nnz nachgefragt
Barrierefrei leben und wohnen– aber wie?
Freitag, 24. Oktober 2025, 09:00 Uhr
Der sechste Immobilienabend des Immobilienexpertenteam-Südharz (IET-Südharz) am 5. November 2025 beschäftigt sich mit dem aktuellen Thema: barrierefreies Wohnen im Alter. Warum widmet sich das IET-Südharz gerade diesem Thema einen ganzen Abend lang?
Marko Siebold (Foto: IET)
nnz: Herr Kroll, Ihr Vortrag trägt den Titel Wohnen mit Weitblick. Warum ist das Thema barrierefreies Wohnen im Alter heute so dringlich wie nie zuvor?
Michael Kroll (Immobilienberater/-makler): Der demografische Wandel ist längst Realität: Wir werden älter, bleiben länger aktiv – und möchten selbstbestimmt wohnen. Schon heute übersteigt die Nachfrage nach barrierefreiem Wohnraum das Angebot deutlich. Wohnen ist ein Grundbedürfnis, das mit dem Älterwerden nicht verschwindet, sondern sich verändert. Wir brauchen Wohnungen, die Sicherheit, Komfort und Selbstständigkeit im Alter ermöglichen – und das am besten vorausschauend geplant, nicht erst in der akuten Lebenssituation. Derzeit besteht ein enormer Nachfrageüberhang, d. h. die Nachfrage übersteigt das Angebot an barrierefreien Wohnungen.
nnz: Wie stark wirkt sich dieser Nachfrageüberhang konkret auf den Immobilienmarkt aus?
Michael Kroll (Immobilienberater/-makler): In vielen Regionen – auch hier im Südharz – ist das Angebot an barrierearmen oder barrierefreien Wohnungen schlicht viel zu niedrig. Die immer weiter steigende Nachfrage führt dazu, dass sowohl die Kaufpreise als auch die Mieten weiter steigen; abzulesen im jährlich erscheinenden Mietpreisspiegel für den Landkreis Nordhausen und den Kyffhäuserkreis (siehe: https://mietpreisspiegel-ndh-kyf.de).
nnz: Was ist das Resultat?
Viele ältere Menschen können sich passende Objekte kaum leisten oder finden gar keine. Das führt zu einem Verdrängungseffekt, bei dem Betroffene oft in nicht altersgerechten Wohnungen bleiben müssen, was langfristig auch soziale und gesundheitliche Folgen hat.
nnz: Herr Engelhardt, Ihr Vortrag Barrierefrei Wohnen – was zeichnet eine barrierefreie Wohnung aus?
Lutz Engelhardt (Immobilienbewerter/Fachplaner für Barrierefreies Bauen): Neben meiner Arbeit als Immobilienbewerter widme ich mich intensiv dem Thema Barrierefreies Bauen. Wohnen ist dabei das zentrale Thema, welches – wie bereits Herr Kroll sagte – ein Grundbedürfnis für alle Menschen ist. Nur stelle ich in meiner täglichen Praxis fest, dass ein großer Informationsbedarf besteht, was überhaupt der Begriff barrierefrei in Bezug auf das Wohnen bedeutet. Aus diesem Grund stelle ich korrespondierend zum Vortrag von Herrn Kroll die Eckpunkte des barrierefreien Wohnens vor.
nnz: Können Sie näher auf die Eckpunkte eingehen?
