nnz-Doku: Glück auf - Jürgen!
Montag, 19. Juli 2010, 17:34 Uhr
In der vergangenen Woche war Jürgen Hohberg als Bürgermeister der Einheitsgemeinde Sollstedt verabschiedet worden. Dabei gab es auch ein Statement seiner ehemaligen Mitarbeiter, das nnz innerhalb der doku-Reihe veröffentlicht...
Über viele Jahre hinweg wurde mir die Ehre und Bürde zuteil, als Deine Vertretung im Amt zu agieren. Folgerichtig wurde mir auch heute von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die ehrenvolle Aufgabe übertragen, zu Deiner Verabschiedung nach über 20 Jahren im Amt einige Dankesworte aus der Verwaltung an Dich zu richten. Dass dies für mich eine Bürde bedeutet und ich dafür über meinen Schatten springen muss, weiß niemand hier im Saal besser zu beurteilen als Du. Ich hoffe, Du würdigst das entsprechend!
Mehr als 20 Jahre durfte ich Dich auf Deinem Weg begleiten. In dieser Zeit waren wir natürlich nicht immer einer Meinung, haben aber immer ein gemeinsames Ziel vor Augen gehabt: Unseren Heimatort voranzubringen, möglichst immer an die Spitze. Vieles davon ist gelungen, aber auch einige Rückschläge haben wir einstecken müssen. Doch wie heißt es so schön: Zu stürzen ist keine Schande, nicht wieder aufzustehen schon! und Du bist immer wieder aufgestanden! Dazu fällt mir als Paradebeispiel unser Sollstedter Markt ein.
Als eine der ersten Kommunen in Thüringen hatten wir schon 1991 einen modernen Einkaufsmarkt, der war Dein ganzer Stolz. Gleich nach Deiner Amtsübernahme war es Deinem Verhandlungsgeschick geschuldet, die Investoren nach Sollstedt zu holen. Dann, vor ein paar Jahren, wurde dieser Markt Dein größtes Sorgenkind und diesmal war es Deiner sprichwörtlichen Beharrlichkeit zu verdanken, dass der schon tot gesagte Markt wiederbelebt wurde. Beides waren enorme Leistungen!
Sollstedt galt zu DDR-Zeiten auf Grund des Kaliwerkes als relativ reich gesegnet mit sozialistischen Errungenschaften. Fast alles wurde nach der Wende zu Problemfällen, die keiner mehr bezahlen konnte. Altschulden auf dem Wohnungsbestand, 80 Wendewohnungen, die uns ad hoc eine Kreditbelastung von über 10 Mio DM einbrachten und die in einem miserablen Zustand errichtet waren. Mehrere Kindergärten und Kinderkrippen, deren zahlreiche Mitarbeiterinnen plötzlich unsere waren, eine Schwimmhalle und ein Freibad, marode Straßen, Ver- und Entsorgungsleitungen sowie zahlreiche gemeindeeigene Gebäude mit Reparaturstau in Größenordnungen, durch Schließung des Kaliwerkes ein Heer von Arbeitslosen usw. usw.
Für all das mussten Lösungen her – Gemeinderats- und Ausschusssitzungen dauerten nicht selten bis Mitternacht und länger. Alle waren in den Sozialismus hineingeboren und mussten die Marktwirtschaft erst lernen. Dann hieß es Gesellschaften, Vereine und Verbände zu gründen, um alles Erforderliche auf den Weg zu bringen. So entstanden SWBG, WVS, Förderverein Soziales Zentrum, Wasser- und Abwasserzweckverband u.v.m. Aus heutiger Sicht kann man sagen, nicht alles, aber das meiste haben wir richtig gemacht. Wie eben schon erwähnt: Alles, was Geld kostete, wurde nach dem Kommunalvermögensgesetz kommunales Eigentum – die Energieversorgung aber war von der letzten DDR-Regierung an die Stromriesen verhökert worden.
