nnz-online
In arte voluptas - in der Kunst liegt Freude

Sondersippchen bei den Schlaraffen

Montag, 27. April 2026, 09:29 Uhr
Das Sondersippchen fand in voller Schlaraffen-Montur statt (Foto: Wolfgang Reinhardt) Das Sondersippchen fand in voller Schlaraffen-Montur statt (Foto: Wolfgang Reinhardt) Kürzlich nahm Wolfgang Reinhardt die Gelegenheit wahr, sich selbst einen Eindruck von einem der ältesten Vereine Nordhausens zu machen. Ende April veranstaltete der "Schlaraffenverein Nordhusa", der den Status eines "Feldlagers" hat, ein sogenanntes "Sondersippchen"...

Dieses Mal unter dem Motto „Kohle & Stahl. Von ganz unten nach ganz oben.“ Hierzu waren eingeladen & zahlreich erschienen, Schlaraffen-Schlotbarone aus anderen "Reychen", wie Duisburg, Bochum, Mühlheim, Goslar & Halle. (Reyche sind Ortsvereine der Schlaraffen & haben nichts mit rechtem Gedankengut zu tun. Im Übrigen sind die Themen Politik & Religion bei den Schlaraffen generell tabu).

Zunächst nutzten alle die Möglichkeit die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora zu besuchen. Die ortsfremden Schlaraffen waren schockiert über das, was sie dort sahen, wie unmenschlich Menschen durch Menschen behandelt bzw. zu Tode gequält wurden. Für sie hatte allein schon das die langen Anreisen gelohnt & sie wollen darüber in ihrer Heimat berichten.

Sondersippchen bei den Nordhäuser Schlaraffen (Foto: Wolfgang Reinhardt) Sondersippchen bei den Nordhäuser Schlaraffen (Foto: Wolfgang Reinhardt)

Die eigentliche "Sippung", also die Sitzung bzw. Tagung, fand dann in der derzeitigen „Kyffhäuserburg Nordhausen“ -dem Promenadeneck- statt. Bei den Sippungen wird viel gesungen & es werden Reden -ähnlich Büttenreden- gehalten. Während der Sippungen wird ein altdeutsches Vokabular angewandt, was überaus amüsant ist.

Die Sippung besteht aus zwei Teilen. Im ersten werden Gäste begrüßt, Grüße & Geschenke überbracht, über die Aktivitäten seit der vorherigen Sippung berichtet usw. Bei dieser Veranstaltung übergab ein bisheriger Nichtschlaraffe Dokumente seines Großvaters, der bis zum Ende Mitglied der Schlaraffia Nordhusia war. Der Versammlungsleitende Oberschlaraffe informierte dann darüber, dass sich die Nordhäuser Schlaraffen an der 1.100 Jahr Feier mit einem Festwagen am Umzug beteiligen & eine Feier aus Anlass des 150. Gründungstages der Schlaraffia Nordhusia ausrichten werden.

Zwischen dem ersten & zweiten Teil erfolgte die Verköstigung, hier „Atzung“ genannt. Der zweite Teil ist der amüsanteste. Hier werden Vorträge über zuvor festgelegte Themen gehalten, die mit den Fernseh-Büttenreden sehr gut mithalten können. Die Schlotbarone gaben zum Besten: einen Vortrag zum Ende des Bergbaus im Ruhrgebiet, einen über die Sonntagsgestaltung eines Großvaters mit seinen Enkeln, einen über die schwere Arbeit Untertage, einen nicht übertreffbaren über die vielfältigen Bedeutungen des Wortes „Wat“ im Niederrheinischen Dialekt usw. usf.

Das aus Halle angereiste Mitglied des Deutschen Schlaraffenrates trug seine Neufassung von „Der Hase & der Igel“ vor. Bei den Anwesenden blieb kein Auge trocken! Es wurde auch der in Deutschland vorgeschriebene Ersatz des Wortes „Negerküsse“ durch „Starkpigmentierte Schaumküsse“ persifliert usw.

Ich hatte die Möglichkeit als Nicht-Schlaraffe an dieser Sippung teilzunehmen, fand die Veranstaltung sehr interessant -besonders die amüsanten, schlagfertigen, intellektuell anspruchsvollen Reden & Gegenreden, die den Leitspruch der Schlaraffen „in arte voluptas“ (in der Kunst liegt Freude) eindrucksvoll belegten- und kann Interessierten sehr empfehlen sich selbst einmal ein Bild von den Schlaraffen zu machen. Erster Ansprechpartner dafür wäre Jörg Bauersfeld (Tel. 0170 1452166)
Wolfgang Reinhardt
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de