nnz-Wetterrückblick: Jahrhundert-April
Freitag, 01. Mai 2009, 12:33 Uhr
Mit Blitz und Donner haben wir uns in Nordhausen gestern vom Winter in den Sommer verabschiedet. Verabschiedet hat sich auch der April des Jahres 2009. Und den hat Wetterexpertin Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp für die nnz betrachtet und analysiert.
Wetter-Expertin (Foto: nnz)
Gestern gegen 16:00 Uhr in Nordhausen. Der Himmel ist schwarz, Donner grollt. Die ersten Blitze erhellen den Himmel. Dann fängt es an zu regnen. Und zu hageln. Man könnte denken, die Welt geht unter. Im Auto ist es lauter als in der "Alten Weberei". Der Spuk dauert fast eine Stunde. Dann ist es vorbei. Die Autos sind mit frischen grünen Laubresten bedeckt und manch einer, der zwischen vier und fünf mit dem Auto unterwegs war, schaut beängstigt nach dem Lack. Gut einen Zentimeter waren sie groß, die Hagelkörner in Nordhausen. Und viele waren es, so viel, dass es wieder so ein bisschen wie Winter aussah.
Das war der fulminante Abschied des wärmsten und sonnenreichsten Monats seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Ganz anders als der des Vorjahres. Zur Erinnerung: Anfang Mai 2008 erschien der erste Wetterrückblick mit den Daten der Wetterstation der FH Nordhausen. Seine Überschrift lautete: "Der April: kühl, wechselhaft und grau". Dieser April war anders.
Die Lufttemperatur betrug im Monatsmittel 13,8°C, deutschlandweit waren es 11,9°C. Damit liegt die Temperatur um 5,6 °C über dem lokalen 30-jährigen Mittel (8,2°C). Und war der wärmste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1956 in Nordhausen. Und noch einmal um 1,7 °C wärmer als der bisherige Spitzenreiter April 2007. Neun Sommertage mit Temperaturen über 25°C (2007:8). Noch kein heißer Tag in Nordhausen mit Temperaturen über 30°C, aber auch kein Frosttag mehr. Es lohnt sich ein Blick auf die 30-jährigen Mittel. Zwischen 1961 und 1990 lag der Mittelwert im April bei 7,7°C, zwischen 1971 und 2000 bei 8°C und zwischen 1981 und 2009 (erst 29 Jahre) bei rund 9°C. Ein ganz deutlicher Anstieg.
Und es lohnt sich noch ein Temperaturblick: Nämlich der Temperaturanstieg seit den Wintermonaten. Im Januar 2009 betrug der Mittelwert -2,3°C (LJM -0,2), im Februar 1,7°C (LJM 0,5), im März 5,8°C (LJM 4,0) und im April eben 13,8°C (LJM 8,4). Im Mittel haben wir damit einen Anstieg von knapp 9°C von Januar bis April, im Jahr 2009 waren es 16,1°C! Für uns bedeutete dies, die Winterjacke gegen kurze Hosen auszutauschen. Für die Vegetation ist diese Anpassung ungleich schwieriger. Lag sie Anfang April in ihrer Entwicklung noch drei Wochen zurück, hat sie Ende April aufgeholt und hat nun einen Vorsprung von zwei Wochen. Trotz zu wenig Regen!
Knapp 20 Millimeter Niederschlag hat die Campus-Station der FH Nordhausen registriert. "Normal" wäre die doppelte Menge. Im Vergleich zu dem sehr trockenen April 2007 mit gerade 5,4 mm fiel in 2009 allerdings die vierfache Menge, wobei die Verteilung eher ungünstig war. Eigentlich regnete es an nur vier Tagen im April: Am 17. und 18. April 2009 waren es 8,3 mm, seit dem 28. April noch mal 11 mm. Ansonsten war es fast immer trocken. Die Landwirte in unserer Region konnten glücklicherweise noch von der im Boden gespeicherten Feuchte profitieren, obwohl die klimatische Wasserbilanz, also der Vergleich des gefallenen Niederschlags mit der Verdunstung, die maximal unter den gegebenen Temperatur- und Feuchteverhältnissen möglich wäre, ein Defizit von 100 mm aufweist.
Und die Sonne? Sie schien 215 Stunden. Astronomisch möglich wären 14 Stunden pro Tag. Wir hatten gut 7. Nur so wenig? Nein, so viel, denn im 25-jährigen Mittel sind es im April lediglich 5,5 Stunden in Nordhausen. Auch die Strahlungsbilanz, also die Differenz zwischen Strahlungsgewinn durch Sonneneinstrahlung und Verlust durch nächtliche Ausstrahlung, erreichte schon frühsommerliche Werte (178 W/m²), die übrigens im Jahr 2007 auch im Hochsommer nicht erreicht wurden.
