"Ich habe geschwiegen"
Freitag, 13. August 2010, 21:30 Uhr
Die "Bunten Wege" die zur Zeit in Nordhausen entstehen, sollen nicht nur Toleranz und Respekt gegenüber anderen anmahnen, sie sollen auch ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen. In diesem Sinne haben heute die Kinder des Kinderkirchenladens der Evangelischen Gemeinde, neben dem anlegen der bunten Hand- und Fußabdrücke, mit dem Zitat eines mutigen Mannes, ihren ganz eigenen Beitrag geleistet...
"Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie die Juden holten, habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte."
Die Worte Martin Niemöllers zieren seit heute einen Teil des Blasii-Kirchplatzes und sind im Rahmen der Aktion der "Bunten Wege" entstanden. Die heutige farbenfrohe Malerei war zwar in der Länge bei weitem nicht so umfangreich wie die gestrige, die vom Mehrgenerationenhaus ausgegangen war und die Wege von der Reichstraße bis zum August-Bebel-Platz erweiterte, ging dafür aber zunehmend in die Breite. Die sichtlich engagierten Kinder pflasterten freudig große Teile des Kirchplatzes mit ihren Hand- und Fußabdrücken ehe sie das heutige Ziel, den Eine-Welt-Laden des Schrankenlos-Vereins erreichten.
Im Gegensatz zu den Abdrücken, die von den Kindern in ihrem Enthusiasmus, so schien es, dort verteilt wurden wo es ihnen gerade richtig erschien, nahm man sich viel Zeit um das Zitat in reinem Weiß und möglichst sauber auf das Pflaster zu bringen. Schließlich wussten die Kinder auch, was die Worte Niemöllers eigentlich verdeutlichen, hatte man sich doch schon vor den Ferien im KILA mehrfach mit dem faszinierenden Pfarrer auseinandergesetzt. Der Lebensweg dieses Mannes ist nämlich ebenso ungewöhnlich wie interessant und lehrreich.
Der spätere Pfarrer war während des ersten Weltkrieges U-Boot Kommandant vor Afrika, und bei Freund und Feind als "der Schrecken von Malta" bekannt. Nach dem Ende des Krieges will der Kriegsheld Bauer werden, verliert jedoch wie viele andere sämtliche Ersparnisse durch die Inflation. Als er vor dem Ruin steht, entscheidet er sich im Alter von 27 Jahren noch einmal zu studieren, und Pfarrer zu werden. Das Land in dem er predigen wird, wird jedoch bald ein anderes werden, das sieht Niemöller aber noch nicht kommen. Auch der Pfarrer aus nationalem und Kaisertreuem Hause sieht in Hitler und den Nazis zunächst die Möglichkeit, die Großmachtsphantasien die in den Schützengräben des ersten Weltkrieges begraben wurden, doch noch wahr zu machen.
Der Widerspruch zwischen christlichem Glauben und der Ideologie des Nationalsozialismus wird Niemöller erst mit der Einführung des Arier-Paragraphen offenbar. Niemöller wird Mitbegründer der "Bekennenden Kirche", die sich gegen die Vereinnahmung der Religion durch die Nazis stellt. Seine Predigten in Berlin, die sich gegen den Rassismus des Regimes wenden, führen schließlich zum Prozess gegen Niemöller vor dem Volksgerichtshof. Das Gerichtsverfahren wird international verfolgt, und der Pfarrer wird schließlich sogar freigesprochen. Da er aber Hitler persönlich die Stirn geboten hatte, wurde er noch am Ausgang des Gerichtsgebäudes erneut von de r Gestapo verhaftet. Als "persönlicher Häftling des Führers" verbringt er die Zeit bis zum Kriegsende in den KZ's Sachsenhausen und Dachau.
Die Haft überlebte Niemöller nur knapp. Der Hinrichtungstransport war bereits unterwegs, als die Amerikaner den inzwischen bekannten Hitler-Gegner befreiten. Nach dem Krieg machte der streitbare Pastor, der inzwischen zum Kirchenpräsidenten gewählt worden war, vor allem durch seine Opposition zur Wiederbewaffnung und Atomwaffen auf sich aufmerksam.
Auch wenn Niemöller häufiger polarisierte, und er seiner Gesinnung nach wohl nicht immer als Demokrat zu bezeichnen war, wandelte er sich in der Nachkriegszeit zu einem Botschafter für Frieden, der versuchte zwischen Ost und West zu vermitteln. Er wurde Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft, unterstütze die ersten Kriegsdienstverweigerer und schaltete sich sogar in den Vietnam Konflikt ein. Man heftete ihm den Lenin-Friedenspreis der UdSSR ebenso an wie das Großkreuz des Bundesverdienstordens und viele weitere Ehrungen. Das Ende des Kalten Krieges und den Fall der Berliner Mauer erlebte er jedoch nicht mehr.
