Meister werden lohnt immer noch
Freitag, 27. Februar 2009, 09:30 Uhr
Morgen wird die Erfurter Handwerkskammer in der Thüringenhalle die neuen Meister im Handwerk ehren. Wer dabei aus dem Landkreis Nordhausen und aus dem Kyffhäuserkreis seine Urkunden erhält und was so nebenbei interessant ist, das haben wir vorab erfahren...
Zahlreiche Rahmenlehrpläne für die Vorbereitungslehrgänge auf die Meisterprüfung haben sich aufgrund der erhöhten inhaltlichen Anforderungen in der Stundenanzahl erweitert. Damit dauern viele Lehrgänge länger. Aus diesem Grund hat die Handwerkskammer Erfurt die Meisterfeier vom traditionellen November-Termin auf den Anfang des Jahres verlegt. So können weiterhin alle Meister eines Jahrganges zeitnah ihre großen Schmuckurkunden im Rahmen der Meisterfeier erhalten. Und so erklärt sich auch die mit 420 Absolventen hohe Anzahl der Jungmeister. Die Handwerkskammer Erfurt rechnet ab 2010 wieder mit etwas geringeren Absolventenzahlen.
Neben den 420 Jungmeistern erhalten auch 18 Betriebswirte (HWK) ihre Urkunden im Rahmen der Meisterfeier überreicht. Betriebswirt im Handwerk ist eine Fortbildung für Handwerksmeister, die vor allem auf dem betriebswirtschaftlich-rechtlichen Feld und in der Unternehmensführung weitere Kenntnisse sammeln möchten. 114 Frauen qualifizierten sich zu Handwerksmeisterinnen. Damit liegt der Frauenanteil bei 27,1 Prozent.
Berufliche Bildung nicht Bildung zweiter Klasse
Zur Meisterfeier der Handwerkskammer Erfurt werden am Samstag 420 junge Handwerker aus 16 Gewerken ihre Meisterbriefe im feierlichen Rahmen entgegennehmen. Vor zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft überreichen die amtierende Ministerpräsidentin und Finanzministerin Birgit Diezel sowie Kammerpräsident Rolf Ostermann die großen Schmuckurkunden an die Handwerksmeister des Prüfungsjahrganges 2008. Gleichzeitig werden die besten Jungmeister und der beste Betriebswirt des Jahrganges durch den Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen ausgezeichnet.
Insgesamt erwartet die Handwerkskammer Erfurt rund 1.000 Gäste zur Meisterfeier in der Thüringenhalle. Der Meistertitel sei eine außerordentlich solide Grundlage für die selbstständige Existenz, betont Ostermann im Vorfeld der Meisterfeier. Das konstante Interesse an dieser Qualifikation unterstreiche den enormen Wert dieses beruflichen Abschlusses. Berufliche Bildung ist nicht Bildung zweiter Klasse. Am Samstag sind auf der Bühne die künftigen Unternehmer im Handwerk zu sehen. Damit gehören sie zur wirtschaftlichen Elite Deutschlands, denn sie bilden eine wesentliche Stütze von Wirtschaft und Gesellschaft. Diese Meister werden künftig den Berufsnachwuchs ausbilden. Mit dem Meisterbrief wurde ihnen attestiert, dass sie dazu fachlich wie pädagogisch befähigt sind.
Wenige Tage vor der Meisterfeier wurde die Aussetzung der Ausbildereignung für die betriebliche Ausbildung (von der rot-grünen Bundesregierung vor sechs Jahren beschlossen) von der großen Koalition wieder zurückgenommen. Damit muss künftig wieder in allen Teilen der Wirtschaft eine Qualifikation zur beruflichen Ausbildung nachgewiesen werden. Ostermann: Wir betrachten diese Einsicht der Bundesregierung als Erfolg sowohl unserer handwerkspolitischen Arbeit als auch als Anerkennung der Ausbildungsleistungen unserer Meisterbetriebe. Wir haben in den vier Teilen der Meisterprüfung stets an der Ausbildereignung festgehalten. Wer im Handwerk ausbildet, ist dafür qualifiziert. Diese Qualität der Ausbilder trägt unter anderem dazu bei, dass die Abbrecherquote im Handwerk mit unter zehn Prozent die niedrigste in Deutschland ist.
Der Meisterbrief belege mit Brief und Siegel, dass die Jungmeister das Rüstzeug dazu haben, die Zukunft zu meistern und die richtigen Antworten auf die Herausforderungen zu finden, unterstreicht der Kammerpräsident. Aktuell bekäme man die Schattenseiten und Gefahren einer Wirtschaft vor Augen geführt, die die Bodenhaftung verloren und sich verselbständigt habe. Er warnte davor, die wirtschaftlichen Folgen von Fehlentscheidungen in Konzernen zu leichtfertig dem Steuerzahler aufzubürden, während beispielsweise junge Handwerksmeister, wenn Sie einen Betrieb gründen, voll für Ihre Fehler einstehen und mit Ihrem Kapital haften müssen. Hier sei die Krise gleichzeitig die Aufforderung, beispielsweise wichtige ordnungspolitische Kurskorrekturen vorzunehmen.
