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Das Ende des zweiten Weltkrieges

Montag, 11. Oktober 2010, 21:00 Uhr
War das der krönende Abschluss der Sparkassen-Kulturtage? Stefan Aust – einstige Chefredakteur des Magazin DER SPIEGEL war Gast in der Kreissparkasse. Ein „voller Saal“ ließ erahnen, das Menschen wie Aust selten sind in dieser Region...

Stefan Aust in Nordhausen (Foto: nnz) Stefan Aust in Nordhausen (Foto: nnz)

Was aber hatte der uns noch zu sagen – über die Wende, über das Deutschland davor und das Deutschland danach? Was, was wir, die das vor 21 Jahren „veranstalteten“, nicht selbst schon wissen. Man konnte also neugierig sein. Neugierig war auch KSK-Vorstand Wolfgang Asche, sich über ein volles Haus freuen konnte.

Es sollte eine Expediton durch die Wende-Zeit werden, dieses Buch, für das Aust derzeit auf Werbetour ist und aus dem er heute vorlas: „Deutschland, Deutschland“. 1989 und 1990 hatte er die Ereignisse in der damaligen DDR als Journalist begleitet. Die Kamerateams wurden in den Osten geschickt. Aust selbst hatte die DDR gemieden, den Staat, „in dem die Menschen eingesperrt, die Kindergärten vielleicht doch nicht so gut waren und dieses Berlin, in dem es kälter war als in Berlin-West“.

SPIEGEL-TV war es, Aust der Chef, der Cutter, der Texter, der in der Ost-Republik unterwegs war. Die Story des Buches beginnt mit dem Fall der Mauer in Berlin, der „Tag, an dem der zweite Weltkrieg zu Ende ging“. Die Bilder sind bekannt. Aust jedoch saß im Hamburger Studio und konnte sich