nnz-Wetterrückblick: Aufholjagd im Mai
Donnerstag, 03. Juni 2010, 09:11 Uhr
Die Spannung in den letzten Tag des Wonnemonats Mai wuchs fast ins Unerträgliche. Jedes Grad zählt. Wird der Mai tatsächlich so kalt? Kälter als in den letzten 50 Jahren? Wird der Mai vielleicht einen neuen Kälte-Rekord im Zeitalter der Klimaerwärmung aufstellen? Die Antwort und alle anderen Daten und Fakten wie immer von Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat)
Die Entwarnung kam am Morgen des 1. Juni. Nein – alles ist gut in Nordhausen. 12,2 °C, das ist fast normal. 13,1°C ist der langjährige Mittelwert für Nordhausen. Die Aufholjagd begann im letzten Drittel des Monats: 27,1 °C maximale Temperatur am 24. Mai. Ein echter Sommertag. Tagesmitteltemperaturen von knapp 19°C, nachts sank das Thermometer kaum noch unter 10°C. Zwei weitere Sommertage bescherte uns der Mai, in 2009 waren es dahingegen elf. Fairerweise muss man sagen, dass die wenigen Sommertage in 2010 wenigstens auf ein Wochenende fielen.
Zu Monatsbeginn sah alles noch anders aus. Noch einem freundlichen Start mit Temperaturen bis zu 15°C betrug bis zum 20. Mai die Mitteltemperatur dann gerade noch 10°C. Das entspricht dem unteren Ende der Fahnenstange der Nordhäuser Mai-Temperaturen (1962: 10,2°C). Die Temperaturspanne im Mai schwankt seit 1956 zwischen 10°C und 17°C. Aber warum nur haben wir alle so gefroren? Da lohnt sich ein Blick auf die Graphik, die die monatlichen Abweichungen der Mai-Temperaturen vom langjährigen Mittel darstellt. Laut unserer Erinnerung muss es im Mai einfach wärmer sein.
Die wirklich warmen Maimonate gab es in den vergangenen 10 Jahren! Die positiven Abweichungen betrugen fast durchgängig zwischen einem und drei Grad. Neben 2004 (!) war 2010 da eher ein Ausrutscher, der den 50-jährigen Trend als einmaliges Ereignis kaum beeinflussen wird. Derzeit steigt die Temperatur, so zeigt es der lineare Trend in der Grafik, im Mai pro Jahr um 0,04°C an, seit 1956 demnach um ca. 2,2°C.
Warm war es nicht und die Sonne hat auch nicht geschienen. Astronomisch möglich wären im Mai auf unserem Breitengrad 480 Stunden – in 2010 geizte die Sonne mit ihren Strahlen. Nur 104 Stunden war sie direkt zu sehen. Ansonsten mussten wir uns mit diffusem Himmelslicht begnügen. So bezeichnet man das Sonnenlicht, welches durch eine Wolkendecke hindurch seinen Weg zu uns findet. Nach den langjährigen Aufzeichnungen von Herrn Tauchmann hätten wir eigentlich 210 Stunden verdient. Übrigens gab es in den langjährigen Aufzeichnungen nur einen einzigen Mai mit weniger Sonne in Nordhausen: Im Jahr 1984 wurden 101 Sonnenstunden registriert (Aufzeichnungsbeginn: 1972).
Der Wind wehte zum Teil recht kräftig. 1,2 m/s ist der Monatsdurchschnittswert. Einzelne Böen überschritten jedoch Werte von 17 m/s, insbesondere im letzten Monatsdrittel. Die vorherrschende Windrichtung war West, bedingt durch ein Tief nach dem anderen. Nur zu Monatsbeginn und gegen Ende Mai befand sich Deutschland, Thüringen und Nordhausen unter Hochdruckeinfluss.
Und nun der nächste Baustein für schlechtes Wetter: Regen. Davon hatten wir im Vergleich zum Vormonat mal wieder reichlich: 35,7 mm registrierte unser Hellmann-Regenmesser, verteilt auf 16 Tage. Das erscheint für das Umland mal wieder zu wenig. Aber es ist immerhin die fünffache Niederschlagsmenge des Vormonats. Damit liegen wir im Vergleich zu anderen Stationen richtig. Es regnete also rein rechnerisch an jedem zweiten Tag. Sehr zum Wohl der Pflanzen, die im heimischen Garten wuchsen. Nicht so auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen:
Die Landwirte hatten im Mai wohl so ihre Probleme, wenn es um die Pflege und die Mahd ihrer Felder und Wiesen ging. Der Wind im letzten Monatsdrittel sorgte dann jedoch für eine hohe Verdunstung. Trotz des schlechten Wetters betrug die Gras-Referenz-Verdunstung das Doppelte der gefallenen Niederschlagsmenge im Mai. Sie schnellte insbesondere im letzten Monatsdrittel auf Tageswerte von 5 mm und mehr und trocknete wenigstens oberflächlich den Boden gut ab.
Mit dem Mai verabschiedet sich auch der Frühling aus Nordhausen. Am 1. Juni begann der meteorologische Sommer. Insgesamt zeigt sich ein etwas zu warmer Frühling. Der Deutsche Wetterdienst betitelt seine Pressemitteilung zum Frühjahr 2010 sehr vorsichtig mit: Insgesamt geringfügig zu warm. Die Temperaturen der drei Monate März, April und Mai lagen auf dem Campus der Fachhochschule bei 9,3°C (1971-2000: 8,4°C), also ein leichtes Plus von 1,1 °C. In den letzten 50 Jahren schwankten die Temperaturen im Frühling in Nordhausen zwischen 6,1°C (1970) und 11,8°C (2009).
