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1. Open Zorgeufer Festival

Echte Nordhäuser Wassermusik

Dienstag, 30. Juni 2026, 11:07 Uhr
An den Zorgeauen bleibt es meist ruhig, außer Gassi gehen, gelegentlichen Müll-Sammelaktionen und den saisonalen Wasserstandsmeldungen ist an den Gestaden der Rolandstadt nicht viel los. Ende August soll sich das ändern, und zwar mit echter Nordhäuser Musik…

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Kultur schafft, wer es selber macht - mit sechs Bands und vielen Unterstützern wird am 21. August zum 1. Open Zorgeufer Festival geladen (Foto: agl)

Vor ein paar Jahren da sorgten ein Paar Lack & Leder Freunde am Zorgeufer nahe der Bahnhofstraße für erregte Gemüter, man fröhnte den eigenen Vorlieben am hellerlichten Tage sehr zur Verwunderung der Nordhäuser Passanten. Die Hochwasserwarnungen, die im Frühjahr ziemlich unweigerlich eingehen werden natürlich vermeldet, wie auch gelegentlich stolze Aufräumaktionen. Und dann war da noch ein Bagger, der einmal mitten in der Zorge stand, Bauarbeiten am Wehr, auch das ist schon wieder eine Weile her. Ansonsten bleibt es an den eigentlich malerische schönen Uferauen eher ruhig.

Keine Picknicks auf der Wiese, kein Kinderplanschen im kühlen Nass, kein Café am Wasser, keine sommerliche Kleinkunst am rauschenden Bach, kein gar nichts. Es fließt das Flüsslein flink und schnelle unbeachtet durch den Nordhäuser Alltag. Und wen will es wundern, die Zorge ist ein „Gewässer 1. Ordnung“, wir leben in Deutschland, sicher gibt es ein Dutzend amtlich bis ins Detail durch deklinierte Gründe, warum das so sein muss und nicht anders sein kann.


Wie sich herausstellt, stimmt diese Annahme nicht ganz. Der Grund, warum sich am Fluss nichts außer dem Wasser bewegt ist ein ganz anderer: Es hat schlicht und ergreifend noch niemand versucht. Mit einiger Verwunderung nahm man denn auch im Nordhäuser Rathaus und später bei der oberen Wasserbehörde die Idee einiger Nordhäuser Musiker auf: ein Konzertabend für handgemachte Musik möchte man veranstalten, die Bühne soll mitten drin im Fluss stehen, die Gäste auf den Hängen des Van-der-Foehr Damms gemütlich lauschen können.

Das war Anfang Februar, inzwischen sind alle Genehmigungen und Auflagen geklärt und es steht ein Termin für das 1. „Open Zorgeufer Festival“, der 21. August 2026. „Wir waren selber ein wenig verwundert und hatten mit mehr Gegenwind gerechnet“, erzählt Steffen Klima von der Combo „Herrenzimmer“ gestern in den Räumen der „Falken“ am Stadtpark. Die Inspiration kommt aus dem Urlaub, dem Gedanken, so eine „Wassermusik“ doch auch einmal vor der eigenen Haustür zu erleben, folgten Taten und nun hat man sechs Nordhäuser Bands, vom jungen Nachwuchs bis zu altgedienten Vollblutmusikern, die aus Spaß an der Freude ohne Gage Ende August am Zorgeufer aufspielen werden.

Mit dabei sind:
  • Bad Posture - die talentierte Jugend, im Schnitt gerade 15 Jahre alt, man übt sich vor allem darin, Klassiker wie die Cranberries, Greenday und Wir sind Helden zu covern
  • Herrenzimmer - in der Nordhäuser Musikszene ein bekannter Name, in voller Besetzung kommt man auf ein Dutzend passionierter Musiker und Sänger, gespielt werden vor allem Rock & Pop Cover
  • LVL - noch einmal jugendlicher Nachwuchs, diesmal allerdings unterwegs im Heavy Metal
  • The Nord House - auch kein gänzlich unbekannter Name, die junge Band wildert in den 60er und 70ern, bei Rock’n’Roll und Neuer Deutscher Welle hat aber inzwischen auch Eigenkompositionen im Instrumentenkasten
  • Trio Malöhr - hier geht es avantgardistischer zu, drei musikalische Profis, die zwischen „crunchiger“ Gitarre, jazzigem Piano und Percussion instrumentale Klangwelten schaffen
  • Zierdt - die Combo aus neun Musikern um Michale Zierdt spielt ausschließlich eigens kreierte Werke, gesungen wird auf Deutsch, musikalisch kommt man aus Blues, Soul und Funk und mit diesem Rezept hat man es auch über Nordhausen hinaus zu Bekanntheit und bis zu eigenen „Platten“ gebracht


