nnz-online
Meine Meinung:

Buchmann hackt, Nordhausen wackelt

Donnerstag, 13. November 2025, 13:00 Uhr
„Probleme? Schlage ich mit der Axt klein!“, gab OB Kai Buchmann im Wahlkampf 2023 gegenüber der Tageszeitung Die Welt in einem Interview zu Protokoll. Das Sprachbild passt einerseits – vielleicht besser, als ihm lieb ist. Andererseits aber doch nicht so richtig, meint nnz-Kolumnistin Andrea Kalweit...


Während des gestrigen Hauptausschusses musste der OB seine Schließungspläne für drei Kitas zurückziehen. Die Eltern dürfen (vorerst) aufatmen, doch ein weiteres Mal musste die Stadt Nordhausen unter Buchmanns „Politik auf Probe“ leiden – ebenso wie das Image der Stadt, die einst die Lokomotive im Norden Thüringens war.

Nordhausen hat gelernt, dass politische Entscheidungen an der Rathausspitze meist so stabil sind wie ein Herbstblatt im Wind. Heute beschlossen, morgen als falsch erkannt, übermorgen vertagt, in der darauffolgenden Woche Neustart – so lässt sich das Rathaus-Wetter seit Jahren am besten beschreiben.

Kaum ein Thema illustriert das so deutlich wie der jüngste Akt im Drama um die Kitas: erst beschlossen am Grünen Tisch, dann verteidigt, schließlich wieder kassiert. Dabei liegt der erste Akt im Kita-Drama erst wenige Monate zurück: Man hatte im Haushalt „vergessen“, die steigenden Betriebskosten einzubuchen. Buchmann musste damals seinen gerade erst beschlossenen Haushalt wieder sperren.

Ebenfalls noch gut in schlechter Erinnerung: der zweite Akt – die überfallartig durchgepeitschte, saftige Erhöhung der Kita-Beiträge für die Eltern zum Jahresbeginn. Und was sich beim Thema „Kita“ ereignet, steht allerdings nur stellvertretend für so viele andere Rathaus-Themen.

Was bleibt, ist ein Stadtimage, das wackelt – ebenso wie das Vertrauen in die Demokratie. Bürgerinnen und Bürger verlieren das Zutrauen, weil vor allem grundlegende Finanzfragen zu einem öffentlichen Pingpong werden – und nicht nur diese. Und während die Eltern in den vergangenen Tagen erneut den Atem anhalten mussten, ächzt auch der städtische Finanzhaushalt unter dem Zickzackkurs des Finanzchefs Buchmann. Planungssicherheit sieht anders aus; Seriosität auch; Professionalität sowieso. Nordhausen riskiert immer mehr, zur Lachnummer zu werden.

„Probleme schlage ich mit der Axt klein.“ Ein kerniger Satz. Der klang damals nach Tatkraft, heute eher nach Risiko. Denn wer mit der Axt arbeitet, richtet manchmal mehr Schaden an, als er behebt – vor allem, wenn er sie im Rathaus schwingt. Jeder neue Schlag hinterlässt einen Sprung: im Vertrauen der Bürger, im Image der Stadt und zunehmend auch im städtischen Finanzgerüst. Wer mit der Axt hantiert, sollte wissen, wohin der Schlag geht – sonst trifft man schnell den eigenen Fuß.

Und so wirkt Buchmanns Kampf gegen seine (selbst verursachten) Haushaltsprobleme eher wie Don Quichottes Ritt gegen die Windmühlen, in denen er eingebildete Riesen sah: voller Energie, aber ohne Richtung. Der Unterschied? Quichotte kämpfte gegen Einbildungen – Buchmann gegen die Realität, die ihn regelmäßig einholt. Nur: Diese vermeintlichen Riesen sind in Buchmanns Fall real – nämlich die kollektive Klugheit der Stadtgesellschaft, die zunehmend gereizt reagiert.

Was Nordhausen jetzt bräuchte, ist kein weiterer Axtschlag, sondern eine ruhige Hand – und einen Kompass. Denn ständiges Hin und Her mag Bewegung erzeugen, aber keine Richtung. Sonst endet der Schleuderkurs am Ende für Nordhausen vor dem Baum.
Andrea Kalweit
Autor: psg

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de