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Mittwoch, 10. Februar 2010, 14:11 Uhr
Kennen Sie, liebe nnz-Leser die Insel Felsenburg. Wenn nicht, dann sollten Sie einen Termin am Freitagabend nicht vergessen...


Aus einem der populärsten und meistverlegten Romane des 18. Jahrhunderts, „Insel Felsenburg“ von Johann Gottfried Schnabel werden am Freitag, dem 12. Februar 2010, um 19:30 Uhr, in der Kreissparkasse Nordhausen Dr. Inge Sewig und Dr. Ulrich Hesse lesen. Die musikalische Leitung übernimmt Michel Ackermann.

Das kündigt jetzt das städtische Kulturamt an, das die Lesung gemeinsam mit der Kreissparkasse organisiert. Alle Interessenten und Literaturfreunde sind dazu herzlich eingeladen. Eintrittskarten sind an der Abendkasse zum Preis von 5 Euro erhältlich. Ermäßigte Karten kosten 3 Euro.

Johann Wolfgang von Goethe, Clemens Brentano, Gotthold Ephraim Lessing, Johann Gottfried Herder äußerten sich lobend über die „Insel Felsenburg“. Das Buch „Wunderliche Fata einiger See-Fahrer“, so die Abkürzung des barocktypischen, ausartenden Originaltitels, erschien 1731 unter dem Pseudonym „Gisander“ und erlebte bis 1743 drei Fortsetzungen. Den heute bekannten Titel legte Ludwig Tieck erst im Jahre 1828 für seine gekürzte und modernisierende Bearbeitung des Textes fest.

Dem hohen Bekanntheitsgrad der „Insel Felsenburg“ stand jedoch lange Zeit die Unbekanntheit ihres Verfassers gegenüber. So wurde Schnabels Autorschaft erst im Laufe des 19. Jahrhunderts publik, und bis heute konnte sein Lebensweg nur bruchstückhaft rekonstruiert werden – trotz der intensiven Bemühungen der 1992 gegründeten Johann-Gottfried-Schnabel-Gesellschaft e.V.

Johann Gottfried Schnabel wurde am 7.11.1692 in Sandersdorf bei Bitterfeld als Sohn des hiesigen lutherischen Pfarrers geboren, verlor jedoch bereits im Alter von zwei Jahren seine Eltern. Nachdem er 1702 an der Lateinschule der Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale aufgenommen worden war, erlernte er vermutlich zwischen 1706 und 1709 das Barbierhandwerk. In den folgenden Jahren diente er als Feldarzt im Spanischen Erbfolgekrieg. 1718/19 beendete er den Militärdienst und wurde Barbiermeister in Querfurt, wo er zwei Jahre später Johanna Sophia Dietrich heiratete.

Mit der Übersiedlung der Familie nach Stolberg am Harz, wo Schnabel am 4.8.1724 das Bürgerrecht erhielt, begann der für sein literarisches Schaffen mit Abstand bedeutendste und produktivste Lebensabschnitt. Hier entstanden die vier Bände seiner „Insel Felsenburg“. Daneben wirkte Schnabel von 1731 bis 1738 als Herausgeber der Zeitung „Stolbergische Sammlung Neuer und Merckwürdiger Welt=Geschichte“.

Doch entgegen seines Erfolges als Autor und einer angesehenen Anstellung am Stolberger Grafenhof, unter anderem als Hofbarbier und Kammerdiener, lebte der Bürger Schnabel in ärmlichen Verhältnissen. Sein Aufenthalt in Stolberg ist nur bis zum Jahre 1744 dokumentiert, danach aber verliert sich nahezu jegliche biographische Spur.

Trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – der Zwiespältigkeit seiner Stolberger Zeit verdient diese Stadt mit Blick auf Johann Gottfried Schnabels Hauptwerk besondere Beachtung. Vor allem gilt es als erwiesen, dass Stolberg die reale topographische Vorlage für die fiktive „Insel Felsenburg“ lieferte. Darüber hinaus bieten die hier erlebten Gegensätze zwischen Hofstatus und materieller Not, zwischen Adel und Bürgertum mit Blick auf die scharfe Sozialkritik in Schnabels Hauptwerk durchaus interessante Interpretationsansätze an.

Doch endet der regionale Bezug mit Stolberg keineswegs. Der Nordhäuser Verlagsbuchhändler Johann Heinrich Groß (1685-1766) spielte eine Schlüsselrolle bei der Publikation: Alle vier Bände des Romans wurden in Nordhausen verlegt.
Autor: nnz

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