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Schulleitung fordert bessere Lernbedingungen

Investitionsstau: Lernen mit DDR-Charme

Donnerstag, 02. April 2026, 12:00 Uhr
Als größte Bildungseinrichtung im Landkreis bildet das Staatliche Berufsschulzentrum Nordhausen die Fachkräfte von morgen aus. Doch das Gebäude Haus I ist deutlich in die Jahre gekommen. Der Schulleitung fehlt ein klares Signal aus der Lokalpolitik für einen modernen Campus…

Das kleinere Gebäude des Haus 1 des SBZ ist noch komplett unsaniert. (Foto: ssc) Das kleinere Gebäude des Haus 1 des SBZ ist noch komplett unsaniert. (Foto: ssc)
Ostalgie-Fans kämen im Haus 1 des Staatlichen Berufsschulzentrums (SBZ) in Nordhausen durchaus auf ihre Kosten. Der DDR-Schulbau in der Straße der Genossenschaften versprüht noch immer den Charme der 1980er-Jahre. Von den Deckenlampen über den Fußboden, die Fliesen bis hin zu den Türen der Schultoiletten und den Holzfenstern ist vieles im Originalzustand erhalten geblieben.

Allerdings hat dieser „Charme“ längst seine Schattenseiten. Im Winter wird das ungedämmte Haus nicht richtig warm. Die Holzfenster und Türen im Mitteltrakt sind vernagelt und zusätzlich mit mannshohen Holzgittern gesichert. „Viele Fenster lassen sich daher nicht öffnen. Gerade im Sommer haben wir in manchen Räumen schon am Vormittag Temperaturen von über 30 Grad. Das ist kein Zustand“, sagte Schulleiter Martin Drick im jüngsten Schulausschuss des Landkreises. Die Mitglieder hatten sich vor Ort ein Bild gemacht.

Ein Relikt aus früheren Zeiten
Schulleiter Martin Drick empfing jetzt den Schulausschuss in einem Haus.  (Foto: ssc) Schulleiter Martin Drick empfing jetzt den Schulausschuss in einem Haus. (Foto: ssc)
Drick leitet das SBZ seit Beginn dieses Schuljahres. Seine Vorgängerin, Ines Börner, wechselte als Leiterin an das Nordthüringer Schulamt. Auch sein Büro wirkt wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. „Zumindest der Fußboden wird jetzt erneuert“, berichtet der 45-Jährige und zeigt auf ein großes Loch im blass graublauen Teppich unter seinem Schreibtisch. Die Liste der Mängel ist jedoch deutlich länger: Pfützen nach Regen im Gebäude, ein Wasserschaden im Fußboden einer Toilette und weitere bauliche Defizite, etwa an zentralen Bereichen wie Treppenaufgängen.

Mit rund 1150 Schülerinnen und Schülern ist das SBZ die größte Bildungseinrichtung im Landkreis. Neben der Ausbildung von Berufsschülern können hier auch die Allgemeine Fachhochschulreife sowie das Abitur erworben werden. Besonders letzteres erfreut sich wachsender Nachfrage: „Wir haben aktuell rund 90 Bewerbungen für das kommende Schuljahr, so viele wie noch nie“, so Drick.

Bildungsstandort für Fachkräfte-Nachwuchs
Die Türen im Erdgeschoss und Fenster in den oberen Geschossen dürfen nicht mehr geöffnet werden. (Foto: ssc) Die Türen im Erdgeschoss und Fenster in den oberen Geschossen dürfen nicht mehr geöffnet werden. (Foto: ssc)
Mit 105 Lehrkräften sei die Schule personell gut aufgestellt, der Unterricht könne vollständig gemäß Lehrplan abgedeckt werden. Dennoch seien die Lernbedingungen im Gebäude an der Straße der Genossenschaften aus Sicht der Schulleitung unzureichend. „Wir bilden hier die Fachkräfte von morgen für die Region aus“, betont Drick. Mit dem Südharz-Klinikum und dem Autohaus Peter gebe es zudem bedeutende und große Arbeitgeber, die zahlreiche Auszubildende an das SBZ entsenden. Entsprechend groß sei auch dort das Interesse an guten Ausbildungsbedingungen. „Das hier hat leider alles nichts mehr mit einer modernen Lernumgebung zu tun“, so Drick. Ein leistungsfähiges und modernes Berufsschulzentrum sei ein wichtiger Standortfaktor, auch im Hinblick auf eine mögliche Ansiedlung im Industriegebiet Goldene Aue, ist Drick überzeugt.

