nnz-Forum: Ein Scharffer Wahlkampf der LINKEn
Montag, 02. Februar 2009, 07:14 Uhr
Der Wahlkampf in und um Nordhausen ist längst in diesem Superwahljahr entbrannt. Auf die Nominierung des Kandidaten der LINKE für die Bundestagswahl gibt es jetzt eine Reaktion im Forum...
Ich hatte mich in der Vergangenheit schon an der rhetorischen und, zugegeben, intellektuellen Schärfe des Herrn Scharff erfreut. Von der haben ja auch nnz-Leser Kostproben genießen können. Zwar vermute ich, dass etliche der Argumente nicht auf seinem Mist gewachsen sind. Aber Fremdpolemiksegeln unter eigener Flagge ist ja nicht ehrenrührig und gehört zum Alltag in der Politik. Da gibt man die Zitatquelle nicht immer an.
Eigentlich war es klar und wird nun durch seine Nominierung zum Nordthüringer Direktkandidaten der LINKEN für den Bundestag bestätigt: Herr Scharff als aufstrebender Jungpolitiker sucht sich zu profilieren. Wenn’s sein muss auch mal unsachlich auf Kosten anderer, z. B. der Landtagskandidatin der FDP.
Der Inhalt dessen, was er dabei von sich gibt, dürfte eher nebensächlich sein. Hauptsache er bestätigt das Gefühl der Wähler, dass da jemand ist, der sie versteht, nicht allzu sehr überfordert und den man deshalb wählen kann. Bei den LINKEN treten die Bürger so in erster Linie als passive Opfer auf. Als Opfer von Globalisierung und Krise, des internationalen Finanzkapitals, von Hartz-IV und der bösen großen Koalition sowieso. Das schmeichelt zwar vielen, die sich als Verlierer sehen, ist jedoch für alle kreuzgefährlich und im Kern reaktionär.
Die Wahlkampfplattitüden sind austauschbar und unabhängig von der politischen Richtung. Beispiel - Wer gute Arbeit leiste, müsse auch in Würde davon leben können. Oder - Die Schere zwischen Arm und Reich bzw. oben und unten gehe wieder weiter auseinander. Dieses sei für die LINKE in keinem Fall hinnehmbar. Deshalb werde man dies zu jeder geeigneten Gelegenheit ansprechen und den Bürgerinnen und Bürgern in geeigneter Weise verdeutlichen. (Auf die geeignete Weise bin ich mal gespannt.) Derartig populistisches Dünnbrettbohren kann man auch bei Herrn Scharffs politischen Gegnern hören; ich glaube gar, es auch schon von ganz andersfarbigen Leuten vernommen zu haben.
Träumt der Mann? Er ist doch wohl Sozialist und für einen solchen gehört es zum ideologischen Standard zu wissen, dass so lange eine auf Privatinteressen beruhende Verfügungsgewalt über die gesellschaftlichen Ressourcen existiert, es ein würdiges Leben für alle nicht geben kann. Keine Bange, dieser Zustand dürfte, wie auch die Lohnarbeit in ihrer jetzigen Form, das 21. Jahrhundert kaum überdauern. Im schlimmsten Fall geht unsere gesamte Zivilisation dabei mit drauf. Wenn jedoch die Frage, was danach kommt, für unsere Kinder und Enkel so überlebenswichtig und alltäglich wird, dass sie ihr nicht mehr ausweichen können, sind Herr Scharff und die anderen, die jetzt mit altbackenen Phrasen um die kleine große Macht buhlen, längst vergangen und vergessen.
Natürlich klingt ein Mindestlohn von 7 Euro 50 und mehr für jemanden, der unter 5 Euro die Stunde bei harter Arbeit z. B. als Hausmeister an einer Schule rackert und damit kaum über die Runden kommt, gut. Aber der Mindestlohn löst, das zeigt sich bei unseren europäischen Nachbarn, wo es ihn gibt, keines der sozialen Probleme und schafft ehr welche. Von den globalen ganz zu schweigen. Und wie die LINKE konkret vor Ort in der eigenen Zuständigkeit damit umgeht, darüber kann man sich bei Frau Grünwald, die für Ihre Partei die 2. Beigeordnete des Landrats stellt, erkundigen.