Dagegen hat die Gemeinde Sollstedt zusammen mit 163 weiteren Kommunen vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt und Du hattest als einer von drei Bürgermeistern die Aufgabe, dies den Herren in den roten Roben in der mündlichen Verhandlung in Stendal klarzumachen. Dass Dir das sehr gut gelungen ist konnte man daran sehen, dass maßgeblich durch Deinen emotionalen Vortrag bei den Verfassungsrichtern ein Umdenken erfolgte und sie einen Vergleichsvorschlag unterbreiteten, mit dem letztlich alle einverstanden waren. Davon profitieren wir noch heute, indem wir jährlich Dividende aus dem uns zugesprochenen Aktienkapital des Stromkonzerns e-on erzielen. Die Aktien stellen einen Wert von mehr als 1 Mio Euro an Gemeindevermögen dar.
Wenn jemand das Amt eines Bürgermeisters über 20 Jahre innehat, hat er sich naturgemäß nicht nur Freunde gemacht. Über die Jahre hinweg mehren sich die Feinde, denn Wohltaten werden gern genommen, aber meist als selbstverständlich angesehen, Gegenteiliges bleibt hartnäckig im Gedächtnis haften. Insofern war es wohl eine richtige Entscheidung, es mit den 20 Jahren sein Bewenden zu lassen und mehr auf Deine Gesundheit zu achten. 20 Jahre unter Volldampf hatten da zwangsläufig einige Spuren hinterlassen.
Bei einem Rückblick auf die vergangenen 20 Jahre im Namen unserer Belegschaft dürfen die Hundertschaften von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht unerwähnt bleiben, denen Du mit einer zeitweiligen Beschäftigung bei der Gemeinde Brücken zu bauen versuchtest, sei es zum ersten Arbeitsmarkt oder zur Rente. Beim Arbeitsamt Nordhausen traf schon im Juli 1990 der allererste Antrag auf Genehmigung einer ABM ein, natürlich aus Sollstedt! Wenig später brachte Dir das ein wenig despektierlich den Namen ABM-Pabst ein – um einige Jahre später von den meisten, die davon profitiert hatten, vergessen zu werden.
Doch nicht alle werten dies heute als Selbstverständlichkeit. Einige unserer jetzigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind über eine ABM oder aus dem Zivildienst in ein festes Arbeitsverhältnis bei der Gemeinde Sollstedt übernommen worden. Im Laufe der 20 Jahre, in denen Du unsere Geschicke geleitet hast, hat sich so ein Generationenwechsel vollzogen. Betrug das Durchschnittsalter anfangs um die 50, liegt es jetzt bei etwa 40 Jahren mit sinkender Tendenz. Die Alten, von denen ich eine der letzten bin, verabschieden sich nach und nach in den Ruhestand, doch keiner hinterlässt Spuren wie Du.
In Deiner Freizeit hast Du am Beginn Deiner Amtszeit auf der Schulbank gesessen, mit Augen und Ohren in unserer Partnergemeinde geklaut, gemeinsam sind wir von einem Ministerium zum anderen gereist und haben mit vereinten Kräften versucht, aus den unterschiedlichsten Fördertöpfen so viel Geld wie möglich nach Sollstedt zu holen, u.a. auch bei der Treuhand und bei der GVV.
Oft ist dies gelungen, hin und wieder war nichts zu machen. Wenn heute jemand meint, das Geld sei in der 90ern nur so vom Himmel gefallen, der sollte sich in anderen Orten umsehen und sich vom Gegenteil überzeugen. Dazu braucht man gar nicht weit zu reisen. Das Zitat von Gorbatschow Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! trifft den Nagel auf den Kopf. Du warst aber meistens rechtzeitig da! Der Name Hohberg war fast überall geläufig und öffnete auch Türen.
Du hast Dich überall eingebracht, zuweilen war es schon des Guten zuviel, denn auch für unsere Verwaltung bedeuteten die unzähligen Funktionen zunächst einmal Arbeit. Wir haben unter Deiner Leitung Dutzende Stellungnahmen zu Gesetzentwürfen des Landes als Geschäftsstelle des Kreisverbandes des Gemeinde- und Städtebundes verfasst, Entscheidungshilfen für unsere Zweckverbände und Gesellschaften erarbeitet, Vorlagen für Kreistagsbeschlüsse geprüft u.v.m. Letzlich war dies alles aber immer auch zum Vorteil für unsere Gemeinde, denn wir hatten immer Informationen aus erster Hand, konnten rechtzeitig gegensteuern oder unterstützen.
