nnz-Forum: Königreich Nordhausen
Donnerstag, 12. Februar 2009, 07:13 Uhr
Vor fast 20 Jahren fiel die Berliner Mauer und ein Jahr später war der Osten Deutschlands in der Demokratie angekommen. Der ganze Osten? Scheinbar nicht. Denn eine kleine Kreisstadt im Norden Thüringens führt so langsam aber sicher ein mittelalterliches Feudalsystem wieder ein. Dieser Auffassung ist ein Leser der nnz im Forum.
Anders kann man wohl kaum das Verhalten des Nordhäuser Rathauses gegenüber einigen Ortsteilen bezeichnen. Da thront Königin Barbara die Herrliche (offiziell als Oberbürgermeisterin bezeichnet) in ihrem Palast und interessiert sich nicht für die Ländereien, die zu ihrem kleinen Königreich gehören. Doch nun erdreistet sich doch tatsächlich einer der Dorffürsten an der Ortsteilpolitik der Königin und ihres Magistrates Kritik zu üben. Aber sie braucht keine Angst zu haben, denn ihre hörigen Vasallen, allen voran ihr Vizekönig Jendricke werfen sich ohne zu zögern vor ihre Majestät in die Schusslinie. Unterstützung bekommt sie natürlich auch von demütigen anderen Dorfmajestäten, die von Gnaden der Herrscher auch schon profitieren durften.
Auch wenn sich das alles ziemlich überzogen anhören bzw. lesen mag, so steckt doch der traurige Funken Wahrheit darin. Jeder, der den Streit zwischen dem Rathaus und dem Bürgermeister von Steinbrücken mitverfolgt hat, wird diesen Vergleich wohl kaum widerlegen können. Fakt ist nämlich, dass die Oberbürgermeisterin sich bisher in Steinbrücken sehr rar gemacht hat. Auch der Bürgermeister fährt lieber Seifenkistenrennen oder reitet auf Elefanten, als sich um die eingemeindeten Ortsteile zu bemühen. Interessant sind kleine Ortschaften nur für das Rathaus, wenn sie eine Eingemeindung zur großen Stadt anstreben oder überlegen. Ist dieser Schritt vollzogen, lässt das Interesse schnell nach. Eine Entwicklung, die die Bürger von Petersdorf, Rodishain und Stempeda wohl auch leider bald machen werden. Ich wünsche Ihnen das nicht.
Aber aus dem Rathaus ist zu vernehmen, dass sich das Problem der Ortsteilbürgermeister von allein lösen wird. Denn das Ziel ist es, dass diese nicht benötigt werden und die Ortsteile denselben Status von Salza, Rüdigsdorf oder Hochstedt bekommen. Die haben keinen eigenen Bürgermeister und damit kann auch keine Kritik von dort kommen.
Und dabei ist man schnell beim nächsten Thema. Hochstedt strebt sozusagen die Autonomie von Herreden an. Ich denke, dass die Hochstedter das Recht dazu haben, denn sie wurden in den 50er Jahren durch das sozialistische Ditkat zu Herreden geschlagen – und das ohne befragt zu werden. Wenn Hochstedt die Eigenständigkeit will, so soll man diese ihnen auch zugestehen. Sie wollen sich ja nicht zur autonomen Republik ausrufen, sondern vielmehr ihre eigene Identität pflegen und nach über 50 Jahren auch finden.
Die Einwohnerzahl spielt dabei gar keine Rolle. Immerhin sind Länder wie Liechtenstein, Monaco u. ä. auch eigenständig und Deutschland hat ja auch die Autonomie des Kosovo anerkannt. Sicher, man kann das nicht wirklich vergleichen, denn bei den Staaten geht es um Völkerrecht. Doch im Fall Hochstedt geht es um Bürgerrechte und diese haben wir uns vor 20 Jahren hart erkämpft. Meiner Meinung nach haben weder Rathaus noch Stadtrat das Recht, den Hochstedtern diese wieder zu nehmen.
