nnz-wetterrückblick: Martinisommer
Donnerstag, 03. Dezember 2009, 16:58 Uhr
Ein sehr ungewöhnlicher letzter Herbstmonat. Auf dem Weg in den Winter wurde es erst noch einmal so richtig schön frühlingshaft. Nach einem etwas kühleren Monatsstart kletterten ab der zweiten Monatshälfte die Tageshöchsttemperaturen auf mindestens 10°C. Von Frost keine Spur. Aber die Sonne: Sie zauberte endlich – nach den trüben und grauen Oktobertagen - die Sonnenbrillen wieder auf unsere Nasen.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat)
Das Nordhäuser Monatsmittel der Temperatur betrug 8,4°C. Knapp vier Grad sind eigentlich normal. Klimawandel? Nein! Als aufmerksame Leser der Tagespresse wissen wir ja mittlerweile, dass Klima nur eine statistische Größe über 30 Jahre ist. Und solche Singularitäten, wie der Meteorologe sagt, verschwinden eben rechnerisch durch die 30-jährige Mittelwertbildung. Aber immerhin – so war auf der Homepage des deutschen Wetterdienstes zu lesen, gehörte der November 2009 zu den drei wärmsten Novembermonaten seit 1881. Doch wieder ein Rekord! Und für Nordhausen war es in Auswertung der Aufzeichnungen seit 1956 übrigens der wärmste November.
Diese Singularität – also den warmen November – gibt es in der Fachliteratur der Wetterexperten schon länger. Sie trägt in Anlehnung an die Martinsgans und Sankt Martin den Namen Martinssommer. Verantwortlich für das warme Wetter sind - und waren es auch bei uns in diesem Jahr – südwestliche Luftströmungen, die feuchte und milde Meeresluft nach Deutschland leiten. Hervorgerufen werden sie durch Tiefdruckgebiete über Großbritannien oder westlich davon, an deren Vorderseite milde und feuchte Luftmassen aus südlichen Gefilden zu uns wehen. Große Temperaturgegensätze über dem Atlantik waren übrigens Verursacher dieser regen Tiefdrucktätigkeit im November 2009.
Frosttage gab es keine, die Spitzentemperatur auf dem Campus der Fachhochschule betrug fast 18°C. Die 15°-Grad-Marke wurde an immerhin 5 Tagen überschritten. Die Sonne zeigte sich fast 50 Stunden am Himmel, das entspricht genau unserem 25-jährigen Mittelwert. Geregnet hat es auch genug. Ca. 50 mm wurden an der Station registriert. Dies entspricht in etwa auch dem langjährigen Mittel.
Bei solchen Temperaturen denkt nicht nur der Mensch noch nicht an Winterschlaf, auch die Vegetation hat sich im November noch nicht zurückgelehnt. Die Vegetationsperiode hat in diesem Jahr wirklich ungewöhnlich lange, nämlich noch den ganzen November über angedauert. Erst in den letzten beiden Novembertagen lag die Mitteltemperatur unter 8°C. Die Winterung, also die Frucht, die bereits im Herbst ausgesät wurde, ist daher ziemlich weit fortgeschritten.
Besonders ins Auge fällt der Raps. Schneelast und Fröste ohne Schneebedeckung im nahenden Winter könnten sich ungünstig auswirken und zu Minderertrag im nächsten Jahr führen. Glaubt man allerdings den Langfrist-Prognosen des Deutschen Wetterdienstes, wird der Winter eher wärmer als es dem Durchschnitt entspricht.
