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Sonntag, 29. November 2009, 08:28 Uhr
Die Zeitungsnachshow beschäftigt sich mit Sport, Protest-Kochen, Essen und Trinken, Denglisch in der Fachhochschule, bedenklicher Personalpolitik und dem Versuch, bei der Aufklärung eines Diebstahls zu helfen.


Sonnabend bis Freitag

gab es sicher viele bedeutende sportliche Ereignisse. Sie gingen im Kleingedruckten unter. Wichtig war: Claudia Pechstein hat gedopt. Oder doch nicht? Die Experten streiten heftig. Der Zuschauer in der Sportart wird zum Richter über Expertenmeinungen „befördert“. Die wirklichen Richter vergessen ihren alten Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. Und sprechen eine Sperre aus. Nach meinem Erkenntnisstand gibt es von Pechstein keine positive Dopingprobe. Sie ist die erste Athletin, die aufgrund von Indizien verurteilt wurde. Seit ich das weiß, traue ich mich u.a. im Dunkeln nicht mehr in die Nähe von Frauen. Zwar habe ich noch nie eine vergewaltigt und das auch nicht vor, aber das Werkzeug dazu immer bei mir.

Der Fußball wird erneut von einer Wettmafia beherrscht. Oder sind es doch nur Einzelfälle? Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt. Ab und zu werden Spieler und Funktionäre zum Verhör bestellt. Deren Vereine reagieren mit Sperren. Die Betroffenen mit Ehrenerklärungen. Wen interessiert eigentlich noch, dass Bochum und Köln sich Freitagabend ein fürchterliches 0:0 geliefert haben? Vielleicht stand ja jemand auf den Tribünen, der nach dem Abpfiff leise grinsend schon immer mal seinen neuen Kontostand nachgerechnet hat. Sollen wir als Zuschauer jetzt alle Ergebnisse erst nach der Doping- und Wettspiel-Kontrolle glauben? Wohl die meisten sportinteressierten Menschen hassen gleich mir Doping und die Wettmafia.

Den Spitzensportler, der dopt, kann ich verstehen. Leider! Um Spitze zu werden, musste er seinen Sport von Kindheit oder frühester Jugend an intensiv betreiben. Er (oder sie) gelangte unter die ersten 10 im Land, auf dem Kontinent, in der Welt. Er brachte es in die Ergebnisslisten und zu anerkennendem Schulterklopfen. Aufs Titelblatt, zu einem lukrativen Werbevertrag oder Job bringt er es wahrscheinlich nur, wenn er seine Höchstleistung mit offenem Schien- und Wadenbeinbruch absolviert. Dann kam irgendein Mediziner, ob aus Spanien oder Bleicherode oder sonst wo her ist egal, und sagte: „Weißt du, wie X deutscher Meister wurde, wie Y die Weltmeisterschaft gewann und Z seinen Weltrekord bei der Olympiade verbesserte? Das kannst du mit unserer Hilfe auch alles erreichen.“

Die Wettmafia kann ich nicht verstehen. Sie macht kaputt, was sie selbst am nötigsten braucht: den Sport. Der Zuschauer bleibt auch als Verlierer zurück. Er weiß nicht, ob er eine sportliche Leistung, ein Ergebnis oder eine Bestechungssumme bejubeln soll.

Was wirklich zählt, ist nur noch der erste Platz, bestenfalls noch die Silber- und Bronzemedaille. Spötter sagen, die Urkunden ab 2. Platz hängen auf der Damentoilette (Verzeihung, liebe Leserinnen, ich zitierte nur einen der Spötter wörtlich.). Siebter in der Bundesliga ist für Bayern München gleichbedeutend mit dem Weltuntergang. Erster im Landkreis zu sein, ist bestenfalls eine Zeile in nnz oder lokaler Presse wert. Der Gewinn eines Schulsportfestes interessiert nur noch die Verwandten ersten Grades.

Es sind die Maßstäbe, die nicht mehr stimmen. Es sind die Zuschauer, die Verbände und die Sponsoren, die höher, weiter, schneller fordern. Wer nicht mehr kann, wird aussortiert. Wer noch kann, des Dopings zumindest verdächtigt.


Montag

„Die Studenten der FH Schmalkalden organisieren heute eine Protest-Suppenküche auf dem Campus. ..... Mit Suppe, Gulaschkanone und Bockwurst wollen die Studenten mit Professoren und Verwaltungsmitarbeitern an einen Tisch kommen, um niedrige Essenspreise und bessere Servicezeiten durchzusetzen.“ Und was ist mit Studentenfutter?

Dienstag

„Die Krise in Deutschland ist überwunden. Zumindest die des Thüringer Gastgewerbes. Das sagen die aktuellen Zahlen. Es wurde mehr getrunken und gegessen als im vergangenen Jahr...“. Das ist eine Meldung, die etliche Nordhäuser (und ich mache da keine Ausnahme) einfach glauben müssen. Haben Sie heute schon in den Spiegel gesehen?

Mittwoch

Mittwoch Abend im Hörsaal der Fachhochschule: „Was sind alles commons? “ Eine Frage in Denglisch? Will ich verstehen und schaue ins Wörterbuch. Dort lese ich unter „commons“ = „tägliche Ration“, groß geschrieben = „das Unterhaus (im britischen Parlament)“ und „common“ = „Gemeindeland“. Von „Gemeingüter“ keine Spur. Was habe ich nun: Keine Ahnung sowieso, aber auch ein schlechtes oder zu altes Wörterbuch? Wer mitgrübeln will, ist dazu eingeladen. Viel lieber ließe ich mir aber die Frage gleich in Deutsch stellen. Warum macht das nicht mal eine „freie Bildungsreferentin“ an einer Nordhäuser Fachhochschule zwar am Rande Thüringens, aber doch mitten in Deutschland?

Donnerstag

„Wechsel bei der TA“ und der ZDF-Verwaltungsrat entschied sich gegen eine Vertragsverlängerung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Zwei unabhängige Nachrichten, jedoch der gleiche Trend. Unabhängige Journalisten werden trotz fachlicher Eignung von Politikern bzw. politischen Überlegungen aus dem Job gedrängt. So bedenklich diese Vorgänge sind, so glücklich sollten sie Leser und Mitarbeiter von nnz und kn und ihresgleichen machen: Klein, aber fein unabhängig.

Freitag

wurde eine „Modelbahn geklaut“. Was is´sen das? Laufen da die Mädchen auf den Schienen rum? Ach nee, es wurden wertvolle Loks entwendet. Nun ist mir alles klar. Die Diebe wollen sie unterm Weihnachtsbaum pünktlich alle Strecken abfahren lassen, auf denen sie normalerweise immer zu spät zur Bescherung kommen. Modellversuch für die Bahn, sozusagen. Das können nur Berufspendler oder Studenten gewesen sei.
Jürgen Wiethoff
Autor: nnz

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