nnz-Interview: Faß ohne Boden
Montag, 20. April 2009, 16:46 Uhr
Die Biogasanlage auf dem Gelände der Deponie bei Nentzelsrode galt einst als die Non-Plus-Ultra der Abfallentsorgung. Die kommunalen Politiker überboten sich vor zehn Jahren mit Attributen. Jetzt muss die einstige Innovation beerdigt werden. Die nnz sprach mit Vizelandrätin Jutta Krauth (SPD), in deren Zuständigkeitsbereich der Umgang mit dem Abfall gehört.
nnz:: Frau Krauth, wir haben in der nnz mehrfach über die Folgen der Arbeit der TVN für den Kreishaushalt berichtet. Jetzt gehört die Gesellschaft gänzlich dem Landkreis. Wie schlimm sieht es tatsächlich aus?
J. Krauth: Es ist genau so schlimm, wie ich es erwartet habe. Leider. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Wir werden die Abfallgebühren nicht erhöhen müssen.
nnz:: Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Gebühren, wäre die vollständige Kommunalisierung nicht möglich gewesen, doch hätten erhöht werden müssen?
J. Krauth: Das wäre womöglich der Fall gewesen.
nnz:: Jetzt kann plötzlich eingespart werden, hat man im Landratsamt das Ei des Kolumbus entdeckt?
J. Krauth: Nein, wir haben ganz einfach nachgerechnet. Dem Landkreis Nordhausen und damit den Bürgern kostet die Behandlung des Bioabfalls 160 Euro pro Tonne. Deutschlandweit liegt dieser Preis jedoch zwischen 50 und 70 Euro. Und außerdem müssen wir uns von den falsch kalkulierten Mengen an Bioabfall trennen. Nicht wie prognostiziert 16.000 Tonnen sind im Jahr angefallen, tatsächlich waren es im Jahr 2008 weniger als 6.000 Tonnen.
nnz:: Was also gibt es zu tun?
J. Krauth: Als erstes werden wir die Biogasanlage stilllegen und nach einer Zwischenlösung suchen. Normalerweise müssten wir in die Sanierung der vorhandenen und jetzt nach zehn Jahren komplett verschlissenen Anlage fast zwei Millionen Euro investieren.
nnz:: Welche Zwischenlösung ist möglich?
J. Krauth: In der Region existieren mehrere Kompostierwerke, die sehr preisgünstig und umweltschutzrelevant unseren Biomüll annahmen und verwerten würden. Ich schätze ein, dass wir dadurch schon einen sechsstelligen Betrag einsparen würden.
nnz:: Warum kommt man so spät zu den Erkenntnissen?
J. Krauth: Erst mit der vollständigen Übernahme der TVN durch die Kommune, sprich durch die Südharzwerke, bekamen wir mehr Transparenz in die Geschäftsprozesse. Vorher war es uns nicht möglich, einen Einblick in die Bücher zu bekommen.
nnz:: Aber der Landkreis war doch Mehrheitsgesellschafter, drei Mitglieder des Kreistages saßen im Aufsichtsrat...
J. Krauth: Die TVN war quasi eine Hülle, die mittels eines Vertrages sämtliche Aufgaben an ein privates Unternehmen von einem der Minderheitsgesellschafter vergeben wurde. Und in dessen Bücher hatten wir keinen Einblick.
nnz:: Können Sie ein Beispiel nennen?
J. Krauth: Der Landkreis zahlte unter anderen eine jährliche Pauschale für Reparatur, Wartung, Unterhaltung von rund 300.000, jedoch gab es keine Nachweise über die geleisteten Arbeiten und erworbenen Ersatzteile. Eine Nachkalkulation der preisbildenden Faktoren wurde von der TVN gegenüber der privaten Firma nicht gefordert, sie wurden auch vom privaten Betriebsführer abgelehnt.
nnz:: Aber die TVN hatte doch einen Aufsichtsrat?
J. Krauth: Das ist richtig. Aber auch die Zusammensetzung dieses Gremiums (beide Minderheitsgesellschafter waren Mitglieder) war unglücklich gewählt.
nnz:: Noch einmal zurück zu den Gebühren. Können die jetzt gesenkt werden?
J. Krauth: Nein, dafür sind andere Kostenfaktoren wie zum Beispiel Logistikkosten in den zurückliegenden Jahren zu stark gestiegen. Ich werte es schon als Erfolg unserer Arbeit, dass die Gebühren für einen weiteren Kalkulationszeitraum von drei bis vier Jahren konstant bleiben können und wir im Landkreis das Defizit, dass die TVN in der damaligen Form im Haushalt verursacht hat, langsam aber dafür beständig ausgleichen können. Zum Vergleich: Jetzt zahlt der Landkreis für die Posten Bioabfall, Sickerwasser und Deponiegas etwas mehr als 70.000 Euro, vor einem Jahr waren es noch 120.000 Euro.
nnz:: Frau Krauth, vielen Dank für das Gespräch.
