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Keller am Blasii-Kirchplatz in Nordhausen entdeckt

Wer buddelt, der findet

Mittwoch, 06. Mai 2026, 12:00 Uhr
Das Nordhausen von heute steht bekanntermaßen auf dem Nordhausen von damals. Bei den Bauarbeiten am Blasii-Kirchplatz trat das „alte Nordhausen“ jetzt wieder zu Tage - die Bauarbeiter stießen auf einen Keller…

Zum ganz und gar „ollen Northusn“ zählen die Reste des Gemäuers indes wohl nicht, es dürfte sich um einen Vorkriegsbau handeln, der allerdings nicht alt genug ist, um das Interesse der Archäologie zu wecken.

Kaum verfüllt und nur ein paar Zentimeter unter unseren Füßen - bei Bauarbeiten am Blasii-Kirchplatz ist ein alter Keller aufgetaucht (Foto: agl) Kaum verfüllt und nur ein paar Zentimeter unter unseren Füßen - bei Bauarbeiten am Blasii-Kirchplatz ist ein alter Keller aufgetaucht (Foto: agl)


Ein Schutthaufen im Inneren lässt die Vermutung zu, dass der Hohlraum in der Nachkriegszeit eher halbherzig verfüllt wurde. Denkbar ist natürlich auch ein Bombentreffer, die Blasii-Kirche selbst war bei den Angriffen vom 3. und 4. April schwer in Mitleidenschaft gezogen worden und hatte Treffer abbekommen.

Neben dem Blick in das alte Kellerabteil sind auch die Reste einer Sandsteintreppe und eines Schornsteins zu erkennen, ein interessanter Fund auch für Baustellenleiter Lutz Becker vom Granitbau. Bereits beim ersten Bauabschnitt vor ein paar Jahren hatte sich die Geschichte unter unseren Füßen gezeigt - da wo heute die Bushaltestelle steht, wurde einer der zentralen Versorgungsbrunnen der Stadt wieder entdeckt.

Ein Treppe aus Sandstein ist noch gut zu erkennen (Foto: agl) Ein Treppe aus Sandstein ist noch gut zu erkennen (Foto: agl) Den heutigen Fund haben Archäologen und Stadtverwaltung schon vor Ort begutachtet - die Bauarbeiter haben bereits grünes Licht die Hohlräume zu leeren, die Keller abzutragen und die Fläche für den Bau des neuen „Pferdebrunnens“ vorzubereiten. Mit von der Partie sind dann auch die Sprengmeister der Firma Tauber, nur für den Fall der Fälle, dass sich weiter drinnen doch noch Altlasten des Krieges finden sollten.

Ein paar Tage wird das dauern, insgesamt sei man aber gut im Plan, sagt Becker. Die Oberfläche des Platzes wurde abgetragen, ein neuer Kanal für das Niederschlagswasser angelegt und wenn der Boden einmal auf ist, kann man sich auch gleich um die Erneuerung der Hausanschlüsse kümmern.

Der alte Keller wurde scheinbar nur notdürftig verfüllt (Foto: agl) Der alte Keller wurde scheinbar nur notdürftig verfüllt (Foto: agl)

Auf dem Baugrund will man demnächst sogenannte „Wurzelbrücken“ anbringen, das sind Einschraubfundamente mit Stahlgitterrost, auf denen dann aufgepflastert werden kann, ohne den Linden auf dem Platz zu viel zuzumuten, erläutert Becker.

Mit neuen Überraschungen aus alter Zeit ist zumindest bei diesen Arbeiten nicht zu rechnen, viel tiefer als man bereits gegraben hat, wird es nicht mehr gehen und die Grenzen der Vorkriegsbebauung sollte man auch erreicht haben.
Angelo Glashagel
Autor: red

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