Sportlicher Rück- und Ausblick
Zu Fuß und auf dem Rad ein gutes Jahr
Donnerstag, 30. Oktober 2025, 15:30 Uhr
Wer gerne die Laufschuhe anzieht und nach Herausforderungen und schönen Strecken sucht, der ist im Südharz nicht verkehrt. Eine ganze Reihe an ehrenamtlich organisierten Lauf-, Rad-, und Wanderevents lockte viele Sportfreunde im vergangenen Jahr. Allerdings hat man auch zwei herbe Verluste zu beklagen…
Zum Treffen der Lauforganisatoren hatten gestern Sportkoordinator Werner Hütcher und Landrat Matthias Jendricke in das Sonneneck im Gehege eingeladen. Um den gegenseitigen Austausch sollte es gehen sowie um die Koordination für das kommende Jahr. Und auch die Wertschätzung für das Geleistete kam nicht zu kurz.
Danke, danke, nochmals danke - mit diesen Worten begrüßte Hütcher die Sportfreunde aus dem ganzen Landkreis. Aus Bleicherode war Alfred Engelmann gekommen, der mit dem Vogelberglauf eine der traditionsreichsten Läufe der Region mitorganisiert, für den Harzblick Wandermarathon waren Thomas und Kerstin Schröder aus Ellrich angereist und hatten gleich Fabian Karnstedt mitgebracht, der den Stadtwaldlauf mit Hilfe der Ellricher Schüler auf die Beine stellt. Harztorlauf und Hexenrennen waren mit Dirk Wackerhagen vertreten, für die Nordhäuser berichtete Gunnar Haase über den anstehenden Silvesterlauf und aus der Goldenen Aue waren Sebastian Albert und Andreas Liesegang gekommen, die im Mai mit der NaTour viel Volk auf die Räder locken konnten.
Joy Ride durch die Aue
Es war an dem dynamischen Duo aus Auleben und Windehausen, den Rückblick auf das vergangene Jahr zu eröffnen. Die NaTour hatte Mitte Mai über 600 Menschen auf die Räder und raus in die Natur gelockt, ein beachtlicher Auftakterfolg für eine Idee, die aus einer Bierlaune heraus entstanden war.
Wir haben in der Goldenen Aue das beste Radwegenetz im ganzen Landkreis, die Idee damit auch etwas zu machen spukte eine ganze Weile in unseren Köpfen umher, erzählt Albert, seines Zeichens ausgemachter Fahrradnarr. Bei Andreas Liesegang und vielen anderen rannte man offene Türen ein, aber die Organisation stellte die Enthusiasten vor Herausforderungen. Hätten wir eine klassische Ausfahrt im Pulk gemacht, wäre der logistische Aufwand enorm gewesen. Stattdessen haben wir uns bei der Idee der Wanderstempel bedient und eine Stempelfahrt auf die Beine gestellt, die jeder individuell gestalten konnte, berichtet Liesegang gestern Nachmittag. In den Orten der Aue wird das Vorhaben mit Verve aufgenommen - vom Milchbetrieb bis zu Kirche, Feuerwehr, Sportverein und Geologen machen viele Leute mit und bieten neben einem Anlaufpunkt für Radwanderer auch interessante Einblicke und kleine Aktionen an. Einen zentralen Start gab es zwar, aber die Radler konnten sich ihre Strecken individuell anpassen. Rund 50 Teilnehmer schafften es, die ganze Runde abzufahren und alle Stempel mitzunehmen - immerhin eine Wegstrecke von guten 60 Kilometern, der Älteste unter dieser Gruppe war stolze 75 Lenze jung.
Der Turnvater wäre Stolz gewesen - in Nordhausen sorgt viel ehrenamtliches Engegagment für Bürgersport (Foto: agl)
In den Startlöchern
Die Radfreunde aus der Goldenen Aue freuen sich über den großen Zuspruch, jedes Jahr kann man ein Event dieser Größe aber nicht stemmen. Eine zweite Runde soll es geben, aber aller Voraussicht nach erst in 2027. Um Ruhm und Reibach geht es hier keinem, so gut wie alle Läufe zwischen Südharz und Kyffhäuser sind im besten Sinne Bürgersport und mit viel ehrenamtlichen Schweiß hart erarbeitet. Ohne Menschen, die Lust und Laune haben, solche Ideen Wirklichkeit werden zu lassen, wäre der Sport in der Region um vieles ärmer.
