Ein Mann und drei Frauen
Sonntag, 21. September 2008, 08:57 Uhr
Am nächsten Samstag begegnet man in der Langen Reihe 11 in Limlingerode vier Persönlichkeiten, die in der Kulturgeschichte Europas einen vorderen Platz einnehmen. Sie kannten sich gut, ihr Bekanntsein erfährt man zum Beispiel aus zahlreichen Briefen, in denen sich ihre Charaktere ganz subtil ausdrücken... –
Es sind dies Rilke, der Dichter, Andreas-Salomé, die Schriftstellerin und Psychoanalytikerin, Modersohn-Becker, die Künstlerin und Marina Zwetajewa, die Lyrikerin. René Maria Rilke wurde 1875 in Prag geboren und starb 1926 in einem Sanatorium in der Schweiz. Er war Österreicher und wurde zu einem großen Lyriker in deutscher Sprache. Seine Dichtung erregt Bewunderung und Ablehnung, er gehört zu denen, deren Verse häufig vorgetragen werden. Rilke studierte in Prag Geschichte, Kunst und Literatur, dann in München Philosophie. Er begann sich schriftstellerisch zu betätigen, aber es war noch ein Drauflosreimen. Im Frühjahr 1897 lernt er Lou (Louise) kennen, die mit dem Orientalisten Friedrich Carl Andreas platonisch, wie es heißt, verheiratet ist. Man kommt sich bald sehr nahe und wird gemeinsam 1899 und 1900 aufschlussreiche Russlandreisen unternehmen. Lou war 1861 in St. Petersburg geboren worden und konnte Rilke über russische Verhältnisse gut beraten. Die Begleiterin war ihm nicht nur an Jahren voraus, sondern hatte Dichter, Schriftsteller, Wissenschaftler in ihrem Bekannten- und Freundeskreis, also die Lebenserfahrung überstieg die seine um ein Vielfaches. Einer von diesen war Friedrich Nietzsche gewesen. Nach der 2. Russlandreise löste Lou das Liebesverhältnis abrupt, aber dann wird daraus bis zu Rilkes Tod eine einfühlsame Freundschaft.
Auf Lous Rat hin wechselte der junge Autor seinen Rufnamen in Rainer. Sie hatte ihm auch geraten, nach Worpswede zu gehen und den Künstler Heinrich Vogeler, den er in Italien kennen gelernt hatte, aufzusuchen. Er begegnete Clara Westhoff, einer Künstlerin, die plastische Werke schuf. Sie wird sehr bald seine Frau. Neben den Männern der Worpsweder Malerschule, über die er ein Buch schreiben wird, beeindruckt ihn Paula Becker, geboren 1876 in Dresden, die mit Clara befreundet ist, sehr. 1901 heiratet diese den Künstler Otto Modersohn. Aber Rilke nimmt die junge Frau nicht als eigenständige Künstlerin wahr. Erst als er 1906 mit ihr in Paris zusammentrifft, wo sie sich künstlerisch fortbildet, bekommt er davon eine Ahnung. Nach ihrem frühen Tod am 20. November 1907 - ihre Tochter war kurz davor geboren - wird er umfassendere Eindrücke von dieser großen Begabung erhalten, tief angerührt sein und darüber schreiben.
Marina Zwetajewa, 1892 in Moskau geboren und 1941 in der Verbannung in der Sowjetunion mit Selbstmord geendet, ist die dritte Frau, die mit Rilke zusammen vorgestellt wird. Sie sind sich nicht persönlich begegnet, denn ehe das möglich wurde, starb der erkrankte Dichter am 29. Dezember 1926. Die Zwetajewa lebte damals in der Emigration in Frankreich, denn ihr Dichten missfiel den sowjetischen Machthabern. Auf Vermittlung Boris Pasternaks schrieb sie am 9. Mai 1926 an Rilke, dessen Dichtung sie verehrte, in das Schweizer Sanatorium den ersten Brief. Neben den Briefen gibt es von beiden auch Gedichte über diese Zeit der Annäherung. Roswitha Lamster, Karin Kisker und Heidelore Kneffel werden in einem von ihnen gestalteten Programm diese interessanten Beziehungen vorstellen.
