"Mit Kind und Kegel"
Freitag, 14. Mai 2010, 09:09 Uhr
Das Nordhäuser Fußball-Archiv von nnz-Autor Klaus Verkouter ist schier unendlich groß. Passend zum Vatertag hat er ein Schriftstück aus dem Jahr 1930 gefunden, das wir Ihnen nicht vorenthalten wollen...
"Ich habe diesen Text beim Stöbern in meinen "Blau-weißen Mitteilungen" von 1930 gefunden. Da diese Hefte ja damals nur einige Vereinmitglieder/Sponsoren erhielten, dürften sie der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt sein", so Verkouter.
"Himmelfahrt, der Tag der Familienpartien, soll auch in diesem Jahr zu einem gemeinsamen A u s f l u g benutzt werden. Unsere Mitglieder wollen diesen Tag für den Verein reservieren und mit 'Kind und Kegel' an der Partie teilnehmen. Treffpunkt 8.15 Uhr auf dem Neumarkt."…
So lautete im Mai 1930 die Ankündigung in Wacker Nordhausens "Blau-weißen Mitteilungen", die zu der Zeit monatlich in einem 16-seitigen Heftchen erschienen. Wie der Ausflug verlief, war wenig später in den BWM auch in einem humorvollen mundartlichen Beitrag zu lesen. Wir geben diesen hier, bis auf den Schriftsatz unverändert, zum Besten. Für die sprachliche Korrektheit und den inhaltlich richtigen Ablauf übernehmen wir keine Garantie.
Dr Himmelfahrts-Uusflugk des 1. SV Wacker am 20.5.1930
Unse Drehschieben-Onkel hattes wull versiehn,
Zu Himmelfahrt morgens uff en Töppertiech zu giehn.
Sunst kunnte’r sin Versch äbber dn Uusflugk geschriebe.
Aber do e nich do wor, musse’s loße gebliebe.
Ich fiehle in mich dän Drang zum Dichten.
Do will ich mal äbber denn Spaß berichten.
Wie immer kunnten värschiedene nich pinktlich sie,
Dr ärrschte Veerstand war natierlich au derbie.
Also, mittener halleben Stunne Verspätunge zogen mi ob,
Es wor enn gemietlicher Zotteltrab.
Därch de W i n d l ü c k e wurde därchmarschiert,
Unn do hatten se uns schon in de Aerre gefiehrt.
Dr Uusflugk sullte eigentlich noch dr K a l k m ü l l’n gieh.
Aber mi kunnten vunn Färne schunt B u c h h o l z gesieh.
No, dr Schaden war bohle wädder ingerenkt.
Es wurde einfach rächts obgeschwenkt.
Uff dn Bärge wullten verschiedene lagern.
I s e c k e war derbie mit Familie unn dr Germania.
De annern zogen nach S t e i g e r t h a l rinn
Unn quartierten sich inn F ä l s e n k e l l e r inn.
Do wurde nune allerhand Tewes gemacht.
Unn bohle wurde au es Klavier rinngebrocht.
Wieh’s Friehstick alle wor, wurde’s Tanzbein geschwungen.
Unn zwischendärch enn scheenes Lied gesungen;
Einer hotte son Sperrguckewiet mettgebrocht,
Wär do därchguckte, hätt sich bohle schäckich gelacht.
Jeder sagk drinne uus winne plattgedrickte Wanzen,
Wänne su scheene war binn Tanzen.
Bohle waren de annern wädder do.
Unn nune gings los met lautem Hallo.
De K a l k m ü l l ‚ n war nune das nächste Ziel.
Do wollten me bliebe bie Sport unn Spiel.
Wie me hänkamen, wor schunt allerhand Volk uffn Rasen,
Unn enne Kapelle tot de schennsten Lieder blosen.
Mie suchten uns enn scheenes Lagerplätzchen ruus!
De Jugend hotte im Nu dänn Ball in dr Mache,
Unn enn Fußballspiel wor inn Gange, enne feine Sache!
Mancher ohle Knochen hippte drzwischen rimm.
M ä n n e F e s s e l schmäß alles imm unn dimm,
K ü h l e w i n d t flakte dn Ball, es wor enn Spaß,
Dräben flog einer äbbern Muulwurfshügel inns Gras.
Au annere Speele wurden uffs Tapet gebrocht.
Binn Dritten Obschlah’n hame gelacht.
Do schob änn Musiker sinn Rad verbie
Unn do druff lagk de gewaltige Melodie.
Enner von uns huschte dranne wägk,
Unn eh me sich’s versagk, lak de Trumpeten inn Drägk.
Dr. Bloseniste wurde mächtig grob.
R’ sahte: Ich schloh dich mit dr Trumpeten uffn Kopp!
Mir meinten, er sulle’s bliebe geloße.
Unn er zog witter sinne Stroße.
Bie dreien rimm huus es, mie gehen jetzt los,
Uff dr Grasmüll’n äß es au ganz famos.
Dr Wägk dohänn war sunnst scheene, blus enn bisschen dräckig,
Unn de scheenen Fraunstrimpe wor’n ganz scheckig.
