Kreisorganisation der Blinden und Sehbehinderten
Wenn schon nicht sehen, dann doch gesehen werden
Montag, 16. März 2026, 12:35 Uhr
Eine Selbsthilfegruppe für Sehbehinderte gibt es in Nordhausen schon seit den 1990er Jahren. Nach einigen Veränderungen will sich der Verband neu aufstellen und auch dafür sorgen, dass die Anliegen der Blinden und Sehbehinderten deutlicher gesehen werden, als das bisher der Fall war…
Wie jemand mit einer Sehbehinderung oder gar mit Blindheit umgeht, kommt meist darauf an, wie die Schwäche der Sinneswahrnehmung zustande gekommen ist. Ein Mensch, der von Geburt an Blind aufgewachsen ist, hat anders Leben gelernt als jemand, der durch Alter oder Unfall an Sehkraft eingebüßt hat.
Die Kreisorganisation der Blinden und Sehbehinderten hat sich neu aufgestellt, Ellen Heustein (links) will als neue Vorsitzende zusammen mit Annelore Kähms, Carola Busch und Uta Appel dafür sorgen, dass die Belange der Betroffenen wieder mehr gesehen werden (Foto: agl)
Uns allen ist gemein, dass wir Wege finden müssen, um unseren Herausforderungen im Alltag zu bewältigen. Das ist oft ganz individuell. Aber den Weg dahin muss man nicht allein gehen, sagt Ellen Hollstein. Die Sondershäuserin ist die neue Vorsitzende der Kreisorganisation der Blinden und Sehbehinderten in Nordhausen, zusammen mit Annelore Kähms, Uta Appel, Carola Busch und Michael Bartel will sie dafür sorgen, dass der Verband und die Anliegen seiner Mitglieder in der Öffentlichkeit wieder deutlicher wahrgenommen werden.
Wer trotz Brille oder Kontaktlinsen über weniger als 30 Prozent der üblichen Sehkraft verfügt, gilt in Deutschland als Sehbehindert. Sinkt der Faktor unter fünf Prozent, so gelten die Betroffenen als hochgradig sehbehindert, die volle Blindheit definiert das Sozialrecht ab einem Visus von 0,02 Prozent. Zur Zeit zählt die Kreisorganisation, die die Blinden und Sehbehinderten in Nordhausen vertritt, 45 Mitglieder, die selber betroffen sind, sowie 18 Fördermitglieder, die als Sehende bei der Kommunikation mit dem Rest der Welt helfen.
Wir machen Basisarbeit und vermitteln an die passenden Stellen, etwa wenn es um Themen wie Mobilitätstraining, Hilfsmittel oder finanzielle Unterstützung geht, bieten diverse Informationsveranstaltungen an und sorgen für Erfahrungsaustausch untereinander oder organisieren Ausflüge., erzählt Hollstein, was in den letzten Jahren aber zu kurz kam, war die Präsenz in der Öffentlichkeit. Das will man ändern, die Belange der Blinden und Sehbehinderten, wolle man wieder deutlicher kommunizieren, zum Beispiel wenn es um die Infrastruktur in Nordhausen geht. Auf den Gehwegen der Stadt hat sich diesbezüglich in den letzten Jahren einiges getan, aber nicht alles, was gut gemeint war, ist auch gut gemacht worden. Ein wunder Punkt ist die Wegführung für Blinde, die über Steinquader mit unterschiedlichen Oberflächen die richtige Richtung weisen soll. Manche Führung endet in Nordhausen im Nichts, an anderer Stelle wurden die falschen Quader gesetzt und viele Ampelanlagen der Stadt sind bis heute nicht mit akustischen Signalen oder Vibration ausgestattet, berichten die neuen Vorstandsmitglieder des Verbandes.
Noch mangelt es an leicht zugänglichen Kontaktmöglichkeiten - von Treffen wie der Informationsveranstaltung mit der Nordhäuser Polizei, die am vergangenen Donnerstag im Haus der Generationen stattfand, erfahren die Mitglieder zur Zeit noch über den direkten Kontakt. Doch das soll sich bald ändern, der Aufbau einer Website ist in Vorbereitung, teilt der neue Vorstand mit. Genug praktische Baustellen also, an denen sich arbeiten lässt aber auch im Geiste gibt es viel zu tun. Wir müssen leider immer wieder erleben, dass im Alltag wenig Rücksicht genommen wird, selbst wenn Leute offensichtlich mit dem Langstock unterwegs sind. Das zu ändern und wieder mehr gesehen und auch gehört zu werden, muss auch unsere Aufgabe sein, so Hollstein.
