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Wegschauen hilft nicht

Samstag, 14. Februar 2026, 18:00 Uhr
Es ist eine traurige Wahrheit: Das Areal rund um die Südharz-Galerie ist zum Brennpunkt in Nordhausen geworden. Ein Kommentar zu der Situation von nnz-Redakteurin Susanne Schedwill...

Symbolbild  (Foto: wal_172619 from Pixabay) Symbolbild (Foto: wal_172619 from Pixabay)
Gewalt, Alkohol, Drogen, Verwahrlosung. In der vergangenen Woche kam es fast täglich zu gewalttätigen Übergriffen: Entweder direkt vor den Türen des Einkaufscenters oder sogar in der Galerie selbst. Mitarbeiterinnen berichten, dass sie sich nach Feierabend unsicher fühlen und ihre Partner bitten, sie abzuholen. Händler klagen darüber, dass Kundinnen und Kunden das Center in den Abendstunden meiden.

Dabei müsste es im Interesse aller liegen, diese Entwicklung zu stoppen: der Centerleitung und den Eigentümern, den beiden kann das ramponierte Image der Südharz-Galerie nicht gleichgültig sein, ebenso wie den Geschäftsleuten vor Ort. Sie können kein Interesse an einem solchen Umfeld haben. Und vor allem die Stadt Nordhausen selbst sollte handeln – schon aus eigenem Interesse. Sie ist rein formell für die Sicherheit ihrer Einwohner nicht zuständig, sondern die Polizei. Der Oberbürgermeister sollte aber trotzdem handeln. Schließlich lädt die Stadt im kommenden Jahr zum Thüringentag ein und feiert ihren 1100. Geburtstag. Ganz Thüringen soll in Nordhausen zu Gast sein.

Doch Gäste, die mit dem Zug anreisen, gelangen über die Bahnhofstraße vorbei an der Südharz-Galerie und Uferstraße in die Innenstadt. Welchen ersten Eindruck gewinnen sie auf ihrem Weg dorthin? Dass vor der Südharz-Galerie rumgepöbelt und in der Uferstraße mit Drogen gedealt wird? Abgesehen davon, dass das Areal rund um die zur Landesgartenschau geschaffene Zorgepromenade in einem mittlerweile heruntergekommenen Zustand ist.

Im jüngsten Stadtrat sprach ausschließlich die AfD die Probleme offen an – allerdings mit dem Verweis auf ausländische Täter. Doch die Realität und die Probleme sind komplexer: Ja, es sind gewaltbereite Ausländer, die dort regelmäßig auffallen. Aber auch deutsche Gruppen halten sich im Bereich der Landgrabenstraße und in der Galerie auf, häufig alkoholisiert oder unter Drogeneinfluss, wie Angestellte von Geschäften berichten. Die langen Öffnungszeiten des dortigen Supermarktes bis 22 Uhr tragen ihren Teil zur Problematik bei.

Oberbürgermeister Kai Buchmann (parteilos) kündigte im Stadtrat lediglich eine schriftliche Stellungnahme an. Kein: "Wir kümmern uns". Bürgermeisterin Alexandra Rieger (SPD) berichtete zwar, sie habe bereits das Gespräch mit der Polizei gesucht, um eine stärkere Präsenz zu erreichen. Doch war das noch vor den letzten Fällen.

Von Grünen und CDU war im Stadtrat wenig mehr als betretenes Schweigen zu vernehmen. Die SPD verwies nur darauf, dass auch die AfD konkrete Vorschläge zur Lösung unterbreiten müsse. Einzig Alexander Scharff von den Linken räumte zwar Drogenprobleme im Quartier rund um die Galerie ein, bezweifelte jedoch den Einfluss des Stadtrates auf die Situation.

Doch Wegsehen hilft hier nicht mehr weiter. Und es darf erst recht nicht sein, dass ein solches Thema allein einer politischen Kraft überlassen wird.

Warum lädt der OB nicht alle Beteiligten an einen Tisch – Stadtverwaltung, Polizei, Centerleitung, Geschäftsleute? Warum wird nicht über eine temporäre Innenstadtwache in der Südharz-Galerie nachgedacht? Leerstehende Geschäfte gäbe es genug. Die Polizei am äußersten Stadtrand an der Darre ist viel zu weit weg, als dass sie immer schnell handeln könnte.

Wenn man nicht will, dass die Südharz-Galerie weiter an Bedeutung, Geschäften und Kunden verliert und das Areal dauerhaft abrutscht, dann muss man jetzt handeln.
Susanne Schedwill
Autor: ssc

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