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SWG nach nnz-Anfrage:

Rautenstraße 1 wird abgerissen

Donnerstag, 27. November 2025, 10:33 Uhr
Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWG) nutzt die Herausforderungen bei der Rautenstraße 1 als Chance für einen Neuanfang: Statt einer sehr aufwendigen Sanierung soll an zentraler Stelle in Nordhausen ein Neubau entstehen...

Das Wohn- und Geschäftshaus in der Nordhäuser Innenstadt ist derzeit komplett entkernt und leergezogen. (Foto: SWG) Das Wohn- und Geschäftshaus in der Nordhäuser Innenstadt ist derzeit komplett entkernt und leergezogen. (Foto: SWG)
Das kommunale Wohnungsunternehmen stellte seinem Aufsichtsrat in der vergangenen Woche die entsprechende Problematik vor, nachdem sich bei den laufenden Entkernungsarbeiten gezeigt hatte, dass die Bausubstanz des Hauses aus den 1950er-Jahren erheblich schlechter ist als angenommen. Das teilt die SWG auf eine Anfrage der nnz von Anfang der Woche heute mit.

Kostensteigerung um 2,6 Millionen Euro
„Ursprünglich wollten wir an diesem Objekt nur den Laubengang sanieren. Doch Stück für Stück haben uns bei den laufenden Arbeiten immer wieder neue Hiobsbotschaften ereilt.

Jetzt sind wir an dem Punkt angelangt, an dem eine Sanierung für uns wirtschaftlich nicht mehr darstellbar ist. Deshalb haben wir die Entscheidung getroffen, nicht zu sanieren und stattdessen neu zu bauen“, teilt SWG-Geschäftsführerin Inge Klaan in einer Presseinformation des Unternehmens mit.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mittlerweile belaufen sich die geschätzten Sanierungskosten auf 7,6 Millionen Euro – 2,6 Millionen Euro mehr als ursprünglich kalkuliert. Ein Neubau würde je nach Bauweise mittlerweile wesentlich günstiger, wobei die Kosten für die bereits erfolgte Entkernung und den künftigen Abriss schon mit eingerechnet sind. „Wir gehen jetzt in die konkrete Planung für den Neubau, endgültige Zahlen können wir auch dann erst nennen“, so Klaan weiter. Der Neubau soll ein förderfähiges Effizienzhaus im KfW-Standard 55 werden. „Der Neubau hätte nicht nur einen deutlich besseren Energiestandard sowie einen besseren Schall-, Brand- und Wärmeschutz, sondern böte auch die Chance, die Ecke zum Markt städtebaulich neu zu gestalten. Auch in den Grundrissen sind wir dann viel freier“, so Klaan weiter.

Architekt Detlef Schmidt zeigt den fehlerhaften Deckenverbund in einem der leeren Läden. (Foto: SWG) Architekt Detlef Schmidt zeigt den fehlerhaften Deckenverbund in einem der leeren Läden. (Foto: SWG) Würde die SWG den fast 70 Jahre alten Bestandsbau hingegen für mittlerweile 7,6 Millionen Euro sanieren, bliebe trotzdem die alte Bausubstanz erhalten. Der alte Keller könnte kaum genutzt werden und auch das Dach bliebe alt. Eine Dachsanierung würde eine weitere Kostensteigerung bedeuten „Das ist weder wirtschaftlich noch zukunftsfähig. Deshalb haben wir nach intensiver Prüfung die Entscheidung getroffen, neu zu bauen und nicht zu sanieren“, so Klaan weiter.

Mangelhafte Bausubstanz aus den 1950er Jahren
Seit Ende Oktober ruhen die Arbeiten im Haus Rautenstraße 1, da während der Entkernung des Gebäudes deutlich mehr Probleme zutage getreten sind als vermutet. „Es gab eigentlich jeden Tag negative Überraschungen. Die schlechte Beton- und Materialqualität betrifft nicht nur den Laubengang und die Betonstützen im Keller und Erdgeschoss, sondern zieht sich durch das gesamte Haus“, sagt der mit der Planung beauftragte Architekt Detlef Schmidt. In Abstimmung mit Statiker und Prüfstatiker sind größere Eingriffe in das Bestandsgebäude unvermeidbar.

Die Innenmauern sind an vielen Stellen, wie auf diesem Foto zu sehen, schon beim Bau nicht fachmännisch ausgeführt worden.  (Foto: SWG Nordhausen/ S.Schedwill) Die Innenmauern sind an vielen Stellen, wie auf diesem Foto zu sehen, schon beim Bau nicht fachmännisch ausgeführt worden. (Foto: SWG Nordhausen/ S.Schedwill) Ein konkreter Zeitplan für Abriss und Neubau steht noch nicht fest. „Wir werden in den nächsten Wochen eine Neubauplanung für diesen Standort angehen. Derzeit gehen wir davon aus, dass wir nicht vor Ende 2027 mit dem Neubau beginnen können“, so die SWG-Chefin weiter. Je nach Bauart rechnet das Unternehmen mit ein bis zwei Jahren Bauzeit. Das Haus Rautenstraße 1 wurde in den Jahren 1956 bis 1958 gebaut, in dem Haus befanden sich 32 Wohnungen mit insgesamt 1225 Quadratmetern Wohnfläche. Im Erdgeschoss waren 5 Gewerbeeinheiten untergebracht.

Die weiteren Wohnhäuser in der Rautenstraße (bis zur Hausnummer 13) auf dieser Straßenseite sind in einer anderen Bauweise ohne Laubengang errichtet. „Wir haben derzeit keine Erkenntnisse zum baulichen Zustand dieser Häuser. Wir gehen jedoch davon aus, dass auch diese einen hohen Sanierungsbedarf haben. Sollten wir dort sanieren, was derzeit nicht geplant ist, werden wir in diesen Liegenschaften intensive Voruntersuchungen durchführen“, so Klaan abschließend.
Autor: red

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