Lutz Engelhardt (Immobilienbewerter/Fachplaner für Barrierefreies Bauen): Gern! Zentrale Bedeutung für das barrierefreie Wohnen ist die Erreich- und Nutzbarkeit desselben. Bei der Erreichbarkeit kommt es darauf an, dass keine Hindernisse bzw. Stufen oder Schwellen bis zur Wohnung bestehen. Dazu brauchen wir niveaugleiche Eingänge, ausreichend Bewegungsflächen an Türen und neben Treppen auch Möglichkeiten, die barrierefreien Wohnungen, z. B. über einen Aufzug, zu erreichen. Innerhalb der Wohnung hat die Nutzbarkeit des Bades eine zentrale Bedeutung, denn man kann seine Wohnung nur solange selbstständig nutzen, wenn man die Toilettengänge und die Körperpflege eigenständig realisieren kann. Falls dies nicht mehr möglich ist, bleibt nur die Unterstützung durch einen Pflegedienst oder aber die stationäre Pflege in einem Heim.
nnz: Also hat barrierefreies Wohnen immer etwas mit Alter oder Behinderungen zu tun?
Lutz Engelhardt ((Immobilienbewerter/Fachplaner für Barrierefreies Bauen): Nein, gerade hier hat in den letzten Jahren ein enormer Paradigmenwechsel stattgefunden. Heute ist barrierefreies Wohnen ein entscheidender Komfortaspekt mit der Perspektive, seine Wohnung so lange wie möglich selbst zu nutzen. Nur barrierefreien Wohnraum zu realisieren, ist für viele Planer – selbst wenn der Wille dazu besteht – eine große Hürde. Ich möchte mit meinem Vortrag die Zuhörer an diesem Abend dafür sensibilisieren, kritisch mit den Angeboten, z. B. von barrierearmen Wohnungen, umzugehen und ggf. diese zu hinterfragen.
nnz: Herr Kroll, was möchten Sie den Immobilienakteuren und politischen Entscheidungsträgern an dieser Stelle mitgeben?
Michael Kroll (Immobilienberater/-makler): Wir müssen heute handeln, damit morgen niemand zurückbleibt. Barrierefreies Wohnen ist kein Nischenthema mehr – es betrifft uns alle, direkt oder indirekt. Die Immobilienbranche trägt hier eine große Verantwortung, aber auch eine Chance: Wer heute zukunftsorientiert plant, gestaltet eine Gesellschaft, in der Menschen auch im Alter selbstbestimmt und würdevoll leben können. Das ist ein Gewinn für alle Generationen.
nnz: Vielen Dank für das Gespräch. Im Terminkalender der nnz gibt es aktuell die konkreten Daten mit allen wichtigen Informationen.
Autor: psg
Marko Siebold (Foto: IET)
nnz: Herr Kroll, Ihr Vortrag trägt den Titel Wohnen mit Weitblick. Warum ist das Thema barrierefreies Wohnen im Alter heute so dringlich wie nie zuvor?
Michael Kroll (Immobilienberater/-makler): Der demografische Wandel ist längst Realität: Wir werden älter, bleiben länger aktiv – und möchten selbstbestimmt wohnen. Schon heute übersteigt die Nachfrage nach barrierefreiem Wohnraum das Angebot deutlich. Wohnen ist ein Grundbedürfnis, das mit dem Älterwerden nicht verschwindet, sondern sich verändert. Wir brauchen Wohnungen, die Sicherheit, Komfort und Selbstständigkeit im Alter ermöglichen – und das am besten vorausschauend geplant, nicht erst in der akuten Lebenssituation. Derzeit besteht ein enormer Nachfrageüberhang, d. h. die Nachfrage übersteigt das Angebot an barrierefreien Wohnungen.
nnz: Wie stark wirkt sich dieser Nachfrageüberhang konkret auf den Immobilienmarkt aus?
Michael Kroll (Immobilienberater/-makler): In vielen Regionen – auch hier im Südharz – ist das Angebot an barrierearmen oder barrierefreien Wohnungen schlicht viel zu niedrig. Die immer weiter steigende Nachfrage führt dazu, dass sowohl die Kaufpreise als auch die Mieten weiter steigen; abzulesen im jährlich erscheinenden Mietpreisspiegel für den Landkreis Nordhausen und den Kyffhäuserkreis (siehe: https://mietpreisspiegel-ndh-kyf.de).
nnz: Was ist das Resultat?
