Bei seinem Beitrag unter dem Titel Schützt Nordhausen seine Menschen vor der Hitze vom 27.06. hätten vielleicht noch einige Maßnahmen der Stadt Erwähnung in Sachen Begrünung finden müssen. Die Fortsetzung zur Kolumne von Bodo Schwarzberg...
Am Neuen Weg sind viele Bäumen spontan aufgewachsen, Sie weisen kaum sichtbare Schäden auf und kühlen merklich ihre nächste Umgebung. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Ich gebe zu, ich habe soeben KI danach gefragt, welche Bundesförderprogramme Nordhausen für den Hitzeschutz durch Begrünung und Baumpflanzungen nutzt:
Vom 23.5.2025 gibt es einen Eintrag auf der Seite der Stadt Nordhausen über die Pflanzung von 102 Bäumen über das Programm "Klima Invest" in mehreren Straßen. In den meisten angegebenen Straßen, so Parkallee und Albert-Träger-Straße, sind vermutlich überwiegend Ersatzpflanzungen für abgestorbene oder gefällte Bäume erfolgt. Ersatzpflanzungen werden auch explizit erwähnt.
Das ist lobenswert und sollte so weiter geschehen. Jedoch benötigen wir allein schon wegen des hohen Versiegelungsgrades viel mehr neues Grün. In meinem Beitrag vom 27.06. schrieb ich von Tiny-Forests, also von Miniwäldern auf möglichst vielen Flächen, die immer mehr deutsche Städte etablieren.
- 102 Bäume über Klima Invest, das ist also nicht viel. Im Stadtgebiet sollen 19.000 kartierte Bäume stehen, laut nnz vom 22.04.25.
Es müssten jährlich mehrere hundert Bäume und Hecken unter dem Strich dazukommen, die Zahl der Bäume müsste insgesamt deutlich gesteigert werden: Auf Brachflächen, um Parkplätze, an Straßenrändern, die bisher nicht bepflanzt wurden. Wir haben künftig sehr wahrscheinlich Phasen mit 40 Grad und mehr in der Stadt.
Die Stadt nutzt mehrere Programme und Fördermöglichkeiten für die Begrünung. Zu den bekannten möglichen Bundesprogrammen zählen die Programme "Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel", "Natürlicher Klimaschutz in Kommunen" oder die "Förderrichtlinie "Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels".
Am 7.5.26 schrieb die nnz von vorgesehenen Bäumen um den Platz der Gewerkschaften. Dafür gab es Fördermittel aus dem Bundesprogramm KfW 444 = Natürlicher Klimaschutz in Kommunen. Damit werden Flächen entsiegelt und Bäume gepflanzt.
Weiterhin gibt es das Pilotquartier Nordhausen Nord, in dem es unter anderem naturnahes Grün, mit klimaangepassten Schatten spendenden Bäumen, hoher Artenvielfalt, entsiegelten Flächen und Regenwasserversickerung vor Ort geben soll. (Quelle: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.)
Aus den Jahren 2018 bis 2021 stammt der Klima-Gestaltungsplan für die Stadt Nordhausen (Entwicklungsplan Energie, Klima und Raumgestaltung). Hier wird ebenfalls die Quartiersentwicklung Nordhausen Nord als Teilprojekt erwähnt.
Das sind lobenswerte Projekte, die in die richtige Richtung gehen. Es bleiben jedoch Fragen offen: Warum beispielsweise wurde bei der Neugestaltung des Gebietes um das Bürgerhaus /Stadtbibliothek (siehe mein Artikel vom 27.06.) weitestgehend auf Baumpflanzungen verzichtet?
Das war doch eine Chance, gerade in unmittelbarer Nähe des Rathauses bzw. der hitzegeplagten Innenstadt? Warum hat man dort nicht, trotz des Unterzeichens der Agenda 21 mit ihren Forderungen, hitzemindernde Gehölze gepflanzt? Warum wurde der Bahnhofsvorplatz Nordhausen bei seiner Neugestaltung dermaßen versiegelt und entgrünt, dass ältere Nordhäuser dem Bahnhofsplatz von vor 1990, insbesondere mit der berühmten Linde und dem Springbrunnen dort nachtrauern?
Warum feiert man sich für die geplante Bepflanzung des Platzes der Gewerkschaften mit neuen Bäumen und die geplante Entsiegelung unter der Nutzung von Förder-, also Steuermitteln, wenn man doch bloß das frühere Grün, die bereits dort stehenden Bäume und die einst offenen Flächen hätte zu erhalten brauchen? nnz-Journalist Kurt Frank schrieb dazu am 8.5.2026 einen denkwürdigen Beitrag.
Warum feiert man aufwändige, teure Projekte zur Begrünung, aber hohe Bäume in der Arnoldstraße wurden gefällt? Wie also fällt die Bilanz zwischen Baumverlust durch Absterben / Fällung einerseits und Nach- / Neupflanzungen aus? Angeblich sind rund 1/3 der Bäume im Stadtgebiet geschädigt. Es ist also mit einem hohen Grad an absterbenden und daher zu entfernenden Bäumen zu rechnen. Kann das angesichts der galoppierenden Erhitzung des Klimas tatsächlich schnell überkompensiert werden? Hat man nicht doch Fehler gemacht und jahrelang zu wenig getan?
Nordhausen Nord mit seinem an sich tollen Projekt am Stadtrand ist weit entfernt vom Hitze-Hotpot Innenstadt. Wie bitte aber ist den Bewohnern zwischen Bahnhof und Bebel-Platz das Leben durch mehr Stadtgrün, Wasserflächen, Fassadenbegrünung in Hitzephasen zu erleichtern? Wie ist denen zu erklären, dass sie so schnell wahrscheinlich kaum Linderung erwarten können? Oder gibt es da ein Projekt, das ich übersehen habe?
In der Hauptstraße in Salza sah ich heute übrigens fleißige Arbeiter beim Mähen des wenigen Grüns rund um die dort befindlichen Bäume. Muss das sein? Die Stadt Leipzig beispielsweise fördert ganz gezielt die Wildkrautentwicklung auf Baumscheiben.
Das sind Möglichkeiten, Geld zu sparen, ohne weitere Maßnahmen die Biodiversität zu fördern und etwas mehr Wasser in der Stadt zu halten.
Und noch etwas zum Schluss. Gestern maß ich an meinem Fenster 35 Grad im Schatten. Im wunderbaren, schattigen Laubgehölz an der Johannistreppe oben am Neuen Weg waren es 30. Fünf Grad Unterschied können über Leben und Tod entscheiden. Bitte verschont solche Gehölze wie dort, oder auch am Parkplatz Bäckerstraße künftig bei Baumaßnahmen. Bodo Schwarzberg