Und nun auf in den Sommer: Der Jahreszeitentrend des Deutschen Wetterdienstes zeigt nach wie vor einen eher zu warmen Sommer im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten an. Lassen wir uns doch einfach mal vom Wetter überraschen.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat)
Die Entwarnung kam am Morgen des 1. Juni. Nein – alles ist gut in Nordhausen. 12,2 °C, das ist fast normal. 13,1°C ist der langjährige Mittelwert für Nordhausen. Die Aufholjagd begann im letzten Drittel des Monats: 27,1 °C maximale Temperatur am 24. Mai. Ein echter Sommertag. Tagesmitteltemperaturen von knapp 19°C, nachts sank das Thermometer kaum noch unter 10°C. Zwei weitere Sommertage bescherte uns der Mai, in 2009 waren es dahingegen elf. Fairerweise muss man sagen, dass die wenigen Sommertage in 2010 wenigstens auf ein Wochenende fielen. Zu Monatsbeginn sah alles noch anders aus. Noch einem freundlichen Start mit Temperaturen bis zu 15°C betrug bis zum 20. Mai die Mitteltemperatur dann gerade noch 10°C. Das entspricht dem unteren Ende der Fahnenstange der Nordhäuser Mai-Temperaturen (1962: 10,2°C). Die Temperaturspanne im Mai schwankt seit 1956 zwischen 10°C und 17°C. Aber warum nur haben wir alle so gefroren? Da lohnt sich ein Blick auf die Graphik, die die monatlichen Abweichungen der Mai-Temperaturen vom langjährigen Mittel darstellt. Laut unserer Erinnerung muss es im Mai einfach wärmer sein.
Die wirklich warmen Maimonate gab es in den vergangenen 10 Jahren! Die positiven Abweichungen betrugen fast durchgängig zwischen einem und drei Grad. Neben 2004 (!) war 2010 da eher ein Ausrutscher, der den 50-jährigen Trend als einmaliges Ereignis kaum beeinflussen wird. Derzeit steigt die Temperatur, so zeigt es der lineare Trend in der Grafik, im Mai pro Jahr um 0,04°C an, seit 1956 demnach um ca. 2,2°C.
Warm war es nicht und die Sonne hat auch nicht geschienen. Astronomisch möglich wären im Mai auf unserem Breitengrad 480 Stunden – in 2010 geizte die Sonne mit ihren Strahlen. Nur 104 Stunden war sie direkt zu sehen. Ansonsten mussten wir uns mit diffusem Himmelslicht begnügen. So bezeichnet man das Sonnenlicht, welches durch eine Wolkendecke hindurch seinen Weg zu uns findet. Nach den langjährigen Aufzeichnungen von Herrn Tauchmann hätten wir eigentlich 210 Stunden verdient. Übrigens gab es in den langjährigen Aufzeichnungen nur einen einzigen Mai mit weniger Sonne in Nordhausen: Im Jahr 1984 wurden 101 Sonnenstunden registriert (Aufzeichnungsbeginn: 1972).
Der Wind wehte zum Teil recht kräftig. 1,2 m/s ist der Monatsdurchschnittswert. Einzelne Böen überschritten jedoch Werte von 17 m/s, insbesondere im letzten Monatsdrittel. Die vorherrschende Windrichtung war West, bedingt durch ein Tief nach dem anderen. Nur zu Monatsbeginn und gegen Ende Mai befand sich Deutschland, Thüringen und Nordhausen unter Hochdruckeinfluss.
Und nun der nächste Baustein für schlechtes Wetter: Regen. Davon hatten wir im Vergleich zum Vormonat mal wieder reichlich: 35,7 mm registrierte unser Hellmann-Regenmesser, verteilt auf 16 Tage. Das erscheint für das Umland mal wieder zu wenig. Aber es ist immerhin die fünffache Niederschlagsmenge des Vormonats. Damit liegen wir im Vergleich zu anderen Stationen richtig. Es regnete also rein rechnerisch an jedem zweiten Tag. Sehr zum Wohl der Pflanzen, die im heimischen Garten wuchsen. Nicht so auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen:
Die Landwirte hatten im Mai wohl so ihre Probleme, wenn es um die Pflege und die Mahd ihrer Felder und Wiesen ging. Der Wind im letzten Monatsdrittel sorgte dann jedoch für eine hohe Verdunstung. Trotz des schlechten Wetters betrug die Gras-Referenz-Verdunstung das Doppelte der gefallenen Niederschlagsmenge im Mai. Sie schnellte insbesondere im letzten Monatsdrittel auf Tageswerte von 5 mm und mehr und trocknete wenigstens oberflächlich den Boden gut ab.
Mit dem Mai verabschiedet sich auch der Frühling aus Nordhausen. Am 1. Juni begann der meteorologische Sommer. Insgesamt zeigt sich ein etwas zu warmer Frühling. Der Deutsche Wetterdienst betitelt seine Pressemitteilung zum Frühjahr 2010 sehr vorsichtig mit: Insgesamt geringfügig zu warm. Die Temperaturen der drei Monate März, April und Mai lagen auf dem Campus der Fachhochschule bei 9,3°C (1971-2000: 8,4°C), also ein leichtes Plus von 1,1 °C. In den letzten 50 Jahren schwankten die Temperaturen im Frühling in Nordhausen zwischen 6,1°C (1970) und 11,8°C (2009).
Und nun auf in den Sommer: Der Jahreszeitentrend des Deutschen Wetterdienstes zeigt nach wie vor einen eher zu warmen Sommer im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten an. Lassen wir uns doch einfach mal vom Wetter überraschen.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