Fazit ist: Nordhausen ist schon ein lustiges Städtchen. Ich würde mit wünschen, dass im nächsten Stadtrat mehr auf die Belange der Ortsteile eingegangen wird und vielleicht sogar mal ein paar mehr Ortsteilbürgermeister einen Sitz im Parlament gewinnen.
Manuel Thume, ein (kommunal)politisch engagierter Bürger
Anders kann man wohl kaum das Verhalten des Nordhäuser Rathauses gegenüber einigen Ortsteilen bezeichnen. Da thront Königin Barbara die Herrliche (offiziell als Oberbürgermeisterin bezeichnet) in ihrem Palast und interessiert sich nicht für die Ländereien, die zu ihrem kleinen Königreich gehören. Doch nun erdreistet sich doch tatsächlich einer der Dorffürsten an der Ortsteilpolitik der Königin und ihres Magistrates Kritik zu üben. Aber sie braucht keine Angst zu haben, denn ihre hörigen Vasallen, allen voran ihr Vizekönig Jendricke werfen sich ohne zu zögern vor ihre Majestät in die Schusslinie. Unterstützung bekommt sie natürlich auch von demütigen anderen Dorfmajestäten, die von Gnaden der Herrscher auch schon profitieren durften.
Auch wenn sich das alles ziemlich überzogen anhören bzw. lesen mag, so steckt doch der traurige Funken Wahrheit darin. Jeder, der den Streit zwischen dem Rathaus und dem Bürgermeister von Steinbrücken mitverfolgt hat, wird diesen Vergleich wohl kaum widerlegen können. Fakt ist nämlich, dass die Oberbürgermeisterin sich bisher in Steinbrücken sehr rar gemacht hat. Auch der Bürgermeister fährt lieber Seifenkistenrennen oder reitet auf Elefanten, als sich um die eingemeindeten Ortsteile zu bemühen. Interessant sind kleine Ortschaften nur für das Rathaus, wenn sie eine Eingemeindung zur großen Stadt anstreben oder überlegen. Ist dieser Schritt vollzogen, lässt das Interesse schnell nach. Eine Entwicklung, die die Bürger von Petersdorf, Rodishain und Stempeda wohl auch leider bald machen werden. Ich wünsche Ihnen das nicht.
Aber aus dem Rathaus ist zu vernehmen, dass sich das Problem der Ortsteilbürgermeister von allein lösen wird. Denn das Ziel ist es, dass diese nicht benötigt werden und die Ortsteile denselben Status von Salza, Rüdigsdorf oder Hochstedt bekommen. Die haben keinen eigenen Bürgermeister und damit kann auch keine Kritik von dort kommen.
Und dabei ist man schnell beim nächsten Thema. Hochstedt strebt sozusagen die Autonomie von Herreden an. Ich denke, dass die Hochstedter das Recht dazu haben, denn sie wurden in den 50er Jahren durch das sozialistische Ditkat zu Herreden geschlagen – und das ohne befragt zu werden. Wenn Hochstedt die Eigenständigkeit will, so soll man diese ihnen auch zugestehen. Sie wollen sich ja nicht zur autonomen Republik ausrufen, sondern vielmehr ihre eigene Identität pflegen und nach über 50 Jahren auch finden.
Die Einwohnerzahl spielt dabei gar keine Rolle. Immerhin sind Länder wie Liechtenstein, Monaco u. ä. auch eigenständig und Deutschland hat ja auch die Autonomie des Kosovo anerkannt. Sicher, man kann das nicht wirklich vergleichen, denn bei den Staaten geht es um Völkerrecht. Doch im Fall Hochstedt geht es um Bürgerrechte und diese haben wir uns vor 20 Jahren hart erkämpft. Meiner Meinung nach haben weder Rathaus noch Stadtrat das Recht, den Hochstedtern diese wieder zu nehmen.
Fazit ist: Nordhausen ist schon ein lustiges Städtchen. Ich würde mit wünschen, dass im nächsten Stadtrat mehr auf die Belange der Ortsteile eingegangen wird und vielleicht sogar mal ein paar mehr Ortsteilbürgermeister einen Sitz im Parlament gewinnen.
Manuel Thume, ein (kommunal)politisch engagierter Bürger
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnzDie im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