Viele ältere Menschen können sich passende Objekte kaum leisten oder finden gar keine. Das führt zu einem Verdrängungseffekt, bei dem Betroffene oft in nicht altersgerechten Wohnungen bleiben müssen, was langfristig auch soziale und gesundheitliche Folgen hat.
nnz: Herr Engelhardt, Ihr Vortrag Barrierefrei Wohnen – was zeichnet eine barrierefreie Wohnung aus?
Lutz Engelhardt (Immobilienbewerter/Fachplaner für Barrierefreies Bauen): Neben meiner Arbeit als Immobilienbewerter widme ich mich intensiv dem Thema Barrierefreies Bauen. Wohnen ist dabei das zentrale Thema, welches – wie bereits Herr Kroll sagte – ein Grundbedürfnis für alle Menschen ist. Nur stelle ich in meiner täglichen Praxis fest, dass ein großer Informationsbedarf besteht, was überhaupt der Begriff barrierefrei in Bezug auf das Wohnen bedeutet. Aus diesem Grund stelle ich korrespondierend zum Vortrag von Herrn Kroll die Eckpunkte des barrierefreien Wohnens vor.
nnz: Können Sie näher auf die Eckpunkte eingehen?
Lutz Engelhardt (Immobilienbewerter/Fachplaner für Barrierefreies Bauen): Gern! Zentrale Bedeutung für das barrierefreie Wohnen ist die Erreich- und Nutzbarkeit desselben. Bei der Erreichbarkeit kommt es darauf an, dass keine Hindernisse bzw. Stufen oder Schwellen bis zur Wohnung bestehen. Dazu brauchen wir niveaugleiche Eingänge, ausreichend Bewegungsflächen an Türen und neben Treppen auch Möglichkeiten, die barrierefreien Wohnungen, z. B. über einen Aufzug, zu erreichen. Innerhalb der Wohnung hat die Nutzbarkeit des Bades eine zentrale Bedeutung, denn man kann seine Wohnung nur solange selbstständig nutzen, wenn man die Toilettengänge und die Körperpflege eigenständig realisieren kann. Falls dies nicht mehr möglich ist, bleibt nur die Unterstützung durch einen Pflegedienst oder aber die stationäre Pflege in einem Heim.
nnz: Also hat barrierefreies Wohnen immer etwas mit Alter oder Behinderungen zu tun?
Lutz Engelhardt ((Immobilienbewerter/Fachplaner für Barrierefreies Bauen): Nein, gerade hier hat in den letzten Jahren ein enormer Paradigmenwechsel stattgefunden. Heute ist barrierefreies Wohnen ein entscheidender Komfortaspekt mit der Perspektive, seine Wohnung so lange wie möglich selbst zu nutzen. Nur barrierefreien Wohnraum zu realisieren, ist für viele Planer – selbst wenn der Wille dazu besteht – eine große Hürde. Ich möchte mit meinem Vortrag die Zuhörer an diesem Abend dafür sensibilisieren, kritisch mit den Angeboten, z. B. von barrierearmen Wohnungen, umzugehen und ggf. diese zu hinterfragen.
nnz: Herr Kroll, was möchten Sie den Immobilienakteuren und politischen Entscheidungsträgern an dieser Stelle mitgeben?
Michael Kroll (Immobilienberater/-makler): Wir müssen heute handeln, damit morgen niemand zurückbleibt. Barrierefreies Wohnen ist kein Nischenthema mehr – es betrifft uns alle, direkt oder indirekt. Die Immobilienbranche trägt hier eine große Verantwortung, aber auch eine Chance: Wer heute zukunftsorientiert plant, gestaltet eine Gesellschaft, in der Menschen auch im Alter selbstbestimmt und würdevoll leben können. Das ist ein Gewinn für alle Generationen.
nnz: Vielen Dank für das Gespräch. Im Terminkalender der nnz gibt es aktuell die konkreten Daten mit allen wichtigen Informationen.