Andere Kreise machen es besser
Ein Blick in andere Regionen Thüringens zeige, so Drick, dass es auch anders geht: Moderne Berufsschulcampusse in Mühlhausen oder Sondershausen bündeln die Ausbildung an einem Ort und bieten zeitgemäße Bedingungen.

Welche Entwicklung wird es geben?
Wie es mit dem Schulgebäude in der Straße der Genossenschaft weitergeht, ist nun vor allem eine politische Frage. Axel Judenhahn (AfD) wollte wissen, welche konkreten Möglichkeiten zur Sanierung bestehen. Schließlich habe sich der Ausschuss bereits zum zweiten Mal in der Schule getroffen, zuletzt im Jahr 2024, ohne dass seitdem etwas passiert sei.

Stefan Nüßle, Chef des Schulverwaltungsamtes, erklärte, dass eine Sanierung des Gebäudes wirtschaftlich vermutlich keinen Sinn mehr mache. Die Schulverwaltung befinde sich seit rund einem halben Jahr in einem intensiven Austausch mit der Schule. Das SBZ verfügt über einen zweiten Standort an der Morgenröte, das Haus II. Dieses Gebäude befindet sich in einem deutlich besseren Zustand. Allerdings mangelt es auch dort an für praktische Ausbildung geeigneten Räumen. Schon lange gibt es die Idee, das Haus II um einen Anbau zu erweitern und das Schulgebäude auf dem Petersberg in der Rudolf-Breitscheid-Straße zu nutzen, um dann das Haus I aufzugeben.

Mittel im Kreishaushalt für Planungsleistungen
Mit Blick auf eine Campuslösung in der Innenstadt sagte Nüßle, dass für dieses Jahr zunächst Mittel aus dem Kreishaushalt für die Planungen zur Sanierung des Schulstandorts auf dem Petersberg bereitgestellt werden sollen. Derzeit werde das Gebäude noch bis zum kommenden Jahr von der Grundschule Niedersalza als Ausweichquartier genutzt. „Das verschafft uns Zeit für die notwendigen Planungen“, so Nüßle. Ab 2027 könne dann, sobald das Gebäude wieder frei ist, mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden, um es dann für das SBZ zu nutzen.

Und der Neu- beziehungsweise Anbau an der Morgenröte? „Das Thema hat keine Fraktion in den letzten beiden Jahren im Kreistag ausreichend platziert“, sagte die Ausschussvorsitzende Carola Böck (CDU). Sie appellierte an alle Fraktionen, das Thema in den aktuell laufenden Haushaltsberatungen stärker zu berücksichtigen. „Letztlich liegt die Entscheidung beim Kreistag, welcher Weg beim SBZ verfolgt werden soll.“

Für Schulleiter Martin Drick gibt es eigentlich nur eine Lösung: einen modernen Schulcampus, bestehend aus dem Standort an der Morgenröte inklusive eines Neubaus für moderne Lehrwerkstätten sowie einem zweiten Standort auf dem Petersberg. „Aktuell berechnen wir unseren Platzbedarf neu“, sagt Drick im Hinblick auf den möglichen Neubau. Er hofft jetzt auf ein politisches Signal im Kreistag.
Susanne Schedwill
Autor: ssc

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