Prüfungspremiere
Erstmals führte die Handwerkskammer Erfurt einen kombinierten Meister- und Betriebswirtekurs für Gesellen durch. Dieses neue Angebot richtete sich speziell an Kfz-Handwerker, die parallel zu ihren Meisterlehrgängen eine Fortbildung zum Betriebswirt (HWK) absolvieren konnten. Acht Teilnehmer werden am Samstag während der Meisterfeier nicht nur als Meister sondern auch als Betriebswirte auf die Bühne gerufen. Insgesamt erhalten 18 Betriebswirte im Handwerk ihre Urkunden.
Eine Frau – ganz allein
Im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk sind die Meisterprüfungszahlen nach der Novellierung der Handwerksordnung drastisch eingebrochen. Denn seit 2004 kann man sich in diesem Handwerk auch ohne Meistertitel selbständig machen. Dennoch gibt es immer wieder Handwerker, denen ihr Gesellenwissen nicht genügt, die sich weiter qualifizieren und die ihre Fertigkeiten und Kenntnisse mit einem Meistertitel dokumentieren möchten. Viktoria Stude aus Küllstedt war 2008 einziger Prüfling im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk und als Frau im Baugewerbe natürlich eine Seltenheit. 24 neue Meister zählt das Installateur- und Heizungsbauerhandwerk. Einzige Frau in dieser Männerdomäne war im letzten Jahr Franziska Zimmermann aus Lübbenau.
Drei Mal Meister
Manche hören nie auf: Guido Krause aus Wiegendorf ist bereits Gas- Wasserinstallateurmeister sowie Zentralheizungs- und Lüftungsbauermeister und führt erfolgreich sein eigenes Unternehmen. Im letzten Jahr komplettierte er seine Meistersammlung um den Kälteanlagenbauer.
Eingeflogen
Meister wird man nicht alle Tage. Und die Meisterfeier der Handwerkskammer ist ein Termin, den man nicht verpassen darf. Ein Meister wird daher seine Arbeit in England kurzzeitig unterbrechen und für die Meisterfeier extra anfliegen.
Liegt es an den Genen?
Immer wieder absolvieren Geschwisterpaare gemeinsam die Meistervorbereitungslehrgänge. Im letzten Jahr waren es gleich drei. Im Fleischerhandwerk gehörten Lysann und Ronny Luthardt aus Lichte zu den besten Meistern ihres Faches. Marcus und Oliver Wickler aus Wormstedt im Maurer- und Betonbauerhandwerk sowie Jörg und Karsten Liebing aus Erfurt durchliefen ebenfalls als Geschwister gemeinsam und erfolgreich die Lehrgänge und Prüfungen.
Autor: nnz/knZahlreiche Rahmenlehrpläne für die Vorbereitungslehrgänge auf die Meisterprüfung haben sich aufgrund der erhöhten inhaltlichen Anforderungen in der Stundenanzahl erweitert. Damit dauern viele Lehrgänge länger. Aus diesem Grund hat die Handwerkskammer Erfurt die Meisterfeier vom traditionellen November-Termin auf den Anfang des Jahres verlegt. So können weiterhin alle Meister eines Jahrganges zeitnah ihre großen Schmuckurkunden im Rahmen der Meisterfeier erhalten. Und so erklärt sich auch die mit 420 Absolventen hohe Anzahl der Jungmeister. Die Handwerkskammer Erfurt rechnet ab 2010 wieder mit etwas geringeren Absolventenzahlen.
Neben den 420 Jungmeistern erhalten auch 18 Betriebswirte (HWK) ihre Urkunden im Rahmen der Meisterfeier überreicht. Betriebswirt im Handwerk ist eine Fortbildung für Handwerksmeister, die vor allem auf dem betriebswirtschaftlich-rechtlichen Feld und in der Unternehmensführung weitere Kenntnisse sammeln möchten. 114 Frauen qualifizierten sich zu Handwerksmeisterinnen. Damit liegt der Frauenanteil bei 27,1 Prozent.
Berufliche Bildung nicht Bildung zweiter Klasse
Zur Meisterfeier der Handwerkskammer Erfurt werden am Samstag 420 junge Handwerker aus 16 Gewerken ihre Meisterbriefe im feierlichen Rahmen entgegennehmen. Vor zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft überreichen die amtierende Ministerpräsidentin und Finanzministerin Birgit Diezel sowie Kammerpräsident Rolf Ostermann die großen Schmuckurkunden an die Handwerksmeister des Prüfungsjahrganges 2008. Gleichzeitig werden die besten Jungmeister und der beste Betriebswirt des Jahrganges durch den Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen ausgezeichnet.
Insgesamt erwartet die Handwerkskammer Erfurt rund 1.000 Gäste zur Meisterfeier in der Thüringenhalle. Der Meistertitel sei eine außerordentlich solide Grundlage für die selbstständige Existenz, betont Ostermann im Vorfeld der Meisterfeier. Das konstante Interesse an dieser Qualifikation unterstreiche den enormen Wert dieses beruflichen Abschlusses. Berufliche Bildung ist nicht Bildung zweiter Klasse. Am Samstag sind auf der Bühne die künftigen Unternehmer im Handwerk zu sehen. Damit gehören sie zur wirtschaftlichen Elite Deutschlands, denn sie bilden eine wesentliche Stütze von Wirtschaft und Gesellschaft. Diese Meister werden künftig den Berufsnachwuchs ausbilden. Mit dem Meisterbrief wurde ihnen attestiert, dass sie dazu fachlich wie pädagogisch befähigt sind.