Als ein Beispiel von vielen sei hier die Schwimmhalle erwähnt (im Kreistag meistens Hohberg’s Schwimmhalle genannt). Ohne Dein unermüdliches Engagement wäre die wohl schon in den 90ern, spätestens aber 2006 gestorben, als sie schon einmal probeweise wegen Baumängeln geschlossen worden war. Die nnz-online titelte am 22.08.2006 Hohberg gibt nicht auf und Gott sei Dank hast Du das nicht getan, auch wenn es damals noch so ausweglos erschien. Dass die Halle heute umfassend saniert und damit langfristig erhalten werden kann, haben Dir noch einige nachfolgende Generationen zu danken.
1995 hing Wülfingerode finanziell in den Seilen. Ohne die Eingemeindung nach Sollstedt wäre von da an alles auf der Strecke geblieben, was in den Folgejahren von der Einheitsgemeinde geschultert wurde. Nur so konnten die Baumaßnahmen im Rahmen der Dorferneuerung zu Ende geführt, die Lohwiese als Festplatz erhalten, das Feuerwehrgerätehaus umfassend modernisiert, die heute rege genutzte Begegnungsstätte geschaffen und noch einige Straßen grundhaft ausgebaut werden, um hier nur einiges zu nennen. Nicht zu vergessen die äußerst kostenintensiven Hochwasserschutzmaßnahmen am Ascheröder und Rehunger Bach, deren dringende Notwendigkeit sich nach dem verheerenden Unwetter im Mai 2000 zeigte.
Dieses Naturereignis blieb uns aber noch aus einem anderen Grund in Erinnerung, denn es war der Auslöser, der Dich von einem kategorischen Gegner zu einem der intensivsten Nutzer eines Mobiltelefons unserer Galaxie machte. Waren bis dahin Faxe Deine große Leidenschaft, gesellten sich nun noch sms undmms hinzu. Wer aus Deinem näheren und weiteren Umfeld kann da nicht ein Liedchen von singen?!
Im Jahr 2008 war es in unserem jetzigen Ortsteil Rehungen so weit: Trotz einer Überbrückungshilfe vom Land und einigen unbürokratischen Hilfestellungen seitens der Gemeinde Sollstedt war die Luft raus – die Schützenstraße und die Kirchgasse hätten ohne eine Eingemeindung nicht mehr gebaut werden können. Die mahnenden Worte, die Du als Bürgermeister der Gemeinde Sollstedt ausgesprochen hast, verhallten ungehört. Der Haushalt der Gemeinde Sollstedt wurde durch den Zusammenschluss mit erheblichen Verbindlichkeiten belastet. Das Zusammentreffen dieser Situation mit den damals noch nicht absehbaren Auswirkungen der Finanzkrise führte dazu, dass die Gemeinde Sollstedt derzeit quasi handlungsunfähig ist. Gesucht wird jetzt jemand, der bereit und in der Lage ist, Deine Nachfolge anzutreten und die Gemeinde aus diesem Dilemma zu führen. Dazu gibt es sicherlich Wege, aber die werden steinig.
Alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Dank Deines Führungsstils hoch motiviert, können jedoch Entscheidungen nur engagiert umsetzen, nicht treffen. Jeder kann aber aus seinem Erfahrungsschatz seinen Beitrag dazu leisten, dass es bald wieder aufwärts geht und unsere Gemeinde weiter blüht und gedeiht. Eins ist aber heute schon gewiss: Du wirst uns fehlen. Wir waren uns immer darüber einig: Jeder ist ersetzbar, es geht immer weiter, die Frage ist nur Wie? und die kann uns nur die Zukunft beantworten.
Abschließend möchte ich Dir im Namen der gesamten Belegschaft der Gemeinde Sollstedt nochmals unser aller Dank für die gemeinsame Zeit aussprechen. Möge es Dir in Zukunft ohne uns gut, vielleicht sogar besser gehen.
