nnz-online

Der nnz-Wetter-Rückblick

Montag, 06. Oktober 2008, 07:11 Uhr
Was wie der Titel eines unbekannten Märchens klingt sind die Namen der Hochdruckgebiete, die im September unser Wetter in Nordhausen mit bestimmt haben: Dieter, Fody und das Höhentief. Der etwas andere Rückblick auf das Wetter in Ihrer nnz.


Wetterfachfrau (Foto: Autorin) Wetterfachfrau (Foto: Autorin) Die böse Hexe ist in dem Märchen das Höhentief und im Falle unseres Wetters eigentlich die gute, denn sie hat die Erfahrung der Menschen, dass Hochdruckwetter gemeinhin Sonnenschein und schönes Wetter beschert, um neues Wetter-Wissen bereichert: Wolken, Regen und wenig Sonne gehörten eher zu diesem Monat in Nordhausen.

Ein paar Daten aus dem ersten Herbstmonat im Jahr. Zur Erinnerung: Der meteorologische Herbst begann am 1. September, der kalendarische Herbst erst am 22. des Monats. Die Sonne „wandert“ langsam über den Äquator in Richtung des südlichen Wendekreises. Damit werden bei uns die Tage kürzer, bis wir am 22. die Tag- und Nachtgleiche erreichen. Die Sonnenstrahlen haben nur noch 12 Stunden Zeit, die Erdoberfläche zu erwärmen. Zudem steht sie nicht mehr so hoch am Himmel, selbst zur Mittagszeit. Das bedeutet, dass der Energiegewinn pro Flächeneinheit zusätzlich zur verkürzten Sonnenscheindauer geringer wird. Folglich wird es spürbar kälter und die Mitte September 2008 in Nordhausen beobachteten leichten Bodenfröste sind gar nicht so außergewöhnlich. Die Sonne schien durchschnittlich drei Stunden am Tag, an drei Tagen wurde allerdings überhaupt kein Sonnenschein registriert. Da war der Himmel vollständig mit Wolken bedeckt.

Die Lufttemperatur entsprach mit 14 °C dem langjährigen Mittel. Allerdings gab es klare Unterschiede im täglichen Gang: Wo Anfang des Monats in der Nacht zum 6. September die Temperatur nicht unter 17°C fiel und maximale Temperaturen von 29,8°C registriert wurden, betrug die minimale Temperatur ca. 10 Tage später an der Klimastation auf dem Campus der FH um 7 Uhr morgens lediglich 1,2 °C. Immerhin wurden noch 6 Sommertage auf dem Campus gemessen.

Der Niederschlag ist wie bereits im Vormonat zu knapp ausgefallen, nur 25 l/m² wurden gesammelt (50% des langjährigen Mittels). Allerdings kein Negativ-Rekord: Im Jahr 1959 wurde im September in Nordhausen gerade 0,5 l/m² registriert. 1998 waren es allerdings 117,3 l/m². In 2008 fielen in Nordhausen bisher ca. 370 l/m², im vergangenen Jahr waren es im gleichen Zeitraum 300 l/m² Regen mehr.

In diesem Monat ist der Blick auf die Windrichtung interessant, bringt er uns doch zu unserem Märchen zurück. Neben den typischen Südwestwinden dominierten in diesem Monat Nordost-Winde. Sie lieferten uns die kalte Luft Mitte des Monats. Verantwortlich war ein umfangreicher, stabiler Hochdruckgürtel mit den Namen Dieter und Fody über Skandinavien. Deutschland lag am südlichen Rand des Hochs. Ein Hoch dreht sich auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn, so dass die Luftmassen am Südrand aus Nordosten zu uns strömen. Eine solch stabile Wetterlage nennt man auch Blockierungswetterlage, da die üblicherweise aus Richtung Westen zu uns ziehenden Tiefs durch das stabile Hoch blockiert und nach Süden oder Norden abgelenkt werden. Im Süden hat es daher auch heftig geregnet.

Ein Hoch beschert uns normalerweise wenige Wolken und Sonnenschein. Nicht so in diesem September. Das Hoch wurde von einem Höhentief in ca. 5-6 km Höhe überlagert, welches kalte Luft mit sich führt, Wolken ausbildet und Niederschlag bringen kann, im Sommer auch Gewitter oder im Winter lange Schneefälle. Diese Höhentiefs sieht man nicht auf den üblichen Wetterkarten oder den heimischen Barometern, denn diese zeigen die Druckverteilung in Bodennähe an. Ihre Zugbahnen sind schwer vorherzusagen.

Bleibt noch ein letztes: wo ist der Altweibersommer? Hinter diesem Namen verbirgt sich üblicherweise ein Hoch, welches uns im September nochmals stabiles, nicht mehr ganz so warmes Sommerwetter beschert. Das Hoch existierte, lag jedoch zu weit nördlich für uns, so dass in Mitteleuropa keine wärmere Luft aus südlichen Richtungen herangeführt wurde. Fody, der westliche Teil dieses Hochs, hatte dann aber doch noch einsehen mit uns Mitteldeutschen und setzte sich in Bewegung. Damit wurde es am letzten Septemberwochenende nochmals so richtig warm mit Temperaturen um die 20°C und viel Sonnenschein.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de