Verabschiedet
Mittwoch, 29. April 2009, 12:49 Uhr
Was in der kommunalen Politik des Landkreises Nordhausen Rang und Namen hat, hatte im Kalender heute den gleichen Termin: 10 Uhr, Werther, Hummitzsch. Auch die nnz fuhr Zur Hoffnung...
Dort, im großen Saal, zelebrierte Klaus Hummitzsch (LINKE) und noch Bürgermeister von Werther seinen Abschied aus dem Amt. Und sie waren alle gekommen – ehemalige Klassenfeinde, Kapitalisten, Kommunisten, Freunde. Und wie das so ist, selbst bei einem gelernten Mathe-Lehrer: die Tische und Stühle reichen nicht. Rund 150 Frauen und Männer gaben sich denn auch die Klinke in die Hand und schüttelten Klaus Hummitzsch die Hände.
Der hielt eine biografische Rede, die mit vielen Pointen gespickt war und meinte zum Schluss: Politik war für mich nie eine Zockerveranstaltung. Sie war bei mir geprägt von Ehrlichkeit, Vertrauen und Zuverlässigkeit. Für ein Vier-Augen-Gespräch stand meine Tür immer offen.
Stellvertretend für die dann folgenden Grußworte will die nnz das von Jürgen Hohberg, dem Bürgermeister von Sollstedt, veröffentlichen.
Sehr geehrte Anwesende, sehr geehrter Herr Kollege Hummitzsch, lieber Klaus!
Nur noch wenige Tage trennen Dich von Deinem wohlverdienten Ruhestand. Dass aber der 8. Mai von Dir nicht als Tag der Befreiung begangen wird, dessen bin ich mir sicher! So, wie ich Dich in der Vergangenheit kennen- und schätzengelernt habe, wirst Du Deinem Nachfolger im Amt jederzeit mit Rat und Tat beiseite stehen, wenn dies gewünscht wird.
Hummitzsch, das war 1989 auch für mich einer der Namen, die das System verkörperten, das abgewirtschaftet hatte. Die DDR-Führung zeigte sich in keiner Weise reformfähig und schon gar nicht –willig. Für uns galt es damals in erster Linie, den totalen Exodus von DDR-Bürgern zu verhindern und unsere Menschen zum Bleiben und zum Anpacken zu motivieren.
Das wollten wir mit unseren Fürbitt-Gebeten und dann auf der Straße bei den Demos erreichen. Klaus Hummitzsch nötigte mir aber schon damals Respekt ab, dass er sich allwöchentlich auf dem August-Bebel-Platz der Menge stellte, die auf Transparenten und mit Rufen seinen Rücktritt forderte. Das wäre damals sicher der leichtere Weg gewesen, den viele gegangen sind, vorzugsweise Richtung Westen, wo sie sich wendeten, wo sie keiner kannte.
Nicht so Klaus Hummitzsch, der, wie ich heute weiß, seine Schritte wohl durchdenkt, sich nicht duckt und auf seine geradlinige Art Probleme angeht und aus dem Weg zu räumen versucht. Und so hat Klaus Hummitzsch 1990 nach den ersten freien Kommunalwahlen sauber und erhobenen Hauptes die Geschäfte an seinen Nachfolger übergeben und keiner ist je aufgestanden und hat ihm vorgeworfen, jemandem bewusst geschadet zu haben.
Ich erinnere mich an einen seiner Redebeiträge im Kreistag, als er sagte: Mit der Demokratie ist das so `ne Sache! Dabei nimmt er es immer ernst mit dem Willen der Mehrheit. Als er 1994 für das Amt als Oberbürgermeister von Nordhausen antrat, war die Zeit noch nicht reif für einen Mann wie ihn, aber von der Kommunalpolitik konnte er nicht lassen.
Sich einmischen, mitmischen ohne Mitläufer zu sein, kritisch zu hinterfragen und eine Meinung zu vertreten, dabei eher die leisen Töne zu bevorzugen, kennzeichnet die Arbeit von Klaus Hummitzsch, auf die er mit Fug und Recht stolz sein kann.
Die Bürgerinnen und Bürger der Einheitsgemeinde Werther haben eine gute Wahl getroffen und wenn sein Geburtsjahr nicht im Weg gestanden hätte, wäre er wohl noch mal angetreten, so fit wie er ist. Aber sein Platz im Kreistag wird nicht kalt, denn kein politisch interessierter Mensch zweifelt daran, dass er wieder gewählt wird – trotz oder wegen seiner Ecken und Kanten.