Frau Eisenhuth, im Namen aller Mitarbeiter
Autor: nnzÜber viele Jahre hinweg wurde mir die Ehre und Bürde zuteil, als Deine Vertretung im Amt zu agieren. Folgerichtig wurde mir auch heute von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die ehrenvolle Aufgabe übertragen, zu Deiner Verabschiedung nach über 20 Jahren im Amt einige Dankesworte aus der Verwaltung an Dich zu richten. Dass dies für mich eine Bürde bedeutet und ich dafür über meinen Schatten springen muss, weiß niemand hier im Saal besser zu beurteilen als Du. Ich hoffe, Du würdigst das entsprechend!
Mehr als 20 Jahre durfte ich Dich auf Deinem Weg begleiten. In dieser Zeit waren wir natürlich nicht immer einer Meinung, haben aber immer ein gemeinsames Ziel vor Augen gehabt: Unseren Heimatort voranzubringen, möglichst immer an die Spitze. Vieles davon ist gelungen, aber auch einige Rückschläge haben wir einstecken müssen. Doch wie heißt es so schön: Zu stürzen ist keine Schande, nicht wieder aufzustehen schon! und Du bist immer wieder aufgestanden! Dazu fällt mir als Paradebeispiel unser Sollstedter Markt ein.
Als eine der ersten Kommunen in Thüringen hatten wir schon 1991 einen modernen Einkaufsmarkt, der war Dein ganzer Stolz. Gleich nach Deiner Amtsübernahme war es Deinem Verhandlungsgeschick geschuldet, die Investoren nach Sollstedt zu holen. Dann, vor ein paar Jahren, wurde dieser Markt Dein größtes Sorgenkind und diesmal war es Deiner sprichwörtlichen Beharrlichkeit zu verdanken, dass der schon tot gesagte Markt wiederbelebt wurde. Beides waren enorme Leistungen!
Sollstedt galt zu DDR-Zeiten auf Grund des Kaliwerkes als relativ reich gesegnet mit sozialistischen Errungenschaften. Fast alles wurde nach der Wende zu Problemfällen, die keiner mehr bezahlen konnte. Altschulden auf dem Wohnungsbestand, 80 Wendewohnungen, die uns ad hoc eine Kreditbelastung von über 10 Mio DM einbrachten und die in einem miserablen Zustand errichtet waren. Mehrere Kindergärten und Kinderkrippen, deren zahlreiche Mitarbeiterinnen plötzlich unsere waren, eine Schwimmhalle und ein Freibad, marode Straßen, Ver- und Entsorgungsleitungen sowie zahlreiche gemeindeeigene Gebäude mit Reparaturstau in Größenordnungen, durch Schließung des Kaliwerkes ein Heer von Arbeitslosen usw. usw.
Für all das mussten Lösungen her – Gemeinderats- und Ausschusssitzungen dauerten nicht selten bis Mitternacht und länger. Alle waren in den Sozialismus hineingeboren und mussten die Marktwirtschaft erst lernen. Dann hieß es Gesellschaften, Vereine und Verbände zu gründen, um alles Erforderliche auf den Weg zu bringen. So entstanden SWBG, WVS, Förderverein Soziales Zentrum, Wasser- und Abwasserzweckverband u.v.m. Aus heutiger Sicht kann man sagen, nicht alles, aber das meiste haben wir richtig gemacht. Wie eben schon erwähnt: Alles, was Geld kostete, wurde nach dem Kommunalvermögensgesetz kommunales Eigentum – die Energieversorgung aber war von der letzten DDR-Regierung an die Stromriesen verhökert worden.
