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Kranke Zahlenspielerei

Freitag, 04. Dezember 2009, 09:19 Uhr
Am 1. Dezember, also vor drei Tagen veröffentlichte die Nordhäuser Arbeitsagentur die aktuellen Arbeitsmarktdaten für den Monat November. Darin wurde seitens der Agenturleitung stolz verkündet, dass es im Landkreis Nordhausen nur noch 5.496 arbeitslose Frauen und Männer gibt. Das ist so nicht ganz richtig...


Natürlich ist das erst einmal eine Zahl, mit der sich richtig gut agieren lässt. Am 1. November zum Beispiel so: "Die Arbeitslosigkeit hat sich im November um 109 auf 5.496 verringert. Im Vergleich zum Vorjahr gab es 176 Arbeitslose weniger. Die Arbeitslosenquote, berechnet auf der Basis aller zivilen Erwerbspersonen, betrug im November 11,9 %."

Kritiker dieser Statistik munkelten schon seit Jahren, dass diese offiziellen Zahlen nicht den wahren Markt der Arbeitslosigkeit widerspiegeln. Offizielle Zahlen waren offiziell nicht zu erheischen. Seit August dieses Jahres - von der Öffentlichkeit kaum bemerkt - hat sich die Nürnberger Arbeitsagentur in dieser Beziehung geöffnet. Etwas versteckt, aber immerhin recherchierbar - gibt es diese etwas anderen Zahlen.

Im Beamtendeutsch heißen die "Unterbeschäftigung". Das sind also all jene Frauen und Männer, die tatsächlich keiner sozialversicherungspfllichtigen Beschäftigung nachgehen. Die "5.496" sind die Agenturkunden, die Arbeitslosengeld Eins und Zwei beziehen und die im Sinne des Paragraphen des Sozialgesetzbuches III von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

Die nnz hat bei ihrer Recherche viele weitere Personengruppen entdecken können, die im landläufigen Sinne arbeitslos sind. Zur Vereinfachung haben wir mal die Zahlen der Agentur und der ARGE für den Landkreis Nordhausen zusammengefasst, die übrigens auch in den "5.496" enthalten sind. Entdeckt hat die nnz zum Beispiel 1.931 Personen, die nah am Arbeitslosenstatus sind gefunden. Entdeckt wurden auch 201 Personen in Arbeitsmarktpolitik, fern vom Arbeitslosenstatus. Hinzu kommen jene 476 Personen, denen eine vorruhestandsähnliche Regelung zu Teil wurde oder die in Trainingsmaßnahmen integriert sind.

Das alles summiert sich letztlich auf die Zahl von 8.104 Frauen und Männer im Landkreis Nordhausen. Legt man diese Personen zugrunde für die Berechnung der Quote, dann werden aus den 11,9 Prozent wie oben angegeben schnell mal 17,5 Prozent.

So ist das nun mal mit der Statistik. Man darf gespannt sein, welche Geheimnisse die Arbeitsagentur in den nächsten Monaten noch so preisgibt. Vielleicht auch die Zahlen der Kunden, die zum monatlichen "Zähltag" krank gemeldet sind. Die sind dann plötzlich auch nicht arbeitslos, sondern krank.
Peter-Stefan Greiner

Für alle die Nachrechnen wollen, hier die entsprechenden Dokumente:
Autor: nnz

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