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nnz-Forum: Wirrwarr beim Notdienst

Freitag, 06. August 2010, 08:52 Uhr
Wer - gesundheitlich gesehen - plötzlich zu einem Notfall wird, der kann in Nordhausen was erleben. Eine Betroffene hat einen solchen Notfall dokumentiert und kommt zu dem Schluss, dass das Gesundheitssystem der mit Abstand größte Notfall sein muss...


"Am Mittwoch dieser Woche bekam ich auf Arbeit einen allergischen Anfall, welcher mit schwerer Atemnot verbunden war. Mein Kollege fuhr mich umgehend in das Südharzkrankenhaus, eine andere Kollegin meldete mich telefonisch bereits in der Notaufnahme an. Bei dem Notdienst wurde mir lediglich eine schlechte Kopie mit einer Telefonnummer (Hotline) gegeben und gesagt, ich solle doch vor das Krankenhaus gehen, die Nummer anrufen und dann würde mir geholfen. Das tat ich auch, allerdings nahm niemand unter der angegebenen Nummer ab, es wurden lediglich die aktuellen Sprechzeiten angesagt.

Mein Kollege und ich beschlossen zurück an den Arbeitsplatz zu fahren, da sich mein Gesundheitszustand kurzfristig besserte. Während der Fahrt verschlechterte sich dieser dennoch zusehnst, so dass ich erneut die Hotline anrief. Diesmal melde sich nach geraumer Wartezeit die diensthabende Notärztin. Sie sagte mir, dass sie mir nicht helfen könne, da sie keinen Fahrer und auch kein Fahrzeug hätte. Ich solle doch zurück in die Notaufnahme fahren und mir ein Rezept für Asthmaspray geben lassen, da dies verschreibungspflichtig sei.

Die Notaufnahme war allerdings nicht besetzt, so dass wir etwa fünf Minuten warteten, bis eine Praktikantin kam, welche langsam nach einer Kollegin suchte. Als wir endlich bei dieser vorsprechen konnten gab diese uns zu verstehen, dass sie gar keine Rezepte ausstellen darf. Meine Atemnot wurde immer akuter, so dass die Krankenschwester dann selbst bei der diensthabenden Notärztin anrief. Diese befand sich ebenfalls im Südharz-Krankenhaus, so dass mein Anruf und unserer Fahrten vom und zum Krankenhaus zurück eigentlich unnötig waren.

Hätte die Krankenschwester anstatt uns einen Zettel mit einer Hotline zu geben gleich bei der Notärztin angerufen bzw. mir sofort ein Rezept für das Asthmaspray gegeben, wären mir viel Stress, Schmerzen in der Lunge und Schwindelgefühl auf Grund des Sauerstoffmangels erspart geblieben. Nachdem ich im Behandlungszimmer der Notaufnahme auf die diensthabende Notärztin traf, stelle diese mir lediglich ein Rezept für besagtes Spray aus. Behandelt wurde ich im Krankenhaus nicht. So musste ich erst noch in eine Apotheke um dort das Spray, welches sofort Wohlergehen brachte, zu bekommen und zu inhalieren. Auch dieser Weg war unnötig, wenn mir die Ärztin zwei Sprühstöße des Sprays im Behandlungszimmer verabreicht hätte.

Der Service im Südharz-Krankenhaus und von der diensthabenden Notärztin lassen sehr zu wünschen übrig und man muss hoffen, dass ein akuter Ernstfall in Nordhausen und Umgebung ausbleibt, da schnelle und unbürokratische Hilfe in der Notaufnahme Nordhausen Fremdwörter sind.
AN /SK, Namen sind der Redaktion bekannt

Die nnz hat im Südharz-Krankenhaus in Nordhausen nachgefragt. Dazu gibt es seitens der Geschäftsleitung folgende Erklärung:

Es gibt ein klare Trennung zwischen der Rettungsstelle des Südharz-Krankenhauses und dem Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Der KV-Notdienst ist lediglich Mieter in den Räumen des Krankenhauses. Das Südharz-Krankenhaus kann und darf keine Rezepte ausstellen. Die Rettungsstelle ist grundsätzlich für die stationäre Versorgung der Notfälle zuständig und in dringenden Fällen, sofern der Notdienst verhindert oder nicht answesend ist. Jedoch können auch in diesem Fall keine Rezepte ausgestellt werden, lediglich eine Notversorgung ist zugelassen.
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz

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