„Nordhausen hat eigentlich immer eine breite Musikszene gehabt, in den letzten Jahren war das nur vielleicht nicht mehr so sichtbar wie früher und ist beim Publikum ein Stück in Vergessenheit geraten. Aber das Potenzial ist noch da und das wollen wir auch zeigen“, sagt Klima. Das Line-up für das Festival ist denn auch nur ein kleiner Querschnitt, geht die Sache gut an, könnten bei einer zweiten oder dritten Auflage auch noch ganz andere Bands und ganz andere Musik auf der Bühne stehen, doch das greift ein bisschen vor.

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Auch das Plakat ist handgemacht, "human made with heart" (Foto: S. Klima)
Erst einmal muss die Premiere laufen und um die stemmen zu können, hat man reichlich Unterstützung gefunden. Natürlich bei der Stadt und den Behörden, die grünes Licht gegeben haben, aber auch bei den „Falken“, die auf ihrem Gelände direkt gegenüber der Spielstätte ein Kinderfest organisieren werden, um den älteren Musikliebhabern Zeit zum Genießen zu geben, bei Steffi Böttcher vom Zirkus Zappelini die Freunde aus der Artistik-Szene zusammentrommeln will um ein „Happening“ am Rande des Happenings zu gestalten und bei Bröder Gerüstbau, die für den standsicheren Aufbau der Bühne im Fluss sorgen werden. Mit ihm Boot sind außerdem der Elektroservice Hegemann, der sich um die Stromversorgung kümmern wird, die Echte Nordhäuser Marktpassage die das Unterfangen finanziell unterstützt, das Architekturbüro „Ortsbild“ und das Radio ENNO, dass die Moderation des Reigens übernehmen wird.

Das Festival beginnt am 21. August um 16 Uhr am Van-der-Foehr-Damm 25, direkt neben der Zorgebrücke zum Stadtpark. Der Eintritt ist kostenfrei, wer will, kann die Spendenbox füllen, groß verdienen will hier aber niemand. Es geht explizit um die Freude an der Musik, nicht mehr nicht weniger. Das alles wirklich „handgemacht“ ist, darauf legt man Wert, - von der Musik bis zum Plakat kommt alles aus Menschenhand und von Menschenherz, keine künstliche Intelligenz, nirgends.

Auf den guten Menschenverstand baut man auch vor und nach dem Fest. Nahe liegende Parkplätze gibt es zwar gegenüber dem Zollhäuschen und an der Wendeschleife in der Parkallee, anreisen sollten die Besucher aber bitte möglichst zu Fuß, mit dem Rad oder der Straßenbahn. Snacks und Getränke wird es geben, Picknickdecken und Eigenversorgung ist allerdings ausdrücklich erwünscht und mit der Bitte verbunden, den eigenen Müll danach wieder mitzunehmen und das Gelände möglichst so zu hinterlassen, wie man es vorgefunden hat.

Jeder der sechs Bands hat ein Set von 45 bis 60 Minuten, das sollte für fast jeden Musikgeschmack etwas dabei sein, ab 22 Uhr wird es dann elektronisch mit „DJ Tachiarrhythmic“. Bis zu 200 Gäste sollten auf den Hängen der Zorgeaue Platz finden, bei wechselndem Angebot über den Tag hinweg rechnet man mit Kommen und Gehen, eingezäunt wird nichts.

Die „kleine Wassermusik“ wird ohne Frage ein Experiment aber auch ein Ausrufezeichen des Nordhäuser Kulturlebens, dass man in den letzten Jahren schmerzlich vermisst hat. Kein Kommerz, nur Kultur. Dabei auch endlich einmal den schönen Schatz unserer Zorgeauen zu heben, setzt einer wunderbaren Idee die Krone auf. Möge es gelingen und die Wettergötter gnädig sein, der Stadt wäre es zu wünschen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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