Zum Ende der Saison wurde es noch einmal "dünn" für den Klassenerhalt des FSV Wacker 90 Nordhausen. Doch nun sollte endlich der Blick in die Zukunft frei sein. Sollte...
Alexander Ludwig machte das entscheidende Tor im gestrigen Spiel gegen Weida (Foto: Wacker Nordhausen)
Die Konstellation am Ende der Thüringenliga-Tabelle war nichts für schwache Nerven. Letztlich hat Wacker den Verbleib in der Liga durch ein 1:1 gegen Weida selbst in die Hand genommen.
Vermutlich kann jetzt erst einmal gefeiert werden. Und das ist gut so. Sechs Jahre war ich zu keinem Punktspiel mehr im AKS. Das hat private, also persönliche Gründe gehabt. Menschen, die mich kennen, die wissen, dass das Herz, das zuvor 25 Jahre für diesen Verein schlug, permanente Rhythmusstörungen hatte. Begründet in eine - meiner Meinung nach - falschen Personalentscheidung im Präsidium in der Nach-Kleofas-Ära.
Und doch - auch das gehört dazu - wäre nicht die "Mannschaft" um Torsten Klaus gewesen, hätte er Wacker vermutlich nicht mehr als Verein gegeben. Vermutlich. Jetzt geht diese Phase vermutlich zu Ende. Der Fairness halber: Danke Torsten und all den anderen im Präsidium, in der sportlichen Leitung und den treu gebliebenen Unterstützern, dass er den Verein weiter am Leben gehalten hattet.
Aber: am Leben erhalten sollte nicht der Anspruch sein, den sich ein Verein mit dieser Tradition in einer Stadt mit rund 40.000 Einwohner auf die Vereinsfahne schreiben sollte. Jetzt muss es einen Neuanfang geben. Mit einem neuen Präsidium, das Rückhalt in der Region, in der kommunalen Politik, in der Wirtschaft und in den Reihen der Fußballliebhaber besitzt.
Ein wenig verrückt muss man jetzt schon sein, wenn man sich an die Spitze von etwas Neuem stellt. Lange habe ich mich nicht geäußert zu personellen Themen, doch jetzt ist es vielleicht noch einmal auf die Tagesordnung zu bringen. Warum? Ganz einfach, weil die Zeit den sportlichen Aspekten davoneilt. Jetzt muss sich Ende dieses Monats eine neues Team finden. In dieser Woche gab es eine erste Runde, zu der Landrat Matthias Jendricke eingeladen hatte. Die Teilnehmer hatte Verschwiegenheit vereinbart. Nur zweierlei sickerte nach außen: Es gibt Personen, die das Ruder in die Hand nehmen könnten. Das ist die positive Nachricht. Die andere Nachricht befindet sich in den finanziellen Ebenen.
Letztlich wollen die Neuen genau wissen, auf was sie sich einlassen und sie wollen keine unangenehmen Überraschungen erleben. Die Bücher müssen sauber sein, bis in die letzte Quittung hinein. Und nein: damit sind die einstigen Erblasten der Kleofas-Ära gemeint. Hier ist alles sauber. Dennoch sollten sich die "Neuen" eines Steuerberaters bemächtigen, der hinter jede Zahl schauen kann.
Das muss schnell gehen, denn das Ende eine jeden Saison ist kurz vor dem Start der Neuen. Die Mitglieder des Vereins, die Mannschaften, die Betreuer müssen wissen, wohin das Wacker-Schiff steuern wird. Und wer auf der Brücke steht.
Es ist die vielleicht letzte Möglichkeit, den Verein wieder zu dem zu machen, was er einst einmal war. Der Fußballsport-Verein Wacker 90 Nordhausen war der Magnet für viele Kinder und Jugendliche. Und nein, es reicht nicht, den Fokus ausschließlich auf den Nachwuchs zu legen. Die Erfahrungen aus den beiden Regionalliga-Phasen lehrt es: die Kids kamen nicht zu Wacker, um in der Kreisklasse bis in alle Ewigkeit zu kicken. Gut, heute ist Leistungswille nicht mehr so ausgeprägt und gesellschaftlich anerkannt, trotzdem aber wird es im AKS wieder Gewinner und Verlierer geben. Und immer noch ist Fußball die schönste Nebensache der Welt, weit vor dem Hobby-Horsing.
Also: auf geht's ihr Fußballfreunde und Wacker-Fans: mitmachen, kämpfen und siegen. Und das möglichst ohne Ausschreitungen sowie Aufkleber- und Grafitti-Orgien. Peter-Stefan Greiner