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BUND zum Waldzustandsbericht

Waldumbau nicht ausbremsen

Sonntag, 18. Januar 2026, 10:19 Uhr
Der von Umweltminister Tilo Kummer in dieser Woche vorgestellte Thüringer Waldzustandsbericht 2025 liefert keinen Anlass zur Entwarnung, meldet der Naturschutzbund BUND. Trotz einzelner positiver Entwicklungen bleiben Thüringens Wälder in einem kritischen Zustand...

Laut Bericht weisen weiterhin 41 Prozent der Waldflächen deutliche Vitalitätsverluste auf. Zudem wirken die Schäden der Dürrejahre seit 2018 bei vielen Bäumen im Kronen- und Wurzelraum fort und mindern ihre Widerstandskraft.

Besonders kritisch beobachtet der BUND Thüringen die aktuellen Entwicklungen in den Laubwäldern. Unter dem Vorwand, klimaresilientere Baumarten zu fördern, nimmt die Nutzung der Buchenwälder deutlich zu. Dabei besteht die Gefahr, dass naturnahe Waldstrukturen zu stark gestört werden. So sollen ältere Buchen in Zukunft deutlich früher gefällt werden als bisher. Dies widerspricht der forstinternen Zielstellung zur Entwicklung stabiler und widerstandsfähiger Dauerwälder mit einem hohen Anteil von alten und starken Bäumen.

Frank Henkel, Sprecher des Arbeitskreises Wald beim BUND Thüringen, erklärt: „Die Kalamitätsjahre haben enorme finanzielle Lücken hinterlassen. Fördermittel und Sonderprogramme wurden in den vergangenen Jahren vor allem auf die Bewältigung der Waldkrise ausgerichtet: Schadholzaufarbeitung, Räumung und Wiederbewaldung. Geld, das für den Umbau der Wälder gedacht war, wird gebraucht, um die Folgen der Waldschäden zu bewältigen. Das erhöht den Nutzungsdruck auf die Laubwälder.“

Henkel weiter: „Die in den neuen Forsteinrichtungen geplante Absenkung des Zieldurchmessers bei der Buche von 60 auf 50 Zentimeter ist sowohl ökologisch riskant als auch wirtschaftlich fragwürdig. Gerade ältere, dichte Buchenbestände erfüllen eine zentrale Schutzfunktion. Sie puffern Hitze und Trockenheit besser ab, stabilisieren das Waldinnenklima und erhöhen die Widerstandskraft gegenüber Extremereignissen. Diese Bestände früher zu nutzen oder stärker zu lichten, schwächt sie zusätzlich.“

Vor diesem Hintergrund warnt der BUND Thüringen davor, dass kurzfristige wirtschaftliche Zwänge den dringend notwendigen Waldumbau ausbremsen. Statt Standards des naturnahen Waldbaus abzusenken, braucht es eine verlässliche und langfristig gesicherte Finanzierung, damit stabile Laub- und Mischwälder konsequent entwickelt werden können

Der BUND Thüringen fordert daher, den Schutz und die Entwicklung der Laubwälder als zentrale Zukunftsaufgabe zu verstehen. Nur wenn ökologische Stabilität Vorrang vor kurzfristigen Nutzungserlösen hat, können Thüringens Wälder ihre Funktionen für Klima, Biodiversität und Gesellschaft langfristig erfüllen.
Autor: red

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