Führung zur Kunst in Rathaus- und Ratskeller
Die Malerei soll ein Augenschmaus sein
Freitag, 05. September 2025, 12:47 Uhr
Am 14. September ist der bundesweite Tag des offenen Denkmals. Wie in jedem Jahr werden Führungen, Rundgänge und Aktionen in der Stadt Nordhausen und den Ortsteilen angeboten. Interessierte werden auch in diesem Jahr von Frau Heidelore Kneffel zu den wertvollen Gemälden durch das Nordhäuser Rathaus und Stadthaus geführt...
Passend zum Motto des Denkmalstags Wert-voll: unbezahlbar oder unersetzlich? kann man von Frau Kneffel viel Interessantes zur Malerei im sanierten Ratskeller Nordhausens erfahren.
Mit folgendem Beitrag gibt Heidelore Kneffel einen ersten Einblick eines der Werke:
Im mittleren ehemaligen Gastraum des 1991/92 wieder hergerichteten Nordhäuser Ratskellers malte der Künstler Erich Enge (11.09.1932 – 21.12.2023) aus Erfurt ein Wandgemälde, das er insbesondere den Nordhäusern und deren Gästen widmete: Bachus im Harz. Leider erreichte es in der Stadt nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient hat. Deshalb soll es beim diesjährigen Tag der offenen Denkmals am 14.
September 2025 bei einer Führung durch den Ratskeller genauer vorgestellt werden, weil es in sich auch die Historie Nordhausens und des Harzes trägt. Erich Enge wurde in Böhmen geboren, absolvierte eine Ausbildung als Maurer, studierte an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale bei den Professoren Willy Sitte und Kurt Bunge und erhielt das Diplom als Maler. Bis 1971 lebte er freischaffend in Eisleben, verzog dann nach Erfurt, beschäftigte sich intensiv mit dem Holzschnitt, schuf als Kunst am Bau mehrere Wandbilder im öffentlichen Raum, deren Schicksal sich nach 1990 sehr unterschiedlich gestaltete.
Ein Glanzstück in Nordhausen stellt wie erwähnt das auf Alabastergips gemalte Wandbild dar, Bachus im Harz, in der Größe von 2,80 cm x 2,30 cm. Wie kam es zu der Motivwahl des Enge-Gemäldes? Wir hatten 1991 längere Zeit vor dem aus Eiche geformten Roland gestanden, seinen Wert als historische Gestalt für die Stadt dargestellt und das Entstehen der vierköpfigen Rolandgruppe erläutert. Die vier Personen erschienen dann beim Malvorgang auch in den Gasträumen und erzählten.
Der Maler schlief sehr oft in den Räumen, wollte den Tag voll ausschöpfen. Vor Presseleuten äußerte er zum Thema Bacchus im Harz: Natürlich spielte für mich der Wein, manchmal verbunden mit etwas Spinnereien, eine gewisse Rolle und lässt einem dabei große Freiheiten. Aber es gibt auch einen Bezug auf die historischen Deckenelemente dieses Raumes mit den historischen Figuren der Antike und auf ortsansässige Originale wie Professor Zwanziger und den alten Ebersberg.
Im Vordergrund des Gemäldes sitzen zwei Gruppen an zwei Tischen und speisen. Die linke Gruppe zeigt den Prof. Zwanziger in seinem ordensgeschmückten und etwas zu reichlich geratenem Frack. Das (eulen)-gespiegelte Konterfei des Karl Ebersberg blickt den Betrachter aus dem blanken Boden einer Bratpfanne entgegen, aus der gebratene Hühnchen fliegen. Sein Knotenstock lehnt am Stuhl, der Hut hängt an der Lehne. Am Nebentisch hat Enge seinen Malerkollegen Ulf Raecke aus Erfurt und sich gemeinsam mit dem bärtigen Bauleiter Gerlach des Landratsamtes platziert. Auf dem Tisch leuchtet eine antikisierende Laterne, die sich Raecke im Nordhäuser Antiquariat gekauft hatte. Zwischen den Tischen schreitet geschmeidig beschwingt eine kurzberockte Kellnerin mit Sektgläsern auf dem Serviertablett hindurch.
Über dieser Szenerie spielt sich Phantastisches ab, was sich Zwanziger schmunzelnd betrachtet, seine Zigarre in der Hand, die Wetterkarte im Arm. Man entdeckt das Pferd der Dichtkunst, den Pegasus mit Schmetterlingsflügeln und sieht sich tummelnde Hexen fliegen, den Mond, ein Segelschiff mit der blauen Blume der Romantik verziert, ein sich küssendes Paar, eine Musikantin taucht auf, denn der Himmel hängt voller Geigen, auch die Muse der Malerei ist am Wirken. Ja, Phantastisches passiert auch in Nordhausen, glauben wir daran! Nach einer Bauzeit von 13 Monaten konnten alle drei Räume, der große holzverkleidete Gastraum mit den sechs großformatigen in Ölmalerei gemalten Halbbogenbildern mit Landschaftsdarstellungen aus unserer Region, das Antikenzimmer, was im Text benannt wurde, und der mit prachtvoll von der Decke leuchtenden Wappen gestaltete dritte Raum an den 1. Pächter des Ratskellers, Herrn Ronald Gerlach, übergeben werden.