Auch wenn gerade Nordhausen sportlich in den letzten Jahren einige Federn lassen musste, bleibt das bürgerliche Engagement ungebrochen hoch und auch der Kalender für das kommende Laufjahr ist schon gut gefüllt. Der letzte Startschuss ist für dieses Jahr aber noch nicht gefallen:
Hexenrennen, die Zweite
Einen ähnlich guten Start wie die NaTour legte im vergangenen Jahr das Hexenrennen hin. An der Baustelle des Harzer Hexenreiches hatte sich zu Halloween viel kostümiertes Volk eingefunden, um in mannigfacher Verkleidung an den Start zu gehen.
Morgen früh geht der Hexenlauf nun in die zweite Runde, wieder startet man am Hexenbesen, der seit ein paar Wochen keine Baustelle mehr ist. Die Resonanz war enorm, wir hatten um die 350 Startplätze in der Voranmeldung, die sind alle weg., sagt Dirk Wackerhagen vom Verein Harztorlauf. In Anbetracht der großen Nachfrage wurde bei den Nachmeldungen für die Strecken über 8. und 4. Kilometer noch einmal aufgestockt, insgesamt können morgen 444 Sportlerinnen und Sportler aller Altersklassen antreten, los geht es um 10 Uhr mit dem Bamini-Lauf. Im Vordergrund steht dabei einmal nicht das sportliche Kräftemessen, sondern der Spaß und die kreative Leistung. Ausgezeichnet wird in diesem Sinne auch nicht allein der Zieleinlauf, sondern auch die schönsten Kostüme.
Tradition zum Jahresende
Nun ist Ende Oktober nicht eben die ideale Zeit für gutes Laufwetter, aber das Hexenrennen ist trotzdem nicht der letzte Lauf der Jahres. Diese Ehre gebührt, in seiner nunmehr 37. Ausgabe, dem Silvesterlauf in Nordhausen, der wieder vom LV Altstadt organisiert wird. Im Verein gibt es in diesem Jahr zwar einen Generationswechsel, an der Strecke bleibe aber alles wie gehabt, berichtet Gunnar Haase. Zum 31.12. lockt man traditionell eher weniger Laufbegeisterte, dafür finden mehr Kurzentschlossene ihren Weg zum Start an der Turnhalle in Nordhausen Nord, so Haase weiter. Das Chaos habe man noch immer beherrscht und so werde es auch bleiben.
Die Winterpause endet bei den Nachbarn am Kyffhäuser zeitig, schon am 24. Januar wird zum 7. Kyffhäuser Staffellauf geladen. In Nordhausen fällt der erste Startschuss am 28.02.2026 mit dem Albert-Kuntz-Lauf des Nordhäuser Sportvereins. Am 15. März geht es in der Nachbarschaft mit dem Possenlauf weiter. Am 25. April steht die Harzquerung an, die vom Skiclub Wernigerode ausgerichtet wird.
Der Marathon ist gesetzt
Am 3. Mai geht es zwischen Sophienhof und Niedersachswerfen wieder hoch her, wenn zum Harztorlauf geladen wird. Den alten Wunsch nach einem Marathon hat man sich zum 10. Geburtstag bereits erfüllt und was als einmaliges Experiment begann, gehört laut Dirk Wackerhagen nun fest zum Programm. So lange wir eine bestimmte Zahl an Läuferinnen und Läufern zusammenbekommen, ist der Marathon gesetzt, das ist im Verein Konsens, berichtet Dirk Wackerhagen. Ein zweites Wunschziel konnte man im vergangen Jahr knacken: 1.001 Teilnehmer standen beim Harztorlauf 2025 auf dem Papier. Im Ziel liefen letztlich 960 Sportler ein, das kleine Delta zwischen Anmeldung und Start lässt sich sicher auch noch überbrücken.
