Ehrenamtlicher Naturschutz
Sieben Enthusiasten pflegen im Naturschutzgebiet
Montag, 02. März 2026, 08:29 Uhr
Dass Wiesen von Ehrenamtlern nur sonnabends gepflegt werden, das war einmal: Am vergangenen Donnerstagnachmittag trafen sich gleich sieben Enthusiasten zur aktiven Erhaltung seltener Pflanzenarten...
Seit vielen Jahren ersetzen wir ehrenamtlichen Artenschützer mit unseren Mähern, Harken und Heugabeln die eigentlich verantwortlichen Akteure, um das floristische Tafelsilber unserer einmaligen Südharzer Landschaft zu erhalten. Damit setzen wir Naturschutzgebietsverordnungen und die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie im Wortsinne um, nach denen kurz gesagt das Arteninventar zu erhalten ist.
Denn entweder würden ohne uns einige wertvolle Magerrasen oder Bergwiesenabschnitte gar nicht mehr bewirtschaftet, sie würden zu intensiv beweidet, oder aber sie unterlägen einer ungeeigneten Weidepflege zum Beispiel durch Mulchen. All das führt landauf landab zum Verlust von zum Teil hochgradig gefährdeten, seltenen und geschützten Pflanzen- und auch Tierarten, die seit Jahrhunderten bei uns heimisch waren. Entgegen den seit Jahrzehnten regelmäßig publizierten, meist ausschließlich von rhetorischem Optimismus getragenen Zukunftsvisionen unserer Politiker werden die Roten Listen gefährdeter Arten immer länger.
Statt Schafe und Ziegen Harken und Heugabeln: Aktive Artenschützer aus Stadt und Kreis Nordhausen bei der Arbeit im Naturschutzgebiet Alter Stolberg am vergangenen Donnerstag. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Aber zurück an den Südharzrand: Nach der für die Natur erfreulich langen Frostperiode und angesichts der aktuellen, zu warmen Witterung, sind nun in kurzer Zeit mehrere Pflegemaßnahmen nötig, um vor allem frühblühende Pflanzenarten zu fördern.
In diesem Sinne waren wir ehrenamtlichen Artenschützer am vergangenen Donnerstagnachmittag und am Sonnabend im Naturschutzgebiet Alter Stolberg insgesamt 12 Stunden lang tätig: Wir entfernten alten Rasenfilz und die trotz Beweidung verbreitet aufkommende Schlehe, um seltenen und gefährdeten Arten wie Blassem Knabenkraut (Orchis pallens) und Gewöhnlicher Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris) bessere Wachstumsbedingungen zu ermöglichen.
Orchis pallens ist eine seltene heimische Orchideenart, die, zwischen Nordspanien und Vorderasien verbreitet ist und bei uns vor allem lichte Wälder, gelegentlich aber auch Halbtrockenrasen besiedelt, die aber nicht zu trocken sein sollten. Die heimischen Bestände befinden sich an der nördlichen Verbreitungsgrenze dieser wärmeliebenden Art, deren deutsche Bestände sich nur auf wenige Bundesländer konzentrieren. Ihre blassgelben, nach Johannisbeere duftenden Blüten erscheinen bereits im April, sofern sie nicht, was es regelmäßig geschieht, Opfer von Spätfrösten werden. Das Blasse Knabenkraut ist die erste im Jahresgang blühende, heimische Orchideenart.
Um in der heutigen Zeit einen solchen Anblick von Dutzenden, ja in manchen Jahren hunderten Exemplaren des seltenen und in Thüringen stark gefährdeten Blassen Knabenkrautes genießen zu können, ist die ehrenamtliche Landschaftspflege nicht selten unerlässlich. (Foto: Bodo Schwarzberg)
An einem weiteren Traditions-Fundort im Landkreis Nordhausen ist diese Orchideenart trotz langjähriger, vergeblicher Bemühungen gegenüber der Unteren Naturschutzbehörde, Missstände zu beseitigen, seit Jahren stark rückläufig. Die nnz berichtete.