Wie me hännkamen, wor natierlich alles besetzt.
Do hame uns gliech wädder in Trab gesetzt
Unn sinn dn Bärgk ruff, imm nach K l i t s c h b a c h ze torkeln.
Do fingen wädder enn paar an zu morkeln
Unn wollten mett aller Gewalt nach dr K u c k u c k s m i l l’n geh.
Da hame gesaat: Veel Vergnügen, unn macht’s scheene adje!
Alles annere wanderte uff L e i m i c h zu
Unn landete in dr Linden unn kam bohle zr Ruh’.
Manneches Teppchen wurde dort leer gemacht
Unn au viele Spaß uufs Tapet gebracht.
K l i n g e P r o b s t unn K u r z e traten als Tanzkinstler uff.
Do rässen abber de annern di Auen uff.
Se sammelten inn, als dr Kunsttanz zu Enge wor,
Daß es nur Spaß wor, wurde mannechen nich klar.
Schulmächens us B i e e l n hotten au inn Saale Platz genummen.
Doch kumm sahense K l i n g e n metten Täller kummen,
Do machten se sich dinne unn machten im Nu
De Tür vom Saale von drussene zu.
Se doochten, se missten Intritt berappe.
Unn das Geld iss jo bin Buern merschtens säre knappe.
Das heißt: Se stäcken alles inn Strump
Und tun, als wärn se ärmer als dr ärmste Lump.
Alles krieschte unn kröhlte äbber diesen Spaß.
Vor Lachen wurden de Auen naß.
Bie halleb achten rimm wurde obmarschiert.
Vorhär wurde de ganze Gesellschaft noch obfotographiert.
Dr Rucksack wor leer, drimm ginges sich gut –
Unn alles hotte enn gewaltigen Mut.
Vorbie gungs an Feldern unn Wiesen.
Unn hingerhär kamen de tapferen Friesen.
Imm niene sinn me uffn T ö p p e r t i e c h angekummen.
Do hätt dr erschte Veerstand noch enne Reden geschwungen.
Die wor so gewaltig unn dauerte so lange.
Enn jeder wurde angst unn bange.
Dänn mr dochten, wänn där noch lange spricht,
Dann kämmeste vor elfen inns Bette nich.
Aber au das äß zu Enge gekummen.
Dann hamme uns schnälle heime geschwungen.
Nune zum Schluss, äß wor wärklich feine!
Hoffentlich mache me bohle wädder so eine.
Unn mie hoffen, dass dann noch veele mehr met wandern.
Daß se nich denken: Mie blieben heime, das Tippeln besorgen de annern!
Wänn’s inntrifft, freit sich sehre
Fritze von der Kehre
Autor: nnz"Ich habe diesen Text beim Stöbern in meinen "Blau-weißen Mitteilungen" von 1930 gefunden. Da diese Hefte ja damals nur einige Vereinmitglieder/Sponsoren erhielten, dürften sie der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt sein", so Verkouter.
"Himmelfahrt, der Tag der Familienpartien, soll auch in diesem Jahr zu einem gemeinsamen A u s f l u g benutzt werden. Unsere Mitglieder wollen diesen Tag für den Verein reservieren und mit 'Kind und Kegel' an der Partie teilnehmen. Treffpunkt 8.15 Uhr auf dem Neumarkt."…
So lautete im Mai 1930 die Ankündigung in Wacker Nordhausens "Blau-weißen Mitteilungen", die zu der Zeit monatlich in einem 16-seitigen Heftchen erschienen. Wie der Ausflug verlief, war wenig später in den BWM auch in einem humorvollen mundartlichen Beitrag zu lesen. Wir geben diesen hier, bis auf den Schriftsatz unverändert, zum Besten. Für die sprachliche Korrektheit und den inhaltlich richtigen Ablauf übernehmen wir keine Garantie.
Dr Himmelfahrts-Uusflugk des 1. SV Wacker am 20.5.1930
Unse Drehschieben-Onkel hattes wull versiehn,
Zu Himmelfahrt morgens uff en Töppertiech zu giehn.
Sunst kunnte’r sin Versch äbber dn Uusflugk geschriebe.
Aber do e nich do wor, musse’s loße gebliebe.
Ich fiehle in mich dän Drang zum Dichten.
Do will ich mal äbber denn Spaß berichten.
Wie immer kunnten värschiedene nich pinktlich sie,
Dr ärrschte Veerstand war natierlich au derbie.
Also, mittener halleben Stunne Verspätunge zogen mi ob,
Es wor enn gemietlicher Zotteltrab.
Därch de W i n d l ü c k e wurde därchmarschiert,
Unn do hatten se uns schon in de Aerre gefiehrt.
Dr Uusflugk sullte eigentlich noch dr K a l k m ü l l’n gieh.
Aber mi kunnten vunn Färne schunt B u c h h o l z gesieh.
No, dr Schaden war bohle wädder ingerenkt.
Es wurde einfach rächts obgeschwenkt.
Uff dn Bärge wullten verschiedene lagern.