Wir haben eine wunderschöne Strecke, gerade auf dem Marathon und dem Halbmarathon. Wer die acht Kilometer schon gelaufen ist, sollte sich die 21 nicht entgehen lassen, schwärmt Wackerhagen. Auf Naturschönheit alleine setzt man nicht, im kommenden Jahr stehen ein paar Änderungen und Ergänzungen an. Zum einen werde man auf die Kritik des vergangenen Jahres reagieren und die Startgelder für Kinder und Jugendliche auf unter zehn Euro senken. Ziel müsse es sein, den Nachwuchs zum laufen zu animieren, also werde man die Preise anpassen.
Neu hinzukommen soll in 2026 eine Radtour. Geplant sind zwei Starts für jeweils 50 Teilnehmer, vorgegeben sind dabei lediglich Start und Ziel, sowie ein paar Etappenpunkte. Wie man von A nach B und C kommt, bleibt den Radfahrern selber überlassen, mit dem Laufgeschehen sollte das Radrennen nicht ins Gehege geraten, berichtet Wackerhagen.
Tradition in Bleicherode und Ellrich
Eine Woche nach dem Harztorlauf lockt der Stadtwaldlauf in Ellrich am 10. Mai. Den Generationswechsel, der so vielen Vereinen noch bevorsteht, hat man hier schon vor drei Jahren vollzogen. Mit Fabian Karnstedt hat eine frische Kraft die Zügel beim VfL Ellrich übernommen. Wenn wir über 200 Teilnehmer kommen, ist das super, letztes Jahr waren wir bei 270, das hat sich gut eingespielt, berichtet Karnstedt. Das besondere am Stadtlauf: auch die Ellricher Oberschule ist mit im Boot und das nicht nur sportlich. Die Schülerinnen und Schüler helfen bei der Vorbereitung der Strecke und am Wettkampftag nach Kräften aus.
Auf gut gewachsene Strukturen kann man auch in Bleicherode bauen, hier findet am 07.06. der 43. Vogelberglauf statt, was die Traditionsveranstaltung zu einem, wenn nicht gar zu dem ältesten Lauf der Region macht. Und wer den Vogelberg kennt, der weiß, dass es die Strecke in sich hat. Trotzdem kommen regelmäßig rund 300 Starterinnen und Starter nach Bleicherode, zum Teil von sehr weit her. Geboten werden Läufe über zwei, fünf, zehn und 20 Kilometer. Von den leichten Hügeln und dem einen oder anderen, kleinem Anstieg sollte man sich nicht Schrecken lassen, meinte Alfred Engelmann an den Landrat gewandt, die kleine Runde hat sogar schon eine Dame mit Rollator bewältigt.
Im Nordwesten des Landkreises geht es weiter, am 13. Juni lädt die Netzwerkkirche Ellrich zum 4. Harzblick Wandermarathon. Auch hier konnte man sich im Jahr 2024 nicht über einen Mangel an Teilnehmern beschweren, rund 680 Wanderer aus 14 Bundesländern hatten an dem gemütlichen Ausflug teilgenommen. Zuvor war die Wanderung von Pfarrer Jochen Lenz ins Leben gerufen worden, seine großen Fußstapfen füllen nun Thomas und Kerstin Schröder. Der Aufwand ist groß, deswegen gibt es den Wandermarathon auch nur alle zwei Jahre. Aber wir bekommen viel Unterstützung aus der Region und der Gemeinde und sind guter Dinge, sagt Thomas Schröder. Wie bei jedem Wandermarathon wird auch im kommenden Jahr wieder auf neuen Strecken gelaufen. Da die Kurzstrecke über fünf Kilometer als etwas zu kurz empfunden wurde, wird man über 42, 24 und 10 Kilometer durch den Südharz wandern können.
Jeder abgesagte Lauf ist ein Verlust
Die Laufsaison geht danach langsam ihrem Ende entgegen, am 20. und 21.06. lockt der Scheunenhof-Triathlon, am 29. August der Stolberger Schlosslauf. Wer sich ein wenig mit dem sportlichen Kalender auskennt, der wird hier zwei beliebte Laufveranstaltungen vermissen: den Nordhäuser City-Lauf und den Herbstcrosslauf im Nordhäuser Gehege.