Die wichtigste Grundausstattung für den Jungpolitiker auf seinem Weg nach oben ist der Drang zum Erfolg. Der scheint bei der LINKEN und ihrem Kandidaten gut ausgeprägt zu sein. Herr Scharff …trete an, um zu gewinnen und wolle Nordthüringen im Bundestag eine hörbare Stimme verleihen. Politik befindet sich eben auch bei der LINKEN letztlich noch auf der kulturellen Ebene von Bismarck und Nietzsche – im 19. Jahrhundert. Sie wird bestimmt vom Willen zur Macht. Wer da nicht rechtzeitig die Kurve kriegt, dem droht ein Jedricksches Schicksal des ewigen Zweiten in der Seifenkiste. Herr Scharff ist da wohl von anderem Kaliber.
Eigentlich kann ich Herrn Scharff und vielleicht auch mir nur viel Glück auf seinem Weg in den Bundestag wünschen. Sein unmittelbarer Konkurrent, Herr Grund von der CDU, ist kaum ein übermäßiger Sympathieträger. Und zu sagen hat der auch nicht mehr als Herr Scharff. Deshalb, junges Blut täte gut. Außerdem wäre es für unsere Region vielleicht wirklich besser, die Wähler würden Herrn Scharff nach oben wegloben.
Meine Empfehlung jedoch für den Direktkandidaten zur Bundestagswahl (Hubertus aus dem Kommentar-Blog der nnz hat recht, dass es schlimm wäre, empföhle ich etwas anderes.): Andreas Klaschka von der FDP. Ebenfalls noch jung und mindestens genau so schön wie Herr Scharff. Wahrscheinlich ist Herr Klaschka nicht menschlich besser oder klüger als der, aber Ehrlichkeit dürfte ihm dafür mehr wert sein als der Machtwille. Und Herr Klaschka ist garantiert absolut phrasenrein!
Klaus-Uwe Koch, ein Liberaler aus Nordhausen
Ich hatte mich in der Vergangenheit schon an der rhetorischen und, zugegeben, intellektuellen Schärfe des Herrn Scharff erfreut. Von der haben ja auch nnz-Leser Kostproben genießen können. Zwar vermute ich, dass etliche der Argumente nicht auf seinem Mist gewachsen sind. Aber Fremdpolemiksegeln unter eigener Flagge ist ja nicht ehrenrührig und gehört zum Alltag in der Politik. Da gibt man die Zitatquelle nicht immer an.
Eigentlich war es klar und wird nun durch seine Nominierung zum Nordthüringer Direktkandidaten der LINKEN für den Bundestag bestätigt: Herr Scharff als aufstrebender Jungpolitiker sucht sich zu profilieren. Wenn’s sein muss auch mal unsachlich auf Kosten anderer, z. B. der Landtagskandidatin der FDP.
Der Inhalt dessen, was er dabei von sich gibt, dürfte eher nebensächlich sein. Hauptsache er bestätigt das Gefühl der Wähler, dass da jemand ist, der sie versteht, nicht allzu sehr überfordert und den man deshalb wählen kann. Bei den LINKEN treten die Bürger so in erster Linie als passive Opfer auf. Als Opfer von Globalisierung und Krise, des internationalen Finanzkapitals, von Hartz-IV und der bösen großen Koalition sowieso. Das schmeichelt zwar vielen, die sich als Verlierer sehen, ist jedoch für alle kreuzgefährlich und im Kern reaktionär.