Den Geist Niemöllers und seine pazifistische, antinazistische Einstellung machen sein Zitat, das seit heute den Blasii-Kirchplatz ziert, zu einem hervorragendem Sinnbild und einer glänzenden Ergänzung für die Idee der "Bunten Wege" und des Bundesprogrammes "Vielfalt tut gut" in dessen Rahmen die Wege entstehen.
Autor: agl"Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie die Juden holten, habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte."
Die Worte Martin Niemöllers zieren seit heute einen Teil des Blasii-Kirchplatzes und sind im Rahmen der Aktion der "Bunten Wege" entstanden. Die heutige farbenfrohe Malerei war zwar in der Länge bei weitem nicht so umfangreich wie die gestrige, die vom Mehrgenerationenhaus ausgegangen war und die Wege von der Reichstraße bis zum August-Bebel-Platz erweiterte, ging dafür aber zunehmend in die Breite. Die sichtlich engagierten Kinder pflasterten freudig große Teile des Kirchplatzes mit ihren Hand- und Fußabdrücken ehe sie das heutige Ziel, den Eine-Welt-Laden des Schrankenlos-Vereins erreichten.
Im Gegensatz zu den Abdrücken, die von den Kindern in ihrem Enthusiasmus, so schien es, dort verteilt wurden wo es ihnen gerade richtig erschien, nahm man sich viel Zeit um das Zitat in reinem Weiß und möglichst sauber auf das Pflaster zu bringen. Schließlich wussten die Kinder auch, was die Worte Niemöllers eigentlich verdeutlichen, hatte man sich doch schon vor den Ferien im KILA mehrfach mit dem faszinierenden Pfarrer auseinandergesetzt. Der Lebensweg dieses Mannes ist nämlich ebenso ungewöhnlich wie interessant und lehrreich.
Der spätere Pfarrer war während des ersten Weltkrieges U-Boot Kommandant vor Afrika, und bei Freund und Feind als "der Schrecken von Malta" bekannt. Nach dem Ende des Krieges will der Kriegsheld Bauer werden, verliert jedoch wie viele andere sämtliche Ersparnisse durch die Inflation. Als er vor dem Ruin steht, entscheidet er sich im Alter von 27 Jahren noch einmal zu studieren, und Pfarrer zu werden. Das Land in dem er predigen wird, wird jedoch bald ein anderes werden, das sieht Niemöller aber noch nicht kommen. Auch der Pfarrer aus nationalem und Kaisertreuem Hause sieht in Hitler und den Nazis zunächst die Möglichkeit, die Großmachtsphantasien die in den Schützengräben des ersten Weltkrieges begraben wurden, doch noch wahr zu machen.
Der Widerspruch zwischen christlichem Glauben und der Ideologie des Nationalsozialismus wird Niemöller erst mit der Einführung des Arier-Paragraphen offenbar. Niemöller wird Mitbegründer der "Bekennenden Kirche", die sich gegen die Vereinnahmung der Religion durch die Nazis stellt. Seine Predigten in Berlin, die sich gegen den Rassismus des Regimes wenden, führen schließlich zum Prozess gegen Niemöller vor dem Volksgerichtshof. Das Gerichtsverfahren wird international verfolgt, und der Pfarrer wird schließlich sogar freigesprochen. Da er aber Hitler persönlich die Stirn geboten hatte, wurde er noch am Ausgang des Gerichtsgebäudes erneut von de r Gestapo verhaftet. Als "persönlicher Häftling des Führers" verbringt er die Zeit bis zum Kriegsende in den KZ's Sachsenhausen und Dachau.
Die Haft überlebte Niemöller nur knapp. Der Hinrichtungstransport war bereits unterwegs, als die Amerikaner den inzwischen bekannten Hitler-Gegner befreiten. Nach dem Krieg machte der streitbare Pastor, der inzwischen zum Kirchenpräsidenten gewählt worden war, vor allem durch seine Opposition zur Wiederbewaffnung und Atomwaffen auf sich aufmerksam.
Auch wenn Niemöller häufiger polarisierte, und er seiner Gesinnung nach wohl nicht immer als Demokrat zu bezeichnen war, wandelte er sich in der Nachkriegszeit zu einem Botschafter für Frieden, der versuchte zwischen Ost und West zu vermitteln. Er wurde Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft, unterstütze die ersten Kriegsdienstverweigerer und schaltete sich sogar in den Vietnam Konflikt ein. Man heftete ihm den Lenin-Friedenspreis der UdSSR ebenso an wie das Großkreuz des Bundesverdienstordens und viele weitere Ehrungen. Das Ende des Kalten Krieges und den Fall der Berliner Mauer erlebte er jedoch nicht mehr.
Den Geist Niemöllers und seine pazifistische, antinazistische Einstellung machen sein Zitat, das seit heute den Blasii-Kirchplatz ziert, zu einem hervorragendem Sinnbild und einer glänzenden Ergänzung für die Idee der "Bunten Wege" und des Bundesprogrammes "Vielfalt tut gut" in dessen Rahmen die Wege entstehen.