Für beide Events sieht es im Moment eher trübe aus, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Der City-Lauf war unter der Schirmherrschaft der Südharz-Galerie lange Zeit Teil der verkaufsoffene Sonntage in der Stadt. Seit dem Rückzug der Galerie als Sponsor und Organisator sucht man nach Alternativen, bisher aber ohne konkrete Ergebnisse. Gespräche habe es gegeben, sagt Sportkoordinator Werner Hütcher, bisher sei aber nichts spruchreif. Wir haben alles versucht, den Lauf zu retten, aber da fehlt es im Moment an jemanden, der vorne weg geht., so Hütcher.
Die Unterstützung, die man über den Landkreis bekomme, fehle in der Stadt, ergänzt Dirk Wackerhagen. Eine Alternative könne ein Unternehmenslauf sein, der unter der Woche und nicht zum Sonntag stattfinden würde. Ein kommerzieller Laufanbieter soll diesbezüglich die Fühler ausgestreckt haben, spruchreife Informationen gibt es aber auch hier nicht. Ob nun kommerziell oder nicht, ein Stadtlauf würde einem Oberzentrum gut zu Gesicht stehen, so der Konsens in der Läuferrunde.
Jemand, der vorne weg geht fehlt auch beim Crosslauf. 35 Jahre lang wurde der Schulwettkampf im Gehege durchgeführt, mitunter zwei mal im Jahr und mit jeweils zwischen 600 und 800 Schülerinnen und Schülern aus dem gesamten Landkreis. Der Großwettkampf liegt seit diesem Jahr auf Eis, nach über drei Jahrzehnten gab es keinen Crosslauf in Nordhausen, weder im Herbst, noch im Frühling. Es blutet einem das Herz wenn man sieht was wir da gerade verlieren, sagt Werner Hütcher, der in seiner aktiven Zeit 75 Crossläufe betreut hat.
Den Sportfreunden vor Ort sind in der Organisation die Hände gebunden, Stadt und Kreis könnten logistisch unterstützen, eigentlich zuständig ist aber das Schulamt in Worbis und das lässt den Schulsport in Nordhausen zur Zeit über die Kollegen aus dem Eichsfeld und dem Kyffhäuserkreis betreuen. Jemand der vor Ort die Zügel zusammenbringt und sich um die vielen Details kümmern könnte, fehlt gerade. Auf absehbare Zeit wird es wohl keinen Crosslauf geben, wer nach sportlicher Herausforderung sucht, muss sich also anderswo umsehen. Zum Glück bietet die Region reichlich Alternativen, auch außerhalb des Schulsports.
Angelo Glashagel
Autor: redZum Treffen der Lauforganisatoren hatten gestern Sportkoordinator Werner Hütcher und Landrat Matthias Jendricke in das Sonneneck im Gehege eingeladen. Um den gegenseitigen Austausch sollte es gehen sowie um die Koordination für das kommende Jahr. Und auch die Wertschätzung für das Geleistete kam nicht zu kurz.
Danke, danke, nochmals danke - mit diesen Worten begrüßte Hütcher die Sportfreunde aus dem ganzen Landkreis. Aus Bleicherode war Alfred Engelmann gekommen, der mit dem Vogelberglauf eine der traditionsreichsten Läufe der Region mitorganisiert, für den Harzblick Wandermarathon waren Thomas und Kerstin Schröder aus Ellrich angereist und hatten gleich Fabian Karnstedt mitgebracht, der den Stadtwaldlauf mit Hilfe der Ellricher Schüler auf die Beine stellt. Harztorlauf und Hexenrennen waren mit Dirk Wackerhagen vertreten, für die Nordhäuser berichtete Gunnar Haase über den anstehenden Silvesterlauf und aus der Goldenen Aue waren Sebastian Albert und Andreas Liesegang gekommen, die im Mai mit der NaTour viel Volk auf die Räder locken konnten.
Joy Ride durch die Aue
Es war an dem dynamischen Duo aus Auleben und Windehausen, den Rückblick auf das vergangene Jahr zu eröffnen. Die NaTour hatte Mitte Mai über 600 Menschen auf die Räder und raus in die Natur gelockt, ein beachtlicher Auftakterfolg für eine Idee, die aus einer Bierlaune heraus entstanden war.
