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nnz-Wetterrückblick: Sommertage im Herbst

Freitag, 02. Oktober 2009, 13:09 Uhr
Wenn man im Monat September übers Wetter spricht, so hat man eine Menge zu berichten. Vielleicht der erste Bodenfrost, Tag- und Nachtgleiche, der Altweibersommer, von dem Vorrücken der Polarfront mit kalter Polarluft ganz zu schweigen. Und natürlich Herbstanfang. Wo kommt der Name Herbst her? Diese Frage beantwortet Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp ebenso wie die nach dem Wetter im September 2009.


Zum Herbst: Unser deutsches Wort ist mit dem englischen harvest nah verwandt, beide kommen aus dem Lateinischen von carpere bzw. dem Griechischen von karpos, welche so viel bedeuten wie ernten und pflücken. Der Herbst ist also die Zeit des Pflückens und Erntens.

Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat) Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat) Wie war das Wetter im ersten Herbstmonat in Nordhausen? Kurze Antwort: Schön. Etwas ausführlicher: Die Lufttemperatur schwankte zwischen 6°C gegen Ende des Monats und 34.8°C zu Monatsbeginn. Im Mittel wurde ein Wert von 16.5°C registriert. Im Vergleich dazu beträgt das langjährige Mittel von Nordhausen zwischen 1961 und 1990 lediglich 13.4°C. Auch unter Berücksichtigung der innerstädtischen Lage der Campus-Station war der September 2009 damit zu warm. Temperaturen unter Null, also erste Frosttage im Jahr, gab es noch nicht. Werfen wir noch einen Blick auf die langjährige Entwicklung der Temperatur im September in Nordhausen: In den letzten 53 Jahren konnte ein Anstieg der Monatsmitteltemperatur von ca. 0,9°C beobachtet werden. Nordhausen liegt also voll im Trend – dem Klimaerwärmungstrend.

Nach der ersten Phase mit drei heißen Tagen zum Monatsbeginn wurde es etwas kühler, es folgten jedoch noch 8 Tage mit Temperaturen über 25°C. Parallel fiel etwas Niederschlag, am 15. September schüttete es sogar richtig, 10,3 Liter pro Quadratmeter wurden gemessen. Ansonsten war der September trocken, nur 50% des üblichen Niederschlags wurden registriert (20.8 L/m²). Auch die Jahresniederschlagsbilanz fällt mit 287 L/m² im Vergleich zu üblichen 450 L/m² im gleichen Zeitraum bis Ende September eher trocken aus. Die klimatische Wasserbilanz, also die Differenz zwischen tatsächlich gefallenem Niederschlag und theoretisch möglicher Verdunstung weist Ende September ein Defizit von 541 L/m² auf. Ein Defizit nach den Sommermonaten ist üblich, zwischen 2006 und 2008 lag es allerdings nur zwischen 88 bzw. 455 L/m². Ein weiterer Hinweis darauf, dass dieses Jahr bisher sehr trocken war. Nach Auswertung der vergangenen 53 Jahre scheint es trotz der vergangenen zwei Septembermonate seit den Achtziger Jahren einen leichten Anstieg der Niederschläge im September zu geben.

Die Sonne schien 123 Stunden direkt auf Nordhausen, es hätte ruhig etwas mehr sein können. Die vierfache Stundenzahl wäre astronomisch möglich gewesen. Es war ein Vorgeschmack auf das, was uns bis Ende 2009 noch erwartet. Denn die Sonnenscheindauer nimmt bis Dezember auf ca. 1 Stunde pro Tag ab. Die veränderte Sonneneinstrahlung auf der Nordhalbkugel und die deutlich kürzeren Tage auf dem Weg zur Wintersonnenwende am 21. Dezember mit der längsten Nacht des Jahres tragen dafür die Verantwortung. Ein wichtiges Sonnen-Datum muss an dieser Stelle natürlich Erwähnung finden. Am 22. September um 23:18 Uhr überschritt die Sonne den Äquator und hat damit kalendarisch den Herbst in den gemäßigten Breiten eingeleitet.

Insgesamt hatten wir einen schönen, ruhigen September mit angenehmen Temperaturen, wenig Niederschlag und ausreichendem Hochdruckeinfluss. Da mag es hier in Nordhausen etwas verwundern, wenn man in der Pressemitteilung des DWD liest, dass Thüringen im September 2009 deutschlandweit mit nur 14,2°C das kälteste Bundesland war und zudem das Bundesland mit dem meisten Niederschlag (147%). Die Erklärung liegt nah: Meteorologisch gehörte Nordhausen im September 2009 wohl eher zu Sachsen-Anhalt, diesem bescheinigt der DWD wärmere Temperaturen und weniger Niederschlag als üblich.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz

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