Das Radio hat es gemeldet, wir haben es gemessen. Dieser April war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland seit 119 Jahren, in Nordhausen seit 53 Jahren. Damit hat es nur zwei Jahre gedauert, dass der "alte" Spitzenreiter, der April 2007, übertroffen wurde. Wir sind gespannt, was uns dieser Sommer bringt.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz
Wetter-Expertin (Foto: nnz)
Gestern gegen 16:00 Uhr in Nordhausen. Der Himmel ist schwarz, Donner grollt. Die ersten Blitze erhellen den Himmel. Dann fängt es an zu regnen. Und zu hageln. Man könnte denken, die Welt geht unter. Im Auto ist es lauter als in der "Alten Weberei". Der Spuk dauert fast eine Stunde. Dann ist es vorbei. Die Autos sind mit frischen grünen Laubresten bedeckt und manch einer, der zwischen vier und fünf mit dem Auto unterwegs war, schaut beängstigt nach dem Lack. Gut einen Zentimeter waren sie groß, die Hagelkörner in Nordhausen. Und viele waren es, so viel, dass es wieder so ein bisschen wie Winter aussah. Das war der fulminante Abschied des wärmsten und sonnenreichsten Monats seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Ganz anders als der des Vorjahres. Zur Erinnerung: Anfang Mai 2008 erschien der erste Wetterrückblick mit den Daten der Wetterstation der FH Nordhausen. Seine Überschrift lautete: "Der April: kühl, wechselhaft und grau". Dieser April war anders.
Die Lufttemperatur betrug im Monatsmittel 13,8°C, deutschlandweit waren es 11,9°C. Damit liegt die Temperatur um 5,6 °C über dem lokalen 30-jährigen Mittel (8,2°C). Und war der wärmste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1956 in Nordhausen. Und noch einmal um 1,7 °C wärmer als der bisherige Spitzenreiter April 2007. Neun Sommertage mit Temperaturen über 25°C (2007:8). Noch kein heißer Tag in Nordhausen mit Temperaturen über 30°C, aber auch kein Frosttag mehr. Es lohnt sich ein Blick auf die 30-jährigen Mittel. Zwischen 1961 und 1990 lag der Mittelwert im April bei 7,7°C, zwischen 1971 und 2000 bei 8°C und zwischen 1981 und 2009 (erst 29 Jahre) bei rund 9°C. Ein ganz deutlicher Anstieg.
Und es lohnt sich noch ein Temperaturblick: Nämlich der Temperaturanstieg seit den Wintermonaten. Im Januar 2009 betrug der Mittelwert -2,3°C (LJM -0,2), im Februar 1,7°C (LJM 0,5), im März 5,8°C (LJM 4,0) und im April eben 13,8°C (LJM 8,4). Im Mittel haben wir damit einen Anstieg von knapp 9°C von Januar bis April, im Jahr 2009 waren es 16,1°C! Für uns bedeutete dies, die Winterjacke gegen kurze Hosen auszutauschen. Für die Vegetation ist diese Anpassung ungleich schwieriger. Lag sie Anfang April in ihrer Entwicklung noch drei Wochen zurück, hat sie Ende April aufgeholt und hat nun einen Vorsprung von zwei Wochen. Trotz zu wenig Regen!
Knapp 20 Millimeter Niederschlag hat die Campus-Station der FH Nordhausen registriert. "Normal" wäre die doppelte Menge. Im Vergleich zu dem sehr trockenen April 2007 mit gerade 5,4 mm fiel in 2009 allerdings die vierfache Menge, wobei die Verteilung eher ungünstig war. Eigentlich regnete es an nur vier Tagen im April: Am 17. und 18. April 2009 waren es 8,3 mm, seit dem 28. April noch mal 11 mm. Ansonsten war es fast immer trocken. Die Landwirte in unserer Region konnten glücklicherweise noch von der im Boden gespeicherten Feuchte profitieren, obwohl die klimatische Wasserbilanz, also der Vergleich des gefallenen Niederschlags mit der Verdunstung, die maximal unter den gegebenen Temperatur- und Feuchteverhältnissen möglich wäre, ein Defizit von 100 mm aufweist.
Und die Sonne? Sie schien 215 Stunden. Astronomisch möglich wären 14 Stunden pro Tag. Wir hatten gut 7. Nur so wenig? Nein, so viel, denn im 25-jährigen Mittel sind es im April lediglich 5,5 Stunden in Nordhausen. Auch die Strahlungsbilanz, also die Differenz zwischen Strahlungsgewinn durch Sonneneinstrahlung und Verlust durch nächtliche Ausstrahlung, erreichte schon frühsommerliche Werte (178 W/m²), die übrigens im Jahr 2007 auch im Hochsommer nicht erreicht wurden.
Das Radio hat es gemeldet, wir haben es gemessen. Dieser April war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland seit 119 Jahren, in Nordhausen seit 53 Jahren. Damit hat es nur zwei Jahre gedauert, dass der "alte" Spitzenreiter, der April 2007, übertroffen wurde. Wir sind gespannt, was uns dieser Sommer bringt.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Downloads:
- Die April-Daten auf einen Blick (17 kByte)
