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nnz-Betrachtung: Hosen voll

Dienstag, 10. März 2009, 08:41 Uhr
Wacker Nordhausen hat ein Problem. In diesem Jahr nicht mit dem Fußball, sondern mit den Fans. Mit einer kleinen Gruppe...


Wacker spielte am vergangenen Wochenende in Jena und hat verloren. Jena – das ist ganz schön weit und man muß schon ein richtiger Fan sein, um seine Mannschaft dorthin zu begleiten.

In Jena dabei waren auch vier junge Männer aus Nordhausen, im zarten Alter zwischen 18 und 21 Jahren. Der hausgemachte Wacker-Fan muss im Durchschnitt nicht unbedingt den IQ eines Albert Einstein haben, er sollte aber auch nicht knapp über dem eines Neandertalers liegen. Zugegeben: Wacker kann sich seine Fans nicht aussuchen.

Sollte der Verein jedoch mal versuchen: Denn das, was in „Wackers Namen“ in der Regionalbahn von Erfurt nach Nordhausen passiert ist, das ist nicht nur mit Sport nichts zu run, sondern hat in dieser Welt nichts zu suchen. Kurz nach 20 Uhr ging bei der Polizei der Anruf ein, dass sich im Zug vier Männer befinden, die – natürlich im Alkoholrausch – die Fahrgäste belästigen, rauchen, grölen und „Heil Hitler!“ sowie „Heil Auschwitz!“ rufen und sich dabei noch als fanatische Anhänger des Nordhäuser Fußballs präsentieren.

In Sondershausen wartet schon die Polizei auf das Quartett, die Chaoten, nein, es sind für mich ganz klar Rechtsradikale mit einer faschistischen Gesinnung, werden rausgeholt, die Personalien werden aufgenommen. Sie dürfen weiterfahren. In Nordhausen warten die Beamten der Polizeiinspektion, gemeinsam mit Kollegen der Bundespolizei. Im Protokoll ist vermerkt, dass die vier Männer „kleinlaut und ruhig“ in Richtung Innenstadt davon gezogen sind. Im Zug, in diesem abgeschlossenen Reich, da hatten sie das Sagen, sie waren die „Chefs im Ring“. In Nordhausen, unter Polizeiaufsicht hatten sie die Hosen voll. Ein Ermittlungsverfahren wird vermutlich gegen sie eingeleitet. Ob sie das alles begreifen, ist nicht raus.

Die Vier werden sich jedoch das kommende Wochenende wieder treffen. Am Nordhäuser Stadtpark, schließlich steht ein Heimspiel von Wacker Nordhausen an. Dort ist man wieder stark, man ist unter sich. Und das ist das Perverse. Vielleicht zehn Chaoten bringen einen gesamten Verein in Verruf. Schon beim jüngsten Heimspiel gingen einige Zuschauer nach Hause, bevor der Schiri final abpfiff. Solche Szenen (Transparent und Schmährufe) wollten sie sich nicht länger antun.

Was aber kann ein Verein wie Wacker dagegen tun? Es können, gemeinsam mit der Stadtverwaltung, Stadionverbote ausgesprochen werden. Deren Einhaltung jedoch muss kontrolliert werden. Durch Ordnungskräfte. Doch teuere Sicherheitsfirmen kann sich ein solcher Verein einfach nicht leisten. Und mal abgesehen von Taschenkontrollen – ein Gehirn kann nicht kontrolliert werden.

Vielleicht helfen Projekte wie „Gemeinsam gegen Rechts“ und ähnliches, um diesem Problem Einhalt zu gebieten. Vielleicht sollten alle wirklichen Fans den einzelnen Chaoten deutlich zeigen, dass sie mit denen nichts zu tun haben wollen. Vielleicht sollten sich die wirklichen Fans mal mit dem Bemalen eines Transparents beschäftigen, dessen textliche Aussage genau diesem Problem widmet. Schaut man sich jedoch im Wacker-Forum genau um, dann besteht nicht viel Hoffnung.

Gefragt ist aber auch der Verein. Auf dessen Homepage ist nichts von Distanzierung zu finden, der 1. Mannschaft scheint das auch alles egal zu sein. Es gibt dazu kein Statement der sonstigen Vorbilder. Hier steht jedoch der Verein insgesamt in der Pflicht.

Der Fußball in Nordhausen, der hat eine über 100 Jahre alte Tradition. Laßt sie nicht kaputtgehen, denn es soll immer noch Menschen geben, die einfach alle zwei Wochen guten Fußball sehen wollen und sich über Siege des Sports und nicht der Dummheit freuen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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