Die Gewöhnliche Kuhschelle Pulsatilla vulgaris gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse, sie ist kontinentaler als Orchis pallens verbreitet und bevorzugt dementsprechend trockenere Standorte in Magerrasen und ebenfalls in lichten Wäldern. Ihr relativ kleines Verbreitungsgebiet konzentriert sich auf Mittel- sowie Teile Südost- und Nordeuropas. Nicht selten wird sie auch in Gärtnereien angeboten, die Wildpopulationen aber sind vielfach stark rückläufig. In der internationalen Roten Liste des Planeten (IUCN-Red List) steht sie als potentiell gefährdet.
Im Gebiet um Nordhausen öffnen sich alljährlich noch an rund 800 Blütenstängeln die violett leuchtenden Kronenblätter der geschützten und gefährdeten Gewöhnlichen Kuhschelle: Zu denken geben sollte, dass wir Ehrenamtler mittlerweile alle Vorkommen dieser Art pflegen und betreuen müssen, um diese Zahl zu erhalten. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Sieben Mistreiterinnen und Mitstreiter widmeten sich am Donnerstag und fünf am Sonnabend aktiv der Erhaltung der beiden sowie weiterer Pflanzenarten, die in der Thüringer und bundesdeutschen Roten Liste gefährdeter Arten verzeichnet sind.
Trotz der körperlich anspruchsvollen Tätigkeit genossen wir das milde Frühlingswetter und stärkten uns bei einem gemütlichen Picknick unter der Mittagssonne.
Besonders erfreulich war die engagierte Mitwirkung von gleich drei Aktiven, die uns erstmals bei einem Artenschutzeinsatz unterstützten. Besonders erfreulich ist es, dass uns diese drei Enthusiasten auch weiterhin aktiv beim Artenschutz mithelfen wollen.
Ein besonderes Augenmerk galt wie fast immer der Entfernung des verbreitet in Magerrasen aufkommenden Strauches Schlehe (Prunus spinosa). Leider ist bei Maßnahmen anderer Akteure oft zu beobachten, dass die Pflanzen nicht tief genug abgeschnitten werden, so dass sie in der folgenden Vegetationsperiode an ihrem Grunde mit zahlreichen Adventivtrieben austreiben, und so den eigentlich zu verkleinernden Gehölzbestand noch vergrößern. Der Zerstörung der eigentlich zu erhaltenden Trocken- und Halbtrockenrasen wird auf diese Weise Vorschub geleistet. Auf einigen Flächen ist außer Schlehe kaum noch eine andere Art zu sehen. Hier helfen nur Kontinuität, wie sie im Ehrenamt gegeben ist, die gelegentliche Entfernung des Gehölzaustriebes auch während der Vegetationsperiode und ein besonders tiefer Schnitt.
Auf den von uns teils seit 20 Jahren betreuten Flächen gibt es kaum Probleme mit dem Gehölzaufwuchs. Im Gelände ist, im Vergleich mit benachbarten Flächen daher oft gut zu sehen, wo wir tätig sind.
Wir wünschen uns diese Herangehensweise auch von anderen Akteuren, die oft viel Geld für die Landschaftspflege erhalten, dessen effektiver Einsatz aber nach meiner Meinung nicht immer mit dem herrschenden Naturschutzrecht übereinstimmt. Hier müssten auch die Untere Naturschutzbehörde ihrer Kontrollfunktion in den NSG stärker nachkommen als bisher.
Gerade erst wurde die fast fehlende Berücksichtigung des Naturschutzes durch die aktuelle Thüringer Landesregierung von Umweltverbänden bemängelt und auch auf Bundesebene gibt es von der Wissenschaft Kritik wegen der Vernachlässigung dieses für die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen zentralen Themas.
Die Regierungen mit ihren Diskontinuitäten und zum Teil eigenartigen Prioritäten kommen und gehen, der ehrenamtliche, aktive und kontinuierliche Artenschutz aber wird und muss bleiben, um die gefährdeten Arten an zahlreichen Stellen auch für die Zukunft zu erhalten. Dessen Bedeutung steigt angesichts der herrschenden politischen Strukturen und ihres Unwillens oder Unvermögens, an der Situation etwas zu ändern, noch weiter an. Wir Ehrenamtler betreuen mittlerweile an die 40 Wuchsorte bedrohter Arten zwischen Nordhausen und Halle.
