ihrem 30. Geburtstag morgen ab 10 Uhr eine ganze Reihe an Sonderstadtführungen an. Eine Überblick zum Angebot gibt es hier. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Spende ist aber jederzeit willkommen.
Angelo Glashagel
Autor: redEin eigenes Rathaus, eine heilkräftige Quelle, ein vergoldeter Stein der von altehrwürdiger Herkunft spricht, ein langer Kanal der die Mühlen stetig mahlen lässt, ein Adler und ein Roland, die von Unabhängigkeit und Einigkeit künden - das sind die sechs Wunder, die sich die alten Nordhäuser zu Beginn der Renaissance selber gaben. Ein 7. Wunder kam im Jahr 1519 dazu, von Meisterhand in Nürnberg gegossen - der Lindwurm, das Prunkgeschütz des Reichsstädtischen Arsenals.
Bis auf den Mühlgraben, der heute immerhin an einigen Stellen im Stadtbild wieder nachempfunden wird, sind fast alle Nordhäuser Wunder noch erhalten nur der Lindwurm ist unauffindbar. Im 18. Jahrhundert wurde die Kanone von den Preußen konfisziert und es verliert sich jede Spur. Die Stadtoberen haben mehrfach zum Verbleib des Lindwurms angefragt, aber ohne Erfolg. Das Kanonenrohr bestand aus Bronze und wurde wahrscheinlich einfach eingeschmolzen. Das einzig gute an der Sache ist, dass wir deswegen recht genaue Beschreibungen haben, wie der Lindwurm aussah, sagt Michael Garke von der Stadt- und Gästeführergilde.
Die begeht dieser Tage ihren 30. Geburtstag und hat zur Feier des Tages den alten Zwinger am Töpfertor jüngst um eine neue Informationstafel zur Geschichte der Stadtbefestigung bereichert. Beschrieben wird die Entwicklung und der Verlauf der Stadtmauer. Prominent vertreten ist hier auch ein Entwurf zum Aussehen des Lindwurms und das kommt nicht von ungefähr, denn der Herr Garke hegt einen Wunsch.
Die Stadt- und Gästeführergilde hat den Glasbau des Zwingers am Mittwoch um eine neue Schautafel bereichert (Foto: agl)
Nach der Rückkehr des Riesen am Lutherplatz und der Vergoldung des Theodosius-Steins soll auch der Lindwurm wieder einen Platz im Stadtbild erhalten, idealerweise direkt hier, am Zwinger. Der Entwurf, den wir hier haben ist gerade ein paar Wochen alt und soll erst einmal nur einen Eindruck davon vermitteln, wie der Lindwurm ausgesehen haben könnte. Aber irgendwann wäre es schön, wenn wir ihn auch hier stehen haben. Nicht als richtige Kanone natürlich, sondern als ein Denkmal für unser fehlendes Wunder, sagt Garke.
Mit einer Rohrlänge von 4,77 Metern käme ein wiederauferstandener Lindwurm samt Lafette auf stolze sieben Meter Länge und wäre wohl ein echter Hingucker. Auf dem Pflaster über den Resten des Zwingers wäre genug Platz, nur ganz günstig dürfte ein Bronzeguss in dieser Größe wohl nicht werden. Im Moment steht denn auch erst einmal nur die Idee im Raum, man will die Werbetrommel ein wenig rühren und sehen, ob sich Interesse regt. Nach dem 2017 eingeweihten neuem Lutherdenkmal am Blasii-Kirchplatz wäre es das zweite größere Denkmal, das sich die Stadt in der Gegenwart setzen könnte und eine passende Gelegenheit böte sich zum 1.100 Stadtgeburtstag in zwei Jahren.
Aber noch ist all das nur frommer Wunsch. Zur Einweihung der Schautafel war aber immerhin schon einmal das Rathaus in Person von Oberbürgermeister Kai Buchmann zugegen. Der hat sein Büro in einem der Wunder, blickt auf ein anderes und kommt jeden Tag an einem Dritten vorbei. Das historische Erbe ist dem Rathaus allgegenwärtig, meint der OB, es wäre durchaus interessant, das Set voll zu machen.
Erfährt der Lindwurm also eine Renaissance? Man wird sehen müssen, aber beim Riesen, dem goldenen Theo und dem neuen Luther haben sich letztlich auch Mittel und Wege gefunden, den Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen.
Wer mehr zum Lindwurm und der Geschichte der Nordhäuser Stadtbefestigung erfahren will, der ist gerne eingeladen die Gästeführer Michael Garke und Klaus-Uwe Koch morgen zwischen 10 und 16 Uhr am Zwinger zu besuchen. Die Katakomben werden für den Besucherverkehr geöffnet und die Herren lassen sich nur allzu gerne mit Fragen löchern. Außerdem bietet die Gilde zu ihrem 30. Geburtstag morgen ab 10 Uhr eine ganze Reihe an Sonderstadtführungen an. Eine Überblick zum Angebot gibt es hier. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Spende ist aber jederzeit willkommen.
Angelo Glashagel