Die Wahlkampfplattitüden sind austauschbar und unabhängig von der politischen Richtung. Beispiel - Wer gute Arbeit leiste, müsse auch in Würde davon leben können. Oder - Die Schere zwischen Arm und Reich bzw. oben und unten gehe wieder weiter auseinander. Dieses sei für die LINKE in keinem Fall hinnehmbar. Deshalb werde man dies zu jeder geeigneten Gelegenheit ansprechen und den Bürgerinnen und Bürgern in geeigneter Weise verdeutlichen. (Auf die geeignete Weise bin ich mal gespannt.) Derartig populistisches Dünnbrettbohren kann man auch bei Herrn Scharffs politischen Gegnern hören; ich glaube gar, es auch schon von ganz andersfarbigen Leuten vernommen zu haben.
Träumt der Mann? Er ist doch wohl Sozialist und für einen solchen gehört es zum ideologischen Standard zu wissen, dass so lange eine auf Privatinteressen beruhende Verfügungsgewalt über die gesellschaftlichen Ressourcen existiert, es ein würdiges Leben für alle nicht geben kann. Keine Bange, dieser Zustand dürfte, wie auch die Lohnarbeit in ihrer jetzigen Form, das 21. Jahrhundert kaum überdauern. Im schlimmsten Fall geht unsere gesamte Zivilisation dabei mit drauf. Wenn jedoch die Frage, was danach kommt, für unsere Kinder und Enkel so überlebenswichtig und alltäglich wird, dass sie ihr nicht mehr ausweichen können, sind Herr Scharff und die anderen, die jetzt mit altbackenen Phrasen um die kleine große Macht buhlen, längst vergangen und vergessen.
Natürlich klingt ein Mindestlohn von 7 Euro 50 und mehr für jemanden, der unter 5 Euro die Stunde bei harter Arbeit z. B. als Hausmeister an einer Schule rackert und damit kaum über die Runden kommt, gut. Aber der Mindestlohn löst, das zeigt sich bei unseren europäischen Nachbarn, wo es ihn gibt, keines der sozialen Probleme und schafft ehr welche. Von den globalen ganz zu schweigen. Und wie die LINKE konkret vor Ort in der eigenen Zuständigkeit damit umgeht, darüber kann man sich bei Frau Grünwald, die für Ihre Partei die 2. Beigeordnete des Landrats stellt, erkundigen.
Die wichtigste Grundausstattung für den Jungpolitiker auf seinem Weg nach oben ist der Drang zum Erfolg. Der scheint bei der LINKEN und ihrem Kandidaten gut ausgeprägt zu sein. Herr Scharff …trete an, um zu gewinnen und wolle Nordthüringen im Bundestag eine hörbare Stimme verleihen. Politik befindet sich eben auch bei der LINKEN letztlich noch auf der kulturellen Ebene von Bismarck und Nietzsche – im 19. Jahrhundert. Sie wird bestimmt vom Willen zur Macht. Wer da nicht rechtzeitig die Kurve kriegt, dem droht ein Jedricksches Schicksal des ewigen Zweiten in der Seifenkiste. Herr Scharff ist da wohl von anderem Kaliber.
Eigentlich kann ich Herrn Scharff und vielleicht auch mir nur viel Glück auf seinem Weg in den Bundestag wünschen. Sein unmittelbarer Konkurrent, Herr Grund von der CDU, ist kaum ein übermäßiger Sympathieträger. Und zu sagen hat der auch nicht mehr als Herr Scharff. Deshalb, junges Blut täte gut. Außerdem wäre es für unsere Region vielleicht wirklich besser, die Wähler würden Herrn Scharff nach oben wegloben.
Meine Empfehlung jedoch für den Direktkandidaten zur Bundestagswahl (Hubertus aus dem Kommentar-Blog der nnz hat recht, dass es schlimm wäre, empföhle ich etwas anderes.): Andreas Klaschka von der FDP. Ebenfalls noch jung und mindestens genau so schön wie Herr Scharff. Wahrscheinlich ist Herr Klaschka nicht menschlich besser oder klüger als der, aber Ehrlichkeit dürfte ihm dafür mehr wert sein als der Machtwille. Und Herr Klaschka ist garantiert absolut phrasenrein!
Klaus-Uwe Koch, ein Liberaler aus Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnzDie im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
