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Am 1. Mai eröffnet Café am Stadtpark in Nordhausen

Neustart im Zollhäuschen

Dienstag, 28. April 2026, 14:40 Uhr
Erst amerikanische Küche, dann griechische, später deutsche und schließlich Döner: Viele Gastronomen haben sich in den vergangenen Jahren im Zollhäuschen an der B4 in Nordhausen versucht. Jetzt wagt Marco Wohlenberg den Neustart: mit Café, Ferienwohnung und Stellplätzen für Camper...

Marco Wohlenberg eröffnet am 1. Mai sein Café am Nordhäuser Stadtpark. (Foto: ssc) Marco Wohlenberg eröffnet am 1. Mai sein Café am Nordhäuser Stadtpark. (Foto: ssc)
Die Arbeiten sind auf der Zielgeraden: Die Softeis-Maschine muss noch aufgebaut und die Kasse eingerichtet werden. Die ersten Camper haben sich bereits für das Wochenende angekündigt. Und immer wieder stecken Fremde neugierig den Kopf durch die offene Tür des Zollhäuschens, während drinnen noch die letzten Handgriffe erledigt werden. So wie der ältere Herr, der schon mal einen Tisch reservieren wollte. „Das Interesse daran, was hier passiert, ist wirklich groß. Wir haben in den letzten Tagen viel positives Feedback erhalten“, sagt Marco Wohlenberg. Am 1. Mai eröffnet der 40-Jährige „Wohlis Café am Stadtpark“. Ab 14 Uhr werden die Türen des Zollhäuschens dann nach mehr als drei Jahren wieder für Gäste offen stehen.

Das positive Feedback tut seiner Seele gut. In den vergangenen Wochen und Monaten habe er das Vorhaben rund um die Uhr im Kopf gehabt. Neben seiner regulären Arbeit als Tourismusmanager bei der Standortentwicklungsgesellschaft in Sangerhausen habe er jede freie Minute bis zur Erschöpfung am und im Zollhäuschen gearbeitet. „Ohne die große Unterstützung meiner Familie, unserer Freunde und der hiesigen Handwerksfirmen hätte ich das so nicht umsetzen können“, sagt Wohlenberg dankbar. Auch das war nebenbei zu händeln: drei Einbrüche, ein viel zu langer und kalter Winter, in dem draußen nichts ging. Ein Eröffnungstermin Anfang April, der nicht zu halten war.
Das Zollhäuschen stammt aus dem Jahr 1845. Es wurde einst an der Landesgrenze zwischen dem Königreich Preußen und Hannover als Chausseehaus errichtet. (Foto: ssc) Das Zollhäuschen stammt aus dem Jahr 1845. Es wurde einst an der Landesgrenze zwischen dem Königreich Preußen und Hannover als Chausseehaus errichtet. (Foto: ssc)

Viel ist seit dem vergangenen Sommer passiert: Im oberen Geschoss des 181 Jahre alten Häuschens ist eine moderne Ferienwohnung entstanden. Von der kleinen, muffigen Dachgeschosswohnung im Stil der 1990er Jahre ist nichts mehr zu erkennen. Durch die neuen großen Fenster fällt viel Licht. In Richtung Stadtpark wurde ein großer Balkon angebaut.

Neben einem Wohn- und Schlafbereich verfügt das kleine Feriendomizil über eine Küche, ein Bad mit Badewanne und einen zweiten kleinen Raum mit Schlafsofa. Drei Leute können hier eine schöne Zeit verbringen. Erste Übernachtungsanfragen gibt es bereits.
Unterm Dach ist eine kleine Ferienwohnung entstanden. (Foto: ssc) Unterm Dach ist eine kleine Ferienwohnung entstanden. (Foto: ssc)

Im Erdgeschoss ist ein gemütliches Café mit barrierefreiem Zugang entstanden. Der Gastraum hat einen neuen Fußboden sowie einen neuen Anstrich erhalten. 24 Gäste können hier künftig an Holztischen in flauschigen beigefarbenen und grünen Sesseln Platz nehmen. In der offenen, minzefarbenen Landhausküche werden demnächst diverse Kaffeespezialitäten zubereitet.
Das Café im Erdgeschoss ist in ähnlichen Farben gehalten wie die Einrichtung der Ferienwohnung. (Foto: ssc) Das Café im Erdgeschoss ist in ähnlichen Farben gehalten wie die Einrichtung der Ferienwohnung. (Foto: ssc)

Auch draußen hat sich viel getan: Die Fassade des Hauses und das Fachwerk wurden sandgestrahlt und von alten Farbschichten befreit. Das Haus ist jetzt in einem hellen Beige gestrichen, das Fachwerk kommt nun wieder gut zur Geltung. Eine neue helle Terrasse mit massiver hölzerner Pergola bietet Platz für 40 Außensitzplätze. Lichterketten und Blumenampeln sollen noch mehr Muckeligkeit schaffen.

Über die Luke wird Eis vom Eiscafé Verona verkauft. „Softeis stellen wir selbst her“, sagt Wohlenberg. Außerdem gibt es regionales Bier aus Hüpstedt, Fleisch von Munds Mühle, eine Zusammenarbeit mit der Traditionsbrennerei sowie Kaffee von der Rösterei Schnibbe aus Bad Lauterberg. Kuchen backen die Mitarbeiter und „mehrere Omas“, so Wohlenberg. Zusätzlich backt Wohlenberg selbst Sauerteigbrot, das zur Brotzeit serviert wird.

Die ersten Arbeitsverträge hat er am Montag unterschrieben. Doch perspektivisch benötigt er noch zwei weitere Servicekräfte mit Gastronomieerfahrung sowie einen Koch und einen Konditor. „Unser Plan ist, sieben Tage die Woche zu öffnen. Das geht aber nur mit mehr Personal“, so Wohlenberg. Erst einmal soll das Café am Freitag, Samstag und Sonntag von 14 bis 19 Uhr geöffnet haben.

Auf dem gegenüberliegenden Parkplatz will er überdies einen Foodtruck aufstellen, an dem es auch Imbissangebote geben soll.

Tourismus liegt Wohlenberg schon von Berufswegen am Herzen. Diesen in Nordhausen anzukurbeln noch mehr: Den Parkplatz neben dem Café hat er deshalb nicht nur vom Gestrüpp befreit, sondern auch für vier Stellplätze für Wohnmobile hergerichtet. Die Elektrosäulen kommen in den nächsten Tagen. Die Stellplätze und die Ferienwohnung sollen zukünftig online über eine Webseite buchbar sein. „Auch die soll noch in den nächsten Tagen fertig werden“, berichtet Wohlenberg.

Neben seinem ganzen Herzblut hat der Nordhäuser auch jede Menge Geld in das Häuschen gesteckt. Einen sechsstelligen Betrag. Und ein paar Fördermittel gab es von der Thüringer Aufbaubank.

Jetzt gilt es, den Cafébetrieb zum Laufen zu bringen. Wohlenberg freut sich, dass es am 1. Mai endlich losgeht. „Es wird sicher voll, aber darauf freue ich mich.“
Susanne Schedwill
Autor: ssc

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