Wir haben in der Goldenen Aue das beste Radwegenetz im ganzen Landkreis, die Idee damit auch etwas zu machen spukte eine ganze Weile in unseren Köpfen umher, erzählt Albert, seines Zeichens ausgemachter Fahrradnarr. Bei Andreas Liesegang und vielen anderen rannte man offene Türen ein, aber die Organisation stellte die Enthusiasten vor Herausforderungen. Hätten wir eine klassische Ausfahrt im Pulk gemacht, wäre der logistische Aufwand enorm gewesen. Stattdessen haben wir uns bei der Idee der Wanderstempel bedient und eine Stempelfahrt auf die Beine gestellt, die jeder individuell gestalten konnte, berichtet Liesegang gestern Nachmittag. In den Orten der Aue wird das Vorhaben mit Verve aufgenommen - vom Milchbetrieb bis zu Kirche, Feuerwehr, Sportverein und Geologen machen viele Leute mit und bieten neben einem Anlaufpunkt für Radwanderer auch interessante Einblicke und kleine Aktionen an. Einen zentralen Start gab es zwar, aber die Radler konnten sich ihre Strecken individuell anpassen. Rund 50 Teilnehmer schafften es, die ganze Runde abzufahren und alle Stempel mitzunehmen - immerhin eine Wegstrecke von guten 60 Kilometern, der Älteste unter dieser Gruppe war stolze 75 Lenze jung.
Der Turnvater wäre Stolz gewesen - in Nordhausen sorgt viel ehrenamtliches Engegagment für Bürgersport (Foto: agl)
In den Startlöchern
Die Radfreunde aus der Goldenen Aue freuen sich über den großen Zuspruch, jedes Jahr kann man ein Event dieser Größe aber nicht stemmen. Eine zweite Runde soll es geben, aber aller Voraussicht nach erst in 2027. Um Ruhm und Reibach geht es hier keinem, so gut wie alle Läufe zwischen Südharz und Kyffhäuser sind im besten Sinne Bürgersport und mit viel ehrenamtlichen Schweiß hart erarbeitet. Ohne Menschen, die Lust und Laune haben, solche Ideen Wirklichkeit werden zu lassen, wäre der Sport in der Region um vieles ärmer.
Auch wenn gerade Nordhausen sportlich in den letzten Jahren einige Federn lassen musste, bleibt das bürgerliche Engagement ungebrochen hoch und auch der Kalender für das kommende Laufjahr ist schon gut gefüllt. Der letzte Startschuss ist für dieses Jahr aber noch nicht gefallen:
Hexenrennen, die Zweite
Einen ähnlich guten Start wie die NaTour legte im vergangenen Jahr das Hexenrennen hin. An der Baustelle des Harzer Hexenreiches hatte sich zu Halloween viel kostümiertes Volk eingefunden, um in mannigfacher Verkleidung an den Start zu gehen.
Morgen früh geht der Hexenlauf nun in die zweite Runde, wieder startet man am Hexenbesen, der seit ein paar Wochen keine Baustelle mehr ist. Die Resonanz war enorm, wir hatten um die 350 Startplätze in der Voranmeldung, die sind alle weg., sagt Dirk Wackerhagen vom Verein Harztorlauf. In Anbetracht der großen Nachfrage wurde bei den Nachmeldungen für die Strecken über 8. und 4. Kilometer noch einmal aufgestockt, insgesamt können morgen 444 Sportlerinnen und Sportler aller Altersklassen antreten, los geht es um 10 Uhr mit dem Bamini-Lauf. Im Vordergrund steht dabei einmal nicht das sportliche Kräftemessen, sondern der Spaß und die kreative Leistung. Ausgezeichnet wird in diesem Sinne auch nicht allein der Zieleinlauf, sondern auch die schönsten Kostüme.
Tradition zum Jahresende
Nun ist Ende Oktober nicht eben die ideale Zeit für gutes Laufwetter, aber das Hexenrennen ist trotzdem nicht der letzte Lauf der Jahres. Diese Ehre gebührt, in seiner nunmehr 37. Ausgabe, dem Silvesterlauf in Nordhausen, der wieder vom LV Altstadt organisiert wird. Im Verein gibt es in diesem Jahr zwar einen Generationswechsel, an der Strecke bleibe aber alles wie gehabt, berichtet Gunnar Haase. Zum 31.12. lockt man traditionell eher weniger Laufbegeisterte, dafür finden mehr Kurzentschlossene ihren Weg zum Start an der Turnhalle in Nordhausen Nord, so Haase weiter. Das Chaos habe man noch immer beherrscht und so werde es auch bleiben.