Der Wind frischte übrigens parallel zu den ansteigenden Temperaturen in der zweiten Monatshälfte auf und Stundenmittelwerte von über 5 m/s waren keine Seltenheit. Normalerweise schwanken die Windgeschwindigkeiten zwischen 1 – 2 m/s, die zweite Novemberhälfte war geprägt von Windgeschwindigkeiten, die im Stundenmittel zwischen 5 und 10 m/s lagen. Der Wind wehte zunächst mal aus westlichen, dann wieder aus nördlichen Richtungen, ab der Monatsmitte dann überwiegend aus südwestlichen Richtungen. Als maximaler Stundenmittelwert wurde eine Windgeschwindigkeit von 13,9 m/s gemessen, einzelne Böen lagen jedoch sicher deutlich darüber.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat)
Das Nordhäuser Monatsmittel der Temperatur betrug 8,4°C. Knapp vier Grad sind eigentlich normal. Klimawandel? Nein! Als aufmerksame Leser der Tagespresse wissen wir ja mittlerweile, dass Klima nur eine statistische Größe über 30 Jahre ist. Und solche Singularitäten, wie der Meteorologe sagt, verschwinden eben rechnerisch durch die 30-jährige Mittelwertbildung. Aber immerhin – so war auf der Homepage des deutschen Wetterdienstes zu lesen, gehörte der November 2009 zu den drei wärmsten Novembermonaten seit 1881. Doch wieder ein Rekord! Und für Nordhausen war es in Auswertung der Aufzeichnungen seit 1956 übrigens der wärmste November.Diese Singularität – also den warmen November – gibt es in der Fachliteratur der Wetterexperten schon länger. Sie trägt in Anlehnung an die Martinsgans und Sankt Martin den Namen Martinssommer. Verantwortlich für das warme Wetter sind - und waren es auch bei uns in diesem Jahr – südwestliche Luftströmungen, die feuchte und milde Meeresluft nach Deutschland leiten. Hervorgerufen werden sie durch Tiefdruckgebiete über Großbritannien oder westlich davon, an deren Vorderseite milde und feuchte Luftmassen aus südlichen Gefilden zu uns wehen. Große Temperaturgegensätze über dem Atlantik waren übrigens Verursacher dieser regen Tiefdrucktätigkeit im November 2009.
Frosttage gab es keine, die Spitzentemperatur auf dem Campus der Fachhochschule betrug fast 18°C. Die 15°-Grad-Marke wurde an immerhin 5 Tagen überschritten. Die Sonne zeigte sich fast 50 Stunden am Himmel, das entspricht genau unserem 25-jährigen Mittelwert. Geregnet hat es auch genug. Ca. 50 mm wurden an der Station registriert. Dies entspricht in etwa auch dem langjährigen Mittel.
Bei solchen Temperaturen denkt nicht nur der Mensch noch nicht an Winterschlaf, auch die Vegetation hat sich im November noch nicht zurückgelehnt. Die Vegetationsperiode hat in diesem Jahr wirklich ungewöhnlich lange, nämlich noch den ganzen November über angedauert. Erst in den letzten beiden Novembertagen lag die Mitteltemperatur unter 8°C. Die Winterung, also die Frucht, die bereits im Herbst ausgesät wurde, ist daher ziemlich weit fortgeschritten.
Besonders ins Auge fällt der Raps. Schneelast und Fröste ohne Schneebedeckung im nahenden Winter könnten sich ungünstig auswirken und zu Minderertrag im nächsten Jahr führen. Glaubt man allerdings den Langfrist-Prognosen des Deutschen Wetterdienstes, wird der Winter eher wärmer als es dem Durchschnitt entspricht.
Der Wind frischte übrigens parallel zu den ansteigenden Temperaturen in der zweiten Monatshälfte auf und Stundenmittelwerte von über 5 m/s waren keine Seltenheit. Normalerweise schwanken die Windgeschwindigkeiten zwischen 1 – 2 m/s, die zweite Novemberhälfte war geprägt von Windgeschwindigkeiten, die im Stundenmittel zwischen 5 und 10 m/s lagen. Der Wind wehte zunächst mal aus westlichen, dann wieder aus nördlichen Richtungen, ab der Monatsmitte dann überwiegend aus südwestlichen Richtungen. Als maximaler Stundenmittelwert wurde eine Windgeschwindigkeit von 13,9 m/s gemessen, einzelne Böen lagen jedoch sicher deutlich darüber.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