27. September, 14.30 Uhr, Lange Reihe 11, Limlingerode
Autor: nnzEs sind dies Rilke, der Dichter, Andreas-Salomé, die Schriftstellerin und Psychoanalytikerin, Modersohn-Becker, die Künstlerin und Marina Zwetajewa, die Lyrikerin. René Maria Rilke wurde 1875 in Prag geboren und starb 1926 in einem Sanatorium in der Schweiz. Er war Österreicher und wurde zu einem großen Lyriker in deutscher Sprache. Seine Dichtung erregt Bewunderung und Ablehnung, er gehört zu denen, deren Verse häufig vorgetragen werden. Rilke studierte in Prag Geschichte, Kunst und Literatur, dann in München Philosophie. Er begann sich schriftstellerisch zu betätigen, aber es war noch ein Drauflosreimen. Im Frühjahr 1897 lernt er Lou (Louise) kennen, die mit dem Orientalisten Friedrich Carl Andreas platonisch, wie es heißt, verheiratet ist. Man kommt sich bald sehr nahe und wird gemeinsam 1899 und 1900 aufschlussreiche Russlandreisen unternehmen. Lou war 1861 in St. Petersburg geboren worden und konnte Rilke über russische Verhältnisse gut beraten. Die Begleiterin war ihm nicht nur an Jahren voraus, sondern hatte Dichter, Schriftsteller, Wissenschaftler in ihrem Bekannten- und Freundeskreis, also die Lebenserfahrung überstieg die seine um ein Vielfaches. Einer von diesen war Friedrich Nietzsche gewesen. Nach der 2. Russlandreise löste Lou das Liebesverhältnis abrupt, aber dann wird daraus bis zu Rilkes Tod eine einfühlsame Freundschaft.
Auf Lous Rat hin wechselte der junge Autor seinen Rufnamen in Rainer. Sie hatte ihm auch geraten, nach Worpswede zu gehen und den Künstler Heinrich Vogeler, den er in Italien kennen gelernt hatte, aufzusuchen. Er begegnete Clara Westhoff, einer Künstlerin, die plastische Werke schuf. Sie wird sehr bald seine Frau. Neben den Männern der Worpsweder Malerschule, über die er ein Buch schreiben wird, beeindruckt ihn Paula Becker, geboren 1876 in Dresden, die mit Clara befreundet ist, sehr. 1901 heiratet diese den Künstler Otto Modersohn. Aber Rilke nimmt die junge Frau nicht als eigenständige Künstlerin wahr. Erst als er 1906 mit ihr in Paris zusammentrifft, wo sie sich künstlerisch fortbildet, bekommt er davon eine Ahnung. Nach ihrem frühen Tod am 20. November 1907 - ihre Tochter war kurz davor geboren - wird er umfassendere Eindrücke von dieser großen Begabung erhalten, tief angerührt sein und darüber schreiben.
Marina Zwetajewa, 1892 in Moskau geboren und 1941 in der Verbannung in der Sowjetunion mit Selbstmord geendet, ist die dritte Frau, die mit Rilke zusammen vorgestellt wird. Sie sind sich nicht persönlich begegnet, denn ehe das möglich wurde, starb der erkrankte Dichter am 29. Dezember 1926. Die Zwetajewa lebte damals in der Emigration in Frankreich, denn ihr Dichten missfiel den sowjetischen Machthabern. Auf Vermittlung Boris Pasternaks schrieb sie am 9. Mai 1926 an Rilke, dessen Dichtung sie verehrte, in das Schweizer Sanatorium den ersten Brief. Neben den Briefen gibt es von beiden auch Gedichte über diese Zeit der Annäherung. Roswitha Lamster, Karin Kisker und Heidelore Kneffel werden in einem von ihnen gestalteten Programm diese interessanten Beziehungen vorstellen.
27. September, 14.30 Uhr, Lange Reihe 11, Limlingerode
