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nnz-Wetterrückblick: Heißer Sommermonat

Montag, 02. August 2010, 14:46 Uhr
Der Juli ist vorbei – und mit ihm auch das heiße Sommerwetter. Kühlere Luftmassen in den letzten Juli-Tagen haben den Extremhitze-Rekord-Juli zunichte gemacht, und auch Nordhausen hat keinen neuen Temperaturrekord, weiß Wetter-Expertin Dr. Parnieske-Pasterkamp zu berichten...


Mit 23,1°C mittlerer Lufttemperatur war es der zweitwärmste Monat auf dem Campus der FH seit Aufzeichnungsbeginn in 2006 (2006: 23,5°C). In den Aufzeichnungen von Herrn Tauchmann findet sich kein derart warmer Juli: Mit 22,6°C war der Juli 1994 der bisher wärmste in Nordhausen (Salza) – seit 1956. Überhaupt war der Juli 2010 der zweitwärmste Monat der letzten 54 Jahre in Nordhausen.

Betrachten wir die Lufttemperaturen, gemessen in 2 m Höhe, etwas genauer. Zwischen 9,9° (25. Juli) und 40,1°C (10. Juli) warm war es. Drei echte Tropennächte mit Tiefstwerten über 20°C wurden registriert (10., 11. und 12. Juli). Dazu kamen drei Nächte mit Temperaturen zwischen 19° und 20°C (4., 13. und 22. Juli). Ab dem 25. Juli wurde es dann mit Temperaturen zwischen 10° und 15°C wieder angenehmer in den Nächten.

Tagsüber war es wirklich richtig heiß. 17 heiße Tage mit Temperaturen über 30°C wurden auf dem Campus gemessen. Dazu kamen noch 10 Sommertage mit Temperaturen über 25°C. An nur vier Tagen kletterte damit das Thermometer nicht über 25°C. Die Luftströmungen kamen überwiegend aus westlichen bis südwestlichen Richtungen zu uns. Die richtig heißen Tage haben wir jedoch eher (süd-)östlichen Luftströmungen zu verdanken, deren Ursprung im Balkan zu suchen ist.

Ein sich gegen den Uhrzeigersinn drehendes Tief über Nordfrankreich in Verbindung mit einem im Uhrzeigersinn drehenden Hoch über Polen und Russland zog die heiße Luft an und bescherte uns auf dem Campus satte 40°C. Der 10. Juli war glücklicherweise ein Samstag und dem Schwimmbadbesuch stand so nichts im Weg.

Nicht nur heiß, sondern auch trocken ist es in Nordthüringen im Jahr 2010. Im Juli wurden zwar 34,2 mm Niederschlag gesammelt. Das sind allerdings nur 68% der langjährigen Niederschläge im Juli. Damit rangiert der Juli auf dem zweiten Platz hinter dem Mai im Jahr 2010. Hier wurden 35,5 mm registriert. In der Summe fielen damit in Nordhausen im Jahr 2010 bisher 146 Liter auf einen Quadratmeter.

Im Vergleich zu langjährigen Niederschlagssummen bis Ende Juli sind es rund 200 l/m² zu wenig. Auch die Verteilung der Niederschläge ist beachtenswert: Es hat zwar an 11 Tagen geregnet, aber am 26. Juli fielen dann am Nachmittag innerhalb von 2 Stunden 40% des Monatsniederschlags.

Die Niederschlagsmenge ist das eine – das andere ist die mögliche Verdunstung des Bodenwassers. Nach HAUDE konnten theoretisch in diesem Jahr bisher 628 mm Niederschlag wieder verdunsten. Was bedeutet das? Die sogenannte klimatische Wasserbilanz für Nordhausen ist in diesem Jahr bisher mit 480 mm im Soll. Eine negative Bilanz bedeutet eigentlich aride (trockene bzw. wüstenartige) Verhältnisse.

Der Boden ist ausgetrocknet, der Bodenwasservorrat erschöpft. Im Garten muss fleißig gegossen werden, auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche dahingegen bedeutet diese Trockenheit finanzielle Einbußen. Die Notreife des Weizens und frühzeitige Blattverfärbungen sind nur zwei Reaktionen der Vegetation auf das trockene und heiße Wetter.

Die Sonne schien 233 Stunden und die Globalstrahlung erreichte im Durchschnitt 222 W/m². Dies sind keine Extremwerte. Diese Werte liegen im Bereich des Normalen. Im Vergleich zu den Aufzeichnungen von Herrn Tauchmann, der die direkte Sonneneinstrahlung bzw. Sonnenscheindauer seit 1972 gemessen hat, schien die Sonne jedoch ein wenig länger (215 Stunden im Durchschnitt, Maximum in 1994: 311 Stunden).

Nachdem der Juli mit Rekordwetter startete, haben die Hundstage, die ab dem 23. Juli eigentlich bis Ende August für stabiles Sommerwetter sorgen sollten bisher nicht gehalten, was man ihnen nachsagt. Derzeit regiert eher kühleres und feuchteres Wetter Nordhausen. Aber immerhin war das letzte Juli-Wochenende dann doch noch mal schön warm, die Nachttemperatur sank nur auf knapp 18°C und geregnet hat es auch nicht - zum diesjährigen Altstadtfest in Nordhausen.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz

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