Es gibt über die weitere Historie dieser Räumlichkeiten seit 1992 vieles zu sagen, Erbauliches und dann zum Teil Niederschmetterndes! Im Jahr 2024 tat sich Erfreuliches in den kunstvollen Räumen, verfolgen wir das weitere Geschehen aufmerksam.
Autor: redPassend zum Motto des Denkmalstags Wert-voll: unbezahlbar oder unersetzlich? kann man von Frau Kneffel viel Interessantes zur Malerei im sanierten Ratskeller Nordhausens erfahren.
Mit folgendem Beitrag gibt Heidelore Kneffel einen ersten Einblick eines der Werke:
Im mittleren ehemaligen Gastraum des 1991/92 wieder hergerichteten Nordhäuser Ratskellers malte der Künstler Erich Enge (11.09.1932 – 21.12.2023) aus Erfurt ein Wandgemälde, das er insbesondere den Nordhäusern und deren Gästen widmete: Bachus im Harz. Leider erreichte es in der Stadt nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient hat. Deshalb soll es beim diesjährigen Tag der offenen Denkmals am 14.
September 2025 bei einer Führung durch den Ratskeller genauer vorgestellt werden, weil es in sich auch die Historie Nordhausens und des Harzes trägt. Erich Enge wurde in Böhmen geboren, absolvierte eine Ausbildung als Maurer, studierte an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale bei den Professoren Willy Sitte und Kurt Bunge und erhielt das Diplom als Maler. Bis 1971 lebte er freischaffend in Eisleben, verzog dann nach Erfurt, beschäftigte sich intensiv mit dem Holzschnitt, schuf als Kunst am Bau mehrere Wandbilder im öffentlichen Raum, deren Schicksal sich nach 1990 sehr unterschiedlich gestaltete.
Ein Glanzstück in Nordhausen stellt wie erwähnt das auf Alabastergips gemalte Wandbild dar, Bachus im Harz, in der Größe von 2,80 cm x 2,30 cm. Wie kam es zu der Motivwahl des Enge-Gemäldes? Wir hatten 1991 längere Zeit vor dem aus Eiche geformten Roland gestanden, seinen Wert als historische Gestalt für die Stadt dargestellt und das Entstehen der vierköpfigen Rolandgruppe erläutert. Die vier Personen erschienen dann beim Malvorgang auch in den Gasträumen und erzählten.
Der Maler schlief sehr oft in den Räumen, wollte den Tag voll ausschöpfen. Vor Presseleuten äußerte er zum Thema Bacchus im Harz: Natürlich spielte für mich der Wein, manchmal verbunden mit etwas Spinnereien, eine gewisse Rolle und lässt einem dabei große Freiheiten. Aber es gibt auch einen Bezug auf die historischen Deckenelemente dieses Raumes mit den historischen Figuren der Antike und auf ortsansässige Originale wie Professor Zwanziger und den alten Ebersberg.
Im Vordergrund des Gemäldes sitzen zwei Gruppen an zwei Tischen und speisen. Die linke Gruppe zeigt den Prof. Zwanziger in seinem ordensgeschmückten und etwas zu reichlich geratenem Frack. Das (eulen)-gespiegelte Konterfei des Karl Ebersberg blickt den Betrachter aus dem blanken Boden einer Bratpfanne entgegen, aus der gebratene Hühnchen fliegen. Sein Knotenstock lehnt am Stuhl, der Hut hängt an der Lehne. Am Nebentisch hat Enge seinen Malerkollegen Ulf Raecke aus Erfurt und sich gemeinsam mit dem bärtigen Bauleiter Gerlach des Landratsamtes platziert. Auf dem Tisch leuchtet eine antikisierende Laterne, die sich Raecke im Nordhäuser Antiquariat gekauft hatte. Zwischen den Tischen schreitet geschmeidig beschwingt eine kurzberockte Kellnerin mit Sektgläsern auf dem Serviertablett hindurch.
Über dieser Szenerie spielt sich Phantastisches ab, was sich Zwanziger schmunzelnd betrachtet, seine Zigarre in der Hand, die Wetterkarte im Arm. Man entdeckt das Pferd der Dichtkunst, den Pegasus mit Schmetterlingsflügeln und sieht sich tummelnde Hexen fliegen, den Mond, ein Segelschiff mit der blauen Blume der Romantik verziert, ein sich küssendes Paar, eine Musikantin taucht auf, denn der Himmel hängt voller Geigen, auch die Muse der Malerei ist am Wirken. Ja, Phantastisches passiert auch in Nordhausen, glauben wir daran! Nach einer Bauzeit von 13 Monaten konnten alle drei Räume, der große holzverkleidete Gastraum mit den sechs großformatigen in Ölmalerei gemalten Halbbogenbildern mit Landschaftsdarstellungen aus unserer Region, das Antikenzimmer, was im Text benannt wurde, und der mit prachtvoll von der Decke leuchtenden Wappen gestaltete dritte Raum an den 1. Pächter des Ratskellers, Herrn Ronald Gerlach, übergeben werden.
Es gibt über die weitere Historie dieser Räumlichkeiten seit 1992 vieles zu sagen, Erbauliches und dann zum Teil Niederschmetterndes! Im Jahr 2024 tat sich Erfreuliches in den kunstvollen Räumen, verfolgen wir das weitere Geschehen aufmerksam.