Wenige Tage vor der Meisterfeier wurde die Aussetzung der Ausbildereignung für die betriebliche Ausbildung (von der rot-grünen Bundesregierung vor sechs Jahren beschlossen) von der großen Koalition wieder zurückgenommen. Damit muss künftig wieder in allen Teilen der Wirtschaft eine Qualifikation zur beruflichen Ausbildung nachgewiesen werden. Ostermann: Wir betrachten diese Einsicht der Bundesregierung als Erfolg sowohl unserer handwerkspolitischen Arbeit als auch als Anerkennung der Ausbildungsleistungen unserer Meisterbetriebe. Wir haben in den vier Teilen der Meisterprüfung stets an der Ausbildereignung festgehalten. Wer im Handwerk ausbildet, ist dafür qualifiziert. Diese Qualität der Ausbilder trägt unter anderem dazu bei, dass die Abbrecherquote im Handwerk mit unter zehn Prozent die niedrigste in Deutschland ist.
Der Meisterbrief belege mit Brief und Siegel, dass die Jungmeister das Rüstzeug dazu haben, die Zukunft zu meistern und die richtigen Antworten auf die Herausforderungen zu finden, unterstreicht der Kammerpräsident. Aktuell bekäme man die Schattenseiten und Gefahren einer Wirtschaft vor Augen geführt, die die Bodenhaftung verloren und sich verselbständigt habe. Er warnte davor, die wirtschaftlichen Folgen von Fehlentscheidungen in Konzernen zu leichtfertig dem Steuerzahler aufzubürden, während beispielsweise junge Handwerksmeister, wenn Sie einen Betrieb gründen, voll für Ihre Fehler einstehen und mit Ihrem Kapital haften müssen. Hier sei die Krise gleichzeitig die Aufforderung, beispielsweise wichtige ordnungspolitische Kurskorrekturen vorzunehmen.
Randnotizen
Prüfungspremiere
Erstmals führte die Handwerkskammer Erfurt einen kombinierten Meister- und Betriebswirtekurs für Gesellen durch. Dieses neue Angebot richtete sich speziell an Kfz-Handwerker, die parallel zu ihren Meisterlehrgängen eine Fortbildung zum Betriebswirt (HWK) absolvieren konnten. Acht Teilnehmer werden am Samstag während der Meisterfeier nicht nur als Meister sondern auch als Betriebswirte auf die Bühne gerufen. Insgesamt erhalten 18 Betriebswirte im Handwerk ihre Urkunden.
Eine Frau – ganz allein
Im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk sind die Meisterprüfungszahlen nach der Novellierung der Handwerksordnung drastisch eingebrochen. Denn seit 2004 kann man sich in diesem Handwerk auch ohne Meistertitel selbständig machen. Dennoch gibt es immer wieder Handwerker, denen ihr Gesellenwissen nicht genügt, die sich weiter qualifizieren und die ihre Fertigkeiten und Kenntnisse mit einem Meistertitel dokumentieren möchten. Viktoria Stude aus Küllstedt war 2008 einziger Prüfling im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk und als Frau im Baugewerbe natürlich eine Seltenheit. 24 neue Meister zählt das Installateur- und Heizungsbauerhandwerk. Einzige Frau in dieser Männerdomäne war im letzten Jahr Franziska Zimmermann aus Lübbenau.
Drei Mal Meister
Manche hören nie auf: Guido Krause aus Wiegendorf ist bereits Gas- Wasserinstallateurmeister sowie Zentralheizungs- und Lüftungsbauermeister und führt erfolgreich sein eigenes Unternehmen. Im letzten Jahr komplettierte er seine Meistersammlung um den Kälteanlagenbauer.
Eingeflogen
Meister wird man nicht alle Tage. Und die Meisterfeier der Handwerkskammer ist ein Termin, den man nicht verpassen darf. Ein Meister wird daher seine Arbeit in England kurzzeitig unterbrechen und für die Meisterfeier extra anfliegen.
Liegt es an den Genen?
Immer wieder absolvieren Geschwisterpaare gemeinsam die Meistervorbereitungslehrgänge. Im letzten Jahr waren es gleich drei. Im Fleischerhandwerk gehörten Lysann und Ronny Luthardt aus Lichte zu den besten Meistern ihres Faches. Marcus und Oliver Wickler aus Wormstedt im Maurer- und Betonbauerhandwerk sowie Jörg und Karsten Liebing aus Erfurt durchliefen ebenfalls als Geschwister gemeinsam und erfolgreich die Lehrgänge und Prüfungen.
Downloads:
- Junge Meister aus dem Landkreis Nordhausen (13 kByte)
- Junge Meister aus dem Kyffhäuserkreis (11 kByte)