Wer uns dabei unterstützen möchte, ist herzlich willkommen. bodo_schwarzberg@yahoo.de
Bodo Schwarzberg
Autor: redSeit vielen Jahren ersetzen wir ehrenamtlichen Artenschützer mit unseren Mähern, Harken und Heugabeln die eigentlich verantwortlichen Akteure, um das floristische Tafelsilber unserer einmaligen Südharzer Landschaft zu erhalten. Damit setzen wir Naturschutzgebietsverordnungen und die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie im Wortsinne um, nach denen kurz gesagt das Arteninventar zu erhalten ist.
Denn entweder würden ohne uns einige wertvolle Magerrasen oder Bergwiesenabschnitte gar nicht mehr bewirtschaftet, sie würden zu intensiv beweidet, oder aber sie unterlägen einer ungeeigneten Weidepflege zum Beispiel durch Mulchen. All das führt landauf landab zum Verlust von zum Teil hochgradig gefährdeten, seltenen und geschützten Pflanzen- und auch Tierarten, die seit Jahrhunderten bei uns heimisch waren. Entgegen den seit Jahrzehnten regelmäßig publizierten, meist ausschließlich von rhetorischem Optimismus getragenen Zukunftsvisionen unserer Politiker werden die Roten Listen gefährdeter Arten immer länger.
Statt Schafe und Ziegen Harken und Heugabeln: Aktive Artenschützer aus Stadt und Kreis Nordhausen bei der Arbeit im Naturschutzgebiet Alter Stolberg am vergangenen Donnerstag. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Aber zurück an den Südharzrand: Nach der für die Natur erfreulich langen Frostperiode und angesichts der aktuellen, zu warmen Witterung, sind nun in kurzer Zeit mehrere Pflegemaßnahmen nötig, um vor allem frühblühende Pflanzenarten zu fördern.
In diesem Sinne waren wir ehrenamtlichen Artenschützer am vergangenen Donnerstagnachmittag und am Sonnabend im Naturschutzgebiet Alter Stolberg insgesamt 12 Stunden lang tätig: Wir entfernten alten Rasenfilz und die trotz Beweidung verbreitet aufkommende Schlehe, um seltenen und gefährdeten Arten wie Blassem Knabenkraut (Orchis pallens) und Gewöhnlicher Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris) bessere Wachstumsbedingungen zu ermöglichen.
Orchis pallens ist eine seltene heimische Orchideenart, die, zwischen Nordspanien und Vorderasien verbreitet ist und bei uns vor allem lichte Wälder, gelegentlich aber auch Halbtrockenrasen besiedelt, die aber nicht zu trocken sein sollten. Die heimischen Bestände befinden sich an der nördlichen Verbreitungsgrenze dieser wärmeliebenden Art, deren deutsche Bestände sich nur auf wenige Bundesländer konzentrieren. Ihre blassgelben, nach Johannisbeere duftenden Blüten erscheinen bereits im April, sofern sie nicht, was es regelmäßig geschieht, Opfer von Spätfrösten werden. Das Blasse Knabenkraut ist die erste im Jahresgang blühende, heimische Orchideenart.
Um in der heutigen Zeit einen solchen Anblick von Dutzenden, ja in manchen Jahren hunderten Exemplaren des seltenen und in Thüringen stark gefährdeten Blassen Knabenkrautes genießen zu können, ist die ehrenamtliche Landschaftspflege nicht selten unerlässlich. (Foto: Bodo Schwarzberg)
An einem weiteren Traditions-Fundort im Landkreis Nordhausen ist diese Orchideenart trotz langjähriger, vergeblicher Bemühungen gegenüber der Unteren Naturschutzbehörde, Missstände zu beseitigen, seit Jahren stark rückläufig. Die nnz berichtete.
Die Gewöhnliche Kuhschelle Pulsatilla vulgaris gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse, sie ist kontinentaler als Orchis pallens verbreitet und bevorzugt dementsprechend trockenere Standorte in Magerrasen und ebenfalls in lichten Wäldern. Ihr relativ kleines Verbreitungsgebiet konzentriert sich auf Mittel- sowie Teile Südost- und Nordeuropas. Nicht selten wird sie auch in Gärtnereien angeboten, die Wildpopulationen aber sind vielfach stark rückläufig. In der internationalen Roten Liste des Planeten (IUCN-Red List) steht sie als potentiell gefährdet.
Im Gebiet um Nordhausen öffnen sich alljährlich noch an rund 800 Blütenstängeln die violett leuchtenden Kronenblätter der geschützten und gefährdeten Gewöhnlichen Kuhschelle: Zu denken geben sollte, dass wir Ehrenamtler mittlerweile alle Vorkommen dieser Art pflegen und betreuen müssen, um diese Zahl zu erhalten. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Sieben Mistreiterinnen und Mitstreiter widmeten sich am Donnerstag und fünf am Sonnabend aktiv der Erhaltung der beiden sowie weiterer Pflanzenarten, die in der Thüringer und bundesdeutschen Roten Liste gefährdeter Arten verzeichnet sind.
Trotz der körperlich anspruchsvollen Tätigkeit genossen wir das milde Frühlingswetter und stärkten uns bei einem gemütlichen Picknick unter der Mittagssonne.
Besonders erfreulich war die engagierte Mitwirkung von gleich drei Aktiven, die uns erstmals bei einem Artenschutzeinsatz unterstützten. Besonders erfreulich ist es, dass uns diese drei Enthusiasten auch weiterhin aktiv beim Artenschutz mithelfen wollen.
Ein besonderes Augenmerk galt wie fast immer der Entfernung des verbreitet in Magerrasen aufkommenden Strauches Schlehe (Prunus spinosa). Leider ist bei Maßnahmen anderer Akteure oft zu beobachten, dass die Pflanzen nicht tief genug abgeschnitten werden, so dass sie in der folgenden Vegetationsperiode an ihrem Grunde mit zahlreichen Adventivtrieben austreiben, und so den eigentlich zu verkleinernden Gehölzbestand noch vergrößern. Der Zerstörung der eigentlich zu erhaltenden Trocken- und Halbtrockenrasen wird auf diese Weise Vorschub geleistet. Auf einigen Flächen ist außer Schlehe kaum noch eine andere Art zu sehen. Hier helfen nur Kontinuität, wie sie im Ehrenamt gegeben ist, die gelegentliche Entfernung des Gehölzaustriebes auch während der Vegetationsperiode und ein besonders tiefer Schnitt.
Auf den von uns teils seit 20 Jahren betreuten Flächen gibt es kaum Probleme mit dem Gehölzaufwuchs. Im Gelände ist, im Vergleich mit benachbarten Flächen daher oft gut zu sehen, wo wir tätig sind.
Wir wünschen uns diese Herangehensweise auch von anderen Akteuren, die oft viel Geld für die Landschaftspflege erhalten, dessen effektiver Einsatz aber nach meiner Meinung nicht immer mit dem herrschenden Naturschutzrecht übereinstimmt. Hier müssten auch die Untere Naturschutzbehörde ihrer Kontrollfunktion in den NSG stärker nachkommen als bisher.
Gerade erst wurde die fast fehlende Berücksichtigung des Naturschutzes durch die aktuelle Thüringer Landesregierung von Umweltverbänden bemängelt und auch auf Bundesebene gibt es von der Wissenschaft Kritik wegen der Vernachlässigung dieses für die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen zentralen Themas.
Die Regierungen mit ihren Diskontinuitäten und zum Teil eigenartigen Prioritäten kommen und gehen, der ehrenamtliche, aktive und kontinuierliche Artenschutz aber wird und muss bleiben, um die gefährdeten Arten an zahlreichen Stellen auch für die Zukunft zu erhalten. Dessen Bedeutung steigt angesichts der herrschenden politischen Strukturen und ihres Unwillens oder Unvermögens, an der Situation etwas zu ändern, noch weiter an. Wir Ehrenamtler betreuen mittlerweile an die 40 Wuchsorte bedrohter Arten zwischen Nordhausen und Halle.
Wer uns dabei unterstützen möchte, ist herzlich willkommen. bodo_schwarzberg@yahoo.de
Bodo Schwarzberg