Die Winterpause endet bei den Nachbarn am Kyffhäuser zeitig, schon am 24. Januar wird zum 7. Kyffhäuser Staffellauf geladen. In Nordhausen fällt der erste Startschuss am 28.02.2026 mit dem Albert-Kuntz-Lauf des Nordhäuser Sportvereins. Am 15. März geht es in der Nachbarschaft mit dem Possenlauf weiter. Am 25. April steht die Harzquerung an, die vom Skiclub Wernigerode ausgerichtet wird.
Der Marathon ist gesetzt
Am 3. Mai geht es zwischen Sophienhof und Niedersachswerfen wieder hoch her, wenn zum Harztorlauf geladen wird. Den alten Wunsch nach einem Marathon hat man sich zum 10. Geburtstag bereits erfüllt und was als einmaliges Experiment begann, gehört laut Dirk Wackerhagen nun fest zum Programm. So lange wir eine bestimmte Zahl an Läuferinnen und Läufern zusammenbekommen, ist der Marathon gesetzt, das ist im Verein Konsens, berichtet Dirk Wackerhagen. Ein zweites Wunschziel konnte man im vergangen Jahr knacken: 1.001 Teilnehmer standen beim Harztorlauf 2025 auf dem Papier. Im Ziel liefen letztlich 960 Sportler ein, das kleine Delta zwischen Anmeldung und Start lässt sich sicher auch noch überbrücken.
Wir haben eine wunderschöne Strecke, gerade auf dem Marathon und dem Halbmarathon. Wer die acht Kilometer schon gelaufen ist, sollte sich die 21 nicht entgehen lassen, schwärmt Wackerhagen. Auf Naturschönheit alleine setzt man nicht, im kommenden Jahr stehen ein paar Änderungen und Ergänzungen an. Zum einen werde man auf die Kritik des vergangenen Jahres reagieren und die Startgelder für Kinder und Jugendliche auf unter zehn Euro senken. Ziel müsse es sein, den Nachwuchs zum laufen zu animieren, also werde man die Preise anpassen.
Neu hinzukommen soll in 2026 eine Radtour. Geplant sind zwei Starts für jeweils 50 Teilnehmer, vorgegeben sind dabei lediglich Start und Ziel, sowie ein paar Etappenpunkte. Wie man von A nach B und C kommt, bleibt den Radfahrern selber überlassen, mit dem Laufgeschehen sollte das Radrennen nicht ins Gehege geraten, berichtet Wackerhagen.
Tradition in Bleicherode und Ellrich
Eine Woche nach dem Harztorlauf lockt der Stadtwaldlauf in Ellrich am 10. Mai. Den Generationswechsel, der so vielen Vereinen noch bevorsteht, hat man hier schon vor drei Jahren vollzogen. Mit Fabian Karnstedt hat eine frische Kraft die Zügel beim VfL Ellrich übernommen. Wenn wir über 200 Teilnehmer kommen, ist das super, letztes Jahr waren wir bei 270, das hat sich gut eingespielt, berichtet Karnstedt. Das besondere am Stadtlauf: auch die Ellricher Oberschule ist mit im Boot und das nicht nur sportlich. Die Schülerinnen und Schüler helfen bei der Vorbereitung der Strecke und am Wettkampftag nach Kräften aus.
Auf gut gewachsene Strukturen kann man auch in Bleicherode bauen, hier findet am 07.06. der 43. Vogelberglauf statt, was die Traditionsveranstaltung zu einem, wenn nicht gar zu dem ältesten Lauf der Region macht. Und wer den Vogelberg kennt, der weiß, dass es die Strecke in sich hat. Trotzdem kommen regelmäßig rund 300 Starterinnen und Starter nach Bleicherode, zum Teil von sehr weit her. Geboten werden Läufe über zwei, fünf, zehn und 20 Kilometer. Von den leichten Hügeln und dem einen oder anderen, kleinem Anstieg sollte man sich nicht Schrecken lassen, meinte Alfred Engelmann an den Landrat gewandt, die kleine Runde hat sogar schon eine Dame mit Rollator bewältigt.