Autor: nnznnz:: Frau Krauth, wir haben in der nnz mehrfach über die Folgen der Arbeit der TVN für den Kreishaushalt berichtet. Jetzt gehört die Gesellschaft gänzlich dem Landkreis. Wie schlimm sieht es tatsächlich aus?
J. Krauth: Es ist genau so schlimm, wie ich es erwartet habe. Leider. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Wir werden die Abfallgebühren nicht erhöhen müssen.
nnz:: Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Gebühren, wäre die vollständige Kommunalisierung nicht möglich gewesen, doch hätten erhöht werden müssen?
J. Krauth: Das wäre womöglich der Fall gewesen.
nnz:: Jetzt kann plötzlich eingespart werden, hat man im Landratsamt das Ei des Kolumbus entdeckt?
J. Krauth: Nein, wir haben ganz einfach nachgerechnet. Dem Landkreis Nordhausen und damit den Bürgern kostet die Behandlung des Bioabfalls 160 Euro pro Tonne. Deutschlandweit liegt dieser Preis jedoch zwischen 50 und 70 Euro. Und außerdem müssen wir uns von den falsch kalkulierten Mengen an Bioabfall trennen. Nicht wie prognostiziert 16.000 Tonnen sind im Jahr angefallen, tatsächlich waren es im Jahr 2008 weniger als 6.000 Tonnen.
nnz:: Was also gibt es zu tun?
J. Krauth: Als erstes werden wir die Biogasanlage stilllegen und nach einer Zwischenlösung suchen. Normalerweise müssten wir in die Sanierung der vorhandenen und jetzt nach zehn Jahren komplett verschlissenen Anlage fast zwei Millionen Euro investieren.
nnz:: Welche Zwischenlösung ist möglich?
J. Krauth: In der Region existieren mehrere Kompostierwerke, die sehr preisgünstig und umweltschutzrelevant unseren Biomüll annahmen und verwerten würden. Ich schätze ein, dass wir dadurch schon einen sechsstelligen Betrag einsparen würden.
nnz:: Warum kommt man so spät zu den Erkenntnissen?
J. Krauth: Erst mit der vollständigen Übernahme der TVN durch die Kommune, sprich durch die Südharzwerke, bekamen wir mehr Transparenz in die Geschäftsprozesse. Vorher war es uns nicht möglich, einen Einblick in die Bücher zu bekommen.
nnz:: Aber der Landkreis war doch Mehrheitsgesellschafter, drei Mitglieder des Kreistages saßen im Aufsichtsrat...
J. Krauth: Die TVN war quasi eine Hülle, die mittels eines Vertrages sämtliche Aufgaben an ein privates Unternehmen von einem der Minderheitsgesellschafter vergeben wurde. Und in dessen Bücher hatten wir keinen Einblick.
nnz:: Können Sie ein Beispiel nennen?
J. Krauth: Der Landkreis zahlte unter anderen eine jährliche Pauschale für Reparatur, Wartung, Unterhaltung von rund 300.000, jedoch gab es keine Nachweise über die geleisteten Arbeiten und erworbenen Ersatzteile. Eine Nachkalkulation der preisbildenden Faktoren wurde von der TVN gegenüber der privaten Firma nicht gefordert, sie wurden auch vom privaten Betriebsführer abgelehnt.
nnz:: Aber die TVN hatte doch einen Aufsichtsrat?
J. Krauth: Das ist richtig. Aber auch die Zusammensetzung dieses Gremiums (beide Minderheitsgesellschafter waren Mitglieder) war unglücklich gewählt.
nnz:: Noch einmal zurück zu den Gebühren. Können die jetzt gesenkt werden?
J. Krauth: Nein, dafür sind andere Kostenfaktoren wie zum Beispiel Logistikkosten in den zurückliegenden Jahren zu stark gestiegen. Ich werte es schon als Erfolg unserer Arbeit, dass die Gebühren für einen weiteren Kalkulationszeitraum von drei bis vier Jahren konstant bleiben können und wir im Landkreis das Defizit, dass die TVN in der damaligen Form im Haushalt verursacht hat, langsam aber dafür beständig ausgleichen können. Zum Vergleich: Jetzt zahlt der Landkreis für die Posten Bioabfall, Sickerwasser und Deponiegas etwas mehr als 70.000 Euro, vor einem Jahr waren es noch 120.000 Euro.
nnz:: Frau Krauth, vielen Dank für das Gespräch.