Angelo Glashagel
Update: Einen Überblick zum Veranstaltungsplan des Blindenverbands findet sich hier .
Autor: redWie jemand mit einer Sehbehinderung oder gar mit Blindheit umgeht, kommt meist darauf an, wie die Schwäche der Sinneswahrnehmung zustande gekommen ist. Ein Mensch, der von Geburt an Blind aufgewachsen ist, hat anders Leben gelernt als jemand, der durch Alter oder Unfall an Sehkraft eingebüßt hat.
Die Kreisorganisation der Blinden und Sehbehinderten hat sich neu aufgestellt, Ellen Heustein (links) will als neue Vorsitzende zusammen mit Annelore Kähms, Carola Busch und Uta Appel dafür sorgen, dass die Belange der Betroffenen wieder mehr gesehen werden (Foto: agl)
Uns allen ist gemein, dass wir Wege finden müssen, um unseren Herausforderungen im Alltag zu bewältigen. Das ist oft ganz individuell. Aber den Weg dahin muss man nicht allein gehen, sagt Ellen Hollstein. Die Sondershäuserin ist die neue Vorsitzende der Kreisorganisation der Blinden und Sehbehinderten in Nordhausen, zusammen mit Annelore Kähms, Uta Appel, Carola Busch und Michael Bartel will sie dafür sorgen, dass der Verband und die Anliegen seiner Mitglieder in der Öffentlichkeit wieder deutlicher wahrgenommen werden.
Wer trotz Brille oder Kontaktlinsen über weniger als 30 Prozent der üblichen Sehkraft verfügt, gilt in Deutschland als Sehbehindert. Sinkt der Faktor unter fünf Prozent, so gelten die Betroffenen als hochgradig sehbehindert, die volle Blindheit definiert das Sozialrecht ab einem Visus von 0,02 Prozent. Zur Zeit zählt die Kreisorganisation, die die Blinden und Sehbehinderten in Nordhausen vertritt, 45 Mitglieder, die selber betroffen sind, sowie 18 Fördermitglieder, die als Sehende bei der Kommunikation mit dem Rest der Welt helfen.
Wir machen Basisarbeit und vermitteln an die passenden Stellen, etwa wenn es um Themen wie Mobilitätstraining, Hilfsmittel oder finanzielle Unterstützung geht, bieten diverse Informationsveranstaltungen an und sorgen für Erfahrungsaustausch untereinander oder organisieren Ausflüge., erzählt Hollstein, was in den letzten Jahren aber zu kurz kam, war die Präsenz in der Öffentlichkeit. Das will man ändern, die Belange der Blinden und Sehbehinderten, wolle man wieder deutlicher kommunizieren, zum Beispiel wenn es um die Infrastruktur in Nordhausen geht. Auf den Gehwegen der Stadt hat sich diesbezüglich in den letzten Jahren einiges getan, aber nicht alles, was gut gemeint war, ist auch gut gemacht worden. Ein wunder Punkt ist die Wegführung für Blinde, die über Steinquader mit unterschiedlichen Oberflächen die richtige Richtung weisen soll. Manche Führung endet in Nordhausen im Nichts, an anderer Stelle wurden die falschen Quader gesetzt und viele Ampelanlagen der Stadt sind bis heute nicht mit akustischen Signalen oder Vibration ausgestattet, berichten die neuen Vorstandsmitglieder des Verbandes.
Noch mangelt es an leicht zugänglichen Kontaktmöglichkeiten - von Treffen wie der Informationsveranstaltung mit der Nordhäuser Polizei, die am vergangenen Donnerstag im Haus der Generationen stattfand, erfahren die Mitglieder zur Zeit noch über den direkten Kontakt. Doch das soll sich bald ändern, der Aufbau einer Website ist in Vorbereitung, teilt der neue Vorstand mit. Genug praktische Baustellen also, an denen sich arbeiten lässt aber auch im Geiste gibt es viel zu tun. Wir müssen leider immer wieder erleben, dass im Alltag wenig Rücksicht genommen wird, selbst wenn Leute offensichtlich mit dem Langstock unterwegs sind. Das zu ändern und wieder mehr gesehen und auch gehört zu werden, muss auch unsere Aufgabe sein, so Hollstein.
Angelo Glashagel
Update: Einen Überblick zum Veranstaltungsplan des Blindenverbands findet sich hier .