Bleiben mir abschließend nur noch die obligatorischen Wünsche: Bleib gesund, aufrichtig und geradlinig, kollegial und fair, kurz gesagt: Bleib einfach, wie Du bist! Dein Freund und Kollege Jürgen Hohberg
Autor: nnzDort, im großen Saal, zelebrierte Klaus Hummitzsch (LINKE) und noch Bürgermeister von Werther seinen Abschied aus dem Amt. Und sie waren alle gekommen – ehemalige Klassenfeinde, Kapitalisten, Kommunisten, Freunde. Und wie das so ist, selbst bei einem gelernten Mathe-Lehrer: die Tische und Stühle reichen nicht. Rund 150 Frauen und Männer gaben sich denn auch die Klinke in die Hand und schüttelten Klaus Hummitzsch die Hände.
Der hielt eine biografische Rede, die mit vielen Pointen gespickt war und meinte zum Schluss: Politik war für mich nie eine Zockerveranstaltung. Sie war bei mir geprägt von Ehrlichkeit, Vertrauen und Zuverlässigkeit. Für ein Vier-Augen-Gespräch stand meine Tür immer offen.
Stellvertretend für die dann folgenden Grußworte will die nnz das von Jürgen Hohberg, dem Bürgermeister von Sollstedt, veröffentlichen.
Sehr geehrte Anwesende, sehr geehrter Herr Kollege Hummitzsch, lieber Klaus!
Nur noch wenige Tage trennen Dich von Deinem wohlverdienten Ruhestand. Dass aber der 8. Mai von Dir nicht als Tag der Befreiung begangen wird, dessen bin ich mir sicher! So, wie ich Dich in der Vergangenheit kennen- und schätzengelernt habe, wirst Du Deinem Nachfolger im Amt jederzeit mit Rat und Tat beiseite stehen, wenn dies gewünscht wird.
Hummitzsch, das war 1989 auch für mich einer der Namen, die das System verkörperten, das abgewirtschaftet hatte. Die DDR-Führung zeigte sich in keiner Weise reformfähig und schon gar nicht –willig. Für uns galt es damals in erster Linie, den totalen Exodus von DDR-Bürgern zu verhindern und unsere Menschen zum Bleiben und zum Anpacken zu motivieren.
Das wollten wir mit unseren Fürbitt-Gebeten und dann auf der Straße bei den Demos erreichen. Klaus Hummitzsch nötigte mir aber schon damals Respekt ab, dass er sich allwöchentlich auf dem August-Bebel-Platz der Menge stellte, die auf Transparenten und mit Rufen seinen Rücktritt forderte. Das wäre damals sicher der leichtere Weg gewesen, den viele gegangen sind, vorzugsweise Richtung Westen, wo sie sich wendeten, wo sie keiner kannte.
Nicht so Klaus Hummitzsch, der, wie ich heute weiß, seine Schritte wohl durchdenkt, sich nicht duckt und auf seine geradlinige Art Probleme angeht und aus dem Weg zu räumen versucht. Und so hat Klaus Hummitzsch 1990 nach den ersten freien Kommunalwahlen sauber und erhobenen Hauptes die Geschäfte an seinen Nachfolger übergeben und keiner ist je aufgestanden und hat ihm vorgeworfen, jemandem bewusst geschadet zu haben.
Ich erinnere mich an einen seiner Redebeiträge im Kreistag, als er sagte: Mit der Demokratie ist das so `ne Sache! Dabei nimmt er es immer ernst mit dem Willen der Mehrheit. Als er 1994 für das Amt als Oberbürgermeister von Nordhausen antrat, war die Zeit noch nicht reif für einen Mann wie ihn, aber von der Kommunalpolitik konnte er nicht lassen.
Sich einmischen, mitmischen ohne Mitläufer zu sein, kritisch zu hinterfragen und eine Meinung zu vertreten, dabei eher die leisen Töne zu bevorzugen, kennzeichnet die Arbeit von Klaus Hummitzsch, auf die er mit Fug und Recht stolz sein kann.
Die Bürgerinnen und Bürger der Einheitsgemeinde Werther haben eine gute Wahl getroffen und wenn sein Geburtsjahr nicht im Weg gestanden hätte, wäre er wohl noch mal angetreten, so fit wie er ist. Aber sein Platz im Kreistag wird nicht kalt, denn kein politisch interessierter Mensch zweifelt daran, dass er wieder gewählt wird – trotz oder wegen seiner Ecken und Kanten.
Bleiben mir abschließend nur noch die obligatorischen Wünsche: Bleib gesund, aufrichtig und geradlinig, kollegial und fair, kurz gesagt: Bleib einfach, wie Du bist! Dein Freund und Kollege Jürgen Hohberg