Im Nordwesten des Landkreises geht es weiter, am 13. Juni lädt die Netzwerkkirche Ellrich zum 4. Harzblick Wandermarathon. Auch hier konnte man sich im Jahr 2024 nicht über einen Mangel an Teilnehmern beschweren, rund 680 Wanderer aus 14 Bundesländern hatten an dem gemütlichen Ausflug teilgenommen. Zuvor war die Wanderung von Pfarrer Jochen Lenz ins Leben gerufen worden, seine großen Fußstapfen füllen nun Thomas und Kerstin Schröder. Der Aufwand ist groß, deswegen gibt es den Wandermarathon auch nur alle zwei Jahre. Aber wir bekommen viel Unterstützung aus der Region und der Gemeinde und sind guter Dinge, sagt Thomas Schröder. Wie bei jedem Wandermarathon wird auch im kommenden Jahr wieder auf neuen Strecken gelaufen. Da die Kurzstrecke über fünf Kilometer als etwas zu kurz empfunden wurde, wird man über 42, 24 und 10 Kilometer durch den Südharz wandern können.
Jeder abgesagte Lauf ist ein Verlust
Die Laufsaison geht danach langsam ihrem Ende entgegen, am 20. und 21.06. lockt der Scheunenhof-Triathlon, am 29. August der Stolberger Schlosslauf. Wer sich ein wenig mit dem sportlichen Kalender auskennt, der wird hier zwei beliebte Laufveranstaltungen vermissen: den Nordhäuser City-Lauf und den Herbstcrosslauf im Nordhäuser Gehege.
Für beide Events sieht es im Moment eher trübe aus, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Der City-Lauf war unter der Schirmherrschaft der Südharz-Galerie lange Zeit Teil der verkaufsoffene Sonntage in der Stadt. Seit dem Rückzug der Galerie als Sponsor und Organisator sucht man nach Alternativen, bisher aber ohne konkrete Ergebnisse. Gespräche habe es gegeben, sagt Sportkoordinator Werner Hütcher, bisher sei aber nichts spruchreif. Wir haben alles versucht, den Lauf zu retten, aber da fehlt es im Moment an jemanden, der vorne weg geht., so Hütcher.
Die Unterstützung, die man über den Landkreis bekomme, fehle in der Stadt, ergänzt Dirk Wackerhagen. Eine Alternative könne ein Unternehmenslauf sein, der unter der Woche und nicht zum Sonntag stattfinden würde. Ein kommerzieller Laufanbieter soll diesbezüglich die Fühler ausgestreckt haben, spruchreife Informationen gibt es aber auch hier nicht. Ob nun kommerziell oder nicht, ein Stadtlauf würde einem Oberzentrum gut zu Gesicht stehen, so der Konsens in der Läuferrunde.
Jemand, der vorne weg geht fehlt auch beim Crosslauf. 35 Jahre lang wurde der Schulwettkampf im Gehege durchgeführt, mitunter zwei mal im Jahr und mit jeweils zwischen 600 und 800 Schülerinnen und Schülern aus dem gesamten Landkreis. Der Großwettkampf liegt seit diesem Jahr auf Eis, nach über drei Jahrzehnten gab es keinen Crosslauf in Nordhausen, weder im Herbst, noch im Frühling. Es blutet einem das Herz wenn man sieht was wir da gerade verlieren, sagt Werner Hütcher, der in seiner aktiven Zeit 75 Crossläufe betreut hat.
Den Sportfreunden vor Ort sind in der Organisation die Hände gebunden, Stadt und Kreis könnten logistisch unterstützen, eigentlich zuständig ist aber das Schulamt in Worbis und das lässt den Schulsport in Nordhausen zur Zeit über die Kollegen aus dem Eichsfeld und dem Kyffhäuserkreis betreuen. Jemand der vor Ort die Zügel zusammenbringt und sich um die vielen Details kümmern könnte, fehlt gerade. Auf absehbare Zeit wird es wohl keinen Crosslauf geben, wer nach sportlicher Herausforderung sucht, muss sich also anderswo umsehen. Zum Glück bietet die Region reichlich Alternativen, auch außerhalb des Schulsports.
Angelo Glashagel