I s e c k e war derbie mit Familie unn dr Germania.
De annern zogen nach S t e i g e r t h a l rinn
Unn quartierten sich inn F ä l s e n k e l l e r inn.
Do wurde nune allerhand Tewes gemacht.
Unn bohle wurde au es Klavier rinngebrocht.
Wieh’s Friehstick alle wor, wurde’s Tanzbein geschwungen.
Unn zwischendärch enn scheenes Lied gesungen;
Einer hotte son Sperrguckewiet mettgebrocht,
Wär do därchguckte, hätt sich bohle schäckich gelacht.
Jeder sagk drinne uus winne plattgedrickte Wanzen,
Wänne su scheene war binn Tanzen.
Bohle waren de annern wädder do.
Unn nune gings los met lautem Hallo.
De K a l k m ü l l ‚ n war nune das nächste Ziel.
Do wollten me bliebe bie Sport unn Spiel.
Wie me hänkamen, wor schunt allerhand Volk uffn Rasen,
Unn enne Kapelle tot de schennsten Lieder blosen.
Mie suchten uns enn scheenes Lagerplätzchen ruus!
De Jugend hotte im Nu dänn Ball in dr Mache,
Unn enn Fußballspiel wor inn Gange, enne feine Sache!
Mancher ohle Knochen hippte drzwischen rimm.
M ä n n e F e s s e l schmäß alles imm unn dimm,
K ü h l e w i n d t flakte dn Ball, es wor enn Spaß,
Dräben flog einer äbbern Muulwurfshügel inns Gras.
Au annere Speele wurden uffs Tapet gebrocht.
Binn Dritten Obschlah’n hame gelacht.
Do schob änn Musiker sinn Rad verbie
Unn do druff lagk de gewaltige Melodie.
Enner von uns huschte dranne wägk,
Unn eh me sich’s versagk, lak de Trumpeten inn Drägk.
Dr. Bloseniste wurde mächtig grob.
R’ sahte: Ich schloh dich mit dr Trumpeten uffn Kopp!
Mir meinten, er sulle’s bliebe geloße.
Unn er zog witter sinne Stroße.
Bie dreien rimm huus es, mie gehen jetzt los,
Uff dr Grasmüll’n äß es au ganz famos.
Dr Wägk dohänn war sunnst scheene, blus enn bisschen dräckig,
Unn de scheenen Fraunstrimpe wor’n ganz scheckig.
Wie me hännkamen, wor natierlich alles besetzt.
Do hame uns gliech wädder in Trab gesetzt
Unn sinn dn Bärgk ruff, imm nach K l i t s c h b a c h ze torkeln.
Do fingen wädder enn paar an zu morkeln
Unn wollten mett aller Gewalt nach dr K u c k u c k s m i l l’n geh.
Da hame gesaat: Veel Vergnügen, unn macht’s scheene adje!
Alles annere wanderte uff L e i m i c h zu
Unn landete in dr Linden unn kam bohle zr Ruh’.
Manneches Teppchen wurde dort leer gemacht
Unn au viele Spaß uufs Tapet gebracht.
K l i n g e P r o b s t unn K u r z e traten als Tanzkinstler uff.
Do rässen abber de annern di Auen uff.
Se sammelten inn, als dr Kunsttanz zu Enge wor,
Daß es nur Spaß wor, wurde mannechen nich klar.
Schulmächens us B i e e l n hotten au inn Saale Platz genummen.
Doch kumm sahense K l i n g e n metten Täller kummen,
Do machten se sich dinne unn machten im Nu
De Tür vom Saale von drussene zu.
Se doochten, se missten Intritt berappe.
Unn das Geld iss jo bin Buern merschtens säre knappe.
Das heißt: Se stäcken alles inn Strump
Und tun, als wärn se ärmer als dr ärmste Lump.
Alles krieschte unn kröhlte äbber diesen Spaß.
Vor Lachen wurden de Auen naß.
Bie halleb achten rimm wurde obmarschiert.
Vorhär wurde de ganze Gesellschaft noch obfotographiert.
Dr Rucksack wor leer, drimm ginges sich gut –
Unn alles hotte enn gewaltigen Mut.
Vorbie gungs an Feldern unn Wiesen.
Unn hingerhär kamen de tapferen Friesen.
Imm niene sinn me uffn T ö p p e r t i e c h angekummen.
Do hätt dr erschte Veerstand noch enne Reden geschwungen.
Die wor so gewaltig unn dauerte so lange.
Enn jeder wurde angst unn bange.
Dänn mr dochten, wänn där noch lange spricht,
Dann kämmeste vor elfen inns Bette nich.
Aber au das äß zu Enge gekummen.
Dann hamme uns schnälle heime geschwungen.
Nune zum Schluss, äß wor wärklich feine!
Hoffentlich mache me bohle wädder so eine.
Unn mie hoffen, dass dann noch veele mehr met wandern.
Daß se nich denken: Mie blieben heime, das Tippeln besorgen de annern!
Wänn’s inntrifft, freit sich sehre
Fritze von der Kehre
