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Große Oper

Dienstag, 29. September 2009, 12:47 Uhr
Am Freitagabend hatte im Nordhäuser Theater Verdis „Ein Maskenball“ Premiere. Ein wahrlich großes Opernwerk. Konnten die Nordhäuser Künstler das stemmen?


Und ja! Sie konnten es, die Nordhäuser Musiker, Sänger und Choristen. Eine beeindruckende Aufführung mit sehr überzeugenden Darstellern und einem gut aufgelegtem Orchester unter GMD Markus L. Frank. Ein erfolgreicher Theaterabend, der ermöglicht wurde von einer starken Gesamtleistung des Ensembles, das seine Stars in einer hervorragende Sabine Blanchard als Amelia und einem sicheren und routinierten Hugo Mallet als Gustavo hatte.

Für mich persönlich aber war der absolute Star des Abends Gavin Taylor, der dem ungehörnt gehörnten Ehemann René Anckarström dergestalt Gesicht und Stimme verlieh, dass ein interessiertes Publikum seine inneren Qualen hautnah spüren und mitleiden konnte.
Auch Jelena Bodrazic als verrucht interessante Ulrica, Sandra Schütt als androgyner Page Oscar und die Herren Abraham Singer und Thomas Kohl als finstere Verschwörer wussten zu gefallen.

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Da haben sie sich noch gern: Gavin Taylor als Anckaström und Hugo Mallet als König Gustavo

Der Inhalt des berühmten Werkes nach einem Schauspiel von Eugene Scribe ist in unserem Zeitalter des Zynismus und der hemmungslosen Liberalität vielleicht etwas antiquiert, aber eben klassisch: Ein Mann bemerkt, dass die eigene Frau mit aseinem besten Freund rummacht und ist äußerst verärgert. Er kann nicht anders, als den Nebenbuhler dafür umzubringen.

Den er aber eigentlich liebt und der strafverschärfend sein König ist. Dass dieser König mit seiner Frau gar nichts hatte und nur wollte, aber nie zum Zuge kam, ist die eigentliche Tragik der Geschichte. Die Moral könnte lauten: Man(n) mache nicht mit der Frau des besten Freundes rum! Er könnte es missverstehen und gesundheitsgefährdend reagieren.

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Prickelnd mystische Zigeunerin: Jelena Bodrazic als Wahrsagerin Ulrica

Ob die Regie uns noch mehr zeigen wollte als im Stück steht, möchte ich lieber nicht untersuchen und die blutverschmierten Arme des betrogenen Ehemanns nach dem Besuch beim eigenen Sohn sollten uns hoffentlich nicht suggerieren, er hätte das Kind getötet. Dieser Regieeinfall war so überflüssig wie der Blick in die nackte Bühne, der uns zeigte, mit welchem Beleuchtungskörper welche Stelle der Bühne erhellt wurde.

Anfänglich fühlte ich mich ja etwas ins Eichsfeld versetzt, als ich am Bühnenportal des riesigen Jesus am Kreuz ansichtig wurde, der während der Inszenierung diffiziler Lichtbestrahlung ausgesetzt wurde. Gut, die Handelnden riefen ihn öfter um Hilfe an, aber er half ihnen nicht spürbar. Dafür rutscht das Kreuz am Ende an der Wand ab und hängt schief. Eine Metapher? Gerät der Glaube ins Wanken?

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Platonische Liebe? Hugo Mallet und Sabine Blanchard als gefühlsverwirrte Amelia

Ansonsten führt Regisseur Sören Schuhmacher sein Ensemble wieder sicher durch die Inszenierung im spartanischen Bühnenbild von Norbert Bellen und Kostümen von Katrin Kath, die an die Uraufführungszeit der Oper Mitte des 19. Jh. erinnern. Das Premierenpublikum honorierte die Leistung mit langanhaltendem, stürmischen Applaus und vielen Bravorufen für die Protagonisten.
Olaf Schulze
Autor: nnz

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