Dagegen hat die Gemeinde Sollstedt zusammen mit 163 weiteren Kommunen vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt und Du hattest als einer von drei Bürgermeistern die Aufgabe, dies den Herren in den roten Roben in der mündlichen Verhandlung in Stendal klarzumachen. Dass Dir das sehr gut gelungen ist konnte man daran sehen, dass maßgeblich durch Deinen emotionalen Vortrag bei den Verfassungsrichtern ein Umdenken erfolgte und sie einen Vergleichsvorschlag unterbreiteten, mit dem letztlich alle einverstanden waren. Davon profitieren wir noch heute, indem wir jährlich Dividende aus dem uns zugesprochenen Aktienkapital des Stromkonzerns e-on erzielen. Die Aktien stellen einen Wert von mehr als 1 Mio Euro an Gemeindevermögen dar.
Wenn jemand das Amt eines Bürgermeisters über 20 Jahre innehat, hat er sich naturgemäß nicht nur Freunde gemacht. Über die Jahre hinweg mehren sich die Feinde, denn Wohltaten werden gern genommen, aber meist als selbstverständlich angesehen, Gegenteiliges bleibt hartnäckig im Gedächtnis haften. Insofern war es wohl eine richtige Entscheidung, es mit den 20 Jahren sein Bewenden zu lassen und mehr auf Deine Gesundheit zu achten. 20 Jahre unter Volldampf hatten da zwangsläufig einige Spuren hinterlassen.
Bei einem Rückblick auf die vergangenen 20 Jahre im Namen unserer Belegschaft dürfen die Hundertschaften von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht unerwähnt bleiben, denen Du mit einer zeitweiligen Beschäftigung bei der Gemeinde Brücken zu bauen versuchtest, sei es zum ersten Arbeitsmarkt oder zur Rente. Beim Arbeitsamt Nordhausen traf schon im Juli 1990 der allererste Antrag auf Genehmigung einer ABM ein, natürlich aus Sollstedt! Wenig später brachte Dir das ein wenig despektierlich den Namen ABM-Pabst ein – um einige Jahre später von den meisten, die davon profitiert hatten, vergessen zu werden.
Doch nicht alle werten dies heute als Selbstverständlichkeit. Einige unserer jetzigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind über eine ABM oder aus dem Zivildienst in ein festes Arbeitsverhältnis bei der Gemeinde Sollstedt übernommen worden. Im Laufe der 20 Jahre, in denen Du unsere Geschicke geleitet hast, hat sich so ein Generationenwechsel vollzogen. Betrug das Durchschnittsalter anfangs um die 50, liegt es jetzt bei etwa 40 Jahren mit sinkender Tendenz. Die Alten, von denen ich eine der letzten bin, verabschieden sich nach und nach in den Ruhestand, doch keiner hinterlässt Spuren wie Du.
In Deiner Freizeit hast Du am Beginn Deiner Amtszeit auf der Schulbank gesessen, mit Augen und Ohren in unserer Partnergemeinde geklaut, gemeinsam sind wir von einem Ministerium zum anderen gereist und haben mit vereinten Kräften versucht, aus den unterschiedlichsten Fördertöpfen so viel Geld wie möglich nach Sollstedt zu holen, u.a. auch bei der Treuhand und bei der GVV.
Oft ist dies gelungen, hin und wieder war nichts zu machen. Wenn heute jemand meint, das Geld sei in der 90ern nur so vom Himmel gefallen, der sollte sich in anderen Orten umsehen und sich vom Gegenteil überzeugen. Dazu braucht man gar nicht weit zu reisen. Das Zitat von Gorbatschow Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! trifft den Nagel auf den Kopf. Du warst aber meistens rechtzeitig da! Der Name Hohberg war fast überall geläufig und öffnete auch Türen.
Du hast Dich überall eingebracht, zuweilen war es schon des Guten zuviel, denn auch für unsere Verwaltung bedeuteten die unzähligen Funktionen zunächst einmal Arbeit. Wir haben unter Deiner Leitung Dutzende Stellungnahmen zu Gesetzentwürfen des Landes als Geschäftsstelle des Kreisverbandes des Gemeinde- und Städtebundes verfasst, Entscheidungshilfen für unsere Zweckverbände und Gesellschaften erarbeitet, Vorlagen für Kreistagsbeschlüsse geprüft u.v.m. Letzlich war dies alles aber immer auch zum Vorteil für unsere Gemeinde, denn wir hatten immer Informationen aus erster Hand, konnten rechtzeitig gegensteuern oder unterstützen.
Als ein Beispiel von vielen sei hier die Schwimmhalle erwähnt (im Kreistag meistens Hohberg’s Schwimmhalle genannt). Ohne Dein unermüdliches Engagement wäre die wohl schon in den 90ern, spätestens aber 2006 gestorben, als sie schon einmal probeweise wegen Baumängeln geschlossen worden war. Die nnz-online titelte am 22.08.2006 Hohberg gibt nicht auf und Gott sei Dank hast Du das nicht getan, auch wenn es damals noch so ausweglos erschien. Dass die Halle heute umfassend saniert und damit langfristig erhalten werden kann, haben Dir noch einige nachfolgende Generationen zu danken.
1995 hing Wülfingerode finanziell in den Seilen. Ohne die Eingemeindung nach Sollstedt wäre von da an alles auf der Strecke geblieben, was in den Folgejahren von der Einheitsgemeinde geschultert wurde. Nur so konnten die Baumaßnahmen im Rahmen der Dorferneuerung zu Ende geführt, die Lohwiese als Festplatz erhalten, das Feuerwehrgerätehaus umfassend modernisiert, die heute rege genutzte Begegnungsstätte geschaffen und noch einige Straßen grundhaft ausgebaut werden, um hier nur einiges zu nennen. Nicht zu vergessen die äußerst kostenintensiven Hochwasserschutzmaßnahmen am Ascheröder und Rehunger Bach, deren dringende Notwendigkeit sich nach dem verheerenden Unwetter im Mai 2000 zeigte.
Dieses Naturereignis blieb uns aber noch aus einem anderen Grund in Erinnerung, denn es war der Auslöser, der Dich von einem kategorischen Gegner zu einem der intensivsten Nutzer eines Mobiltelefons unserer Galaxie machte. Waren bis dahin Faxe Deine große Leidenschaft, gesellten sich nun noch sms undmms hinzu. Wer aus Deinem näheren und weiteren Umfeld kann da nicht ein Liedchen von singen?!
Im Jahr 2008 war es in unserem jetzigen Ortsteil Rehungen so weit: Trotz einer Überbrückungshilfe vom Land und einigen unbürokratischen Hilfestellungen seitens der Gemeinde Sollstedt war die Luft raus – die Schützenstraße und die Kirchgasse hätten ohne eine Eingemeindung nicht mehr gebaut werden können. Die mahnenden Worte, die Du als Bürgermeister der Gemeinde Sollstedt ausgesprochen hast, verhallten ungehört. Der Haushalt der Gemeinde Sollstedt wurde durch den Zusammenschluss mit erheblichen Verbindlichkeiten belastet. Das Zusammentreffen dieser Situation mit den damals noch nicht absehbaren Auswirkungen der Finanzkrise führte dazu, dass die Gemeinde Sollstedt derzeit quasi handlungsunfähig ist. Gesucht wird jetzt jemand, der bereit und in der Lage ist, Deine Nachfolge anzutreten und die Gemeinde aus diesem Dilemma zu führen. Dazu gibt es sicherlich Wege, aber die werden steinig.
Alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Dank Deines Führungsstils hoch motiviert, können jedoch Entscheidungen nur engagiert umsetzen, nicht treffen. Jeder kann aber aus seinem Erfahrungsschatz seinen Beitrag dazu leisten, dass es bald wieder aufwärts geht und unsere Gemeinde weiter blüht und gedeiht. Eins ist aber heute schon gewiss: Du wirst uns fehlen. Wir waren uns immer darüber einig: Jeder ist ersetzbar, es geht immer weiter, die Frage ist nur Wie? und die kann uns nur die Zukunft beantworten.
Abschließend möchte ich Dir im Namen der gesamten Belegschaft der Gemeinde Sollstedt nochmals unser aller Dank für die gemeinsame Zeit aussprechen. Möge es Dir in Zukunft ohne uns gut, vielleicht sogar besser gehen.
Frau Eisenhuth, im Namen aller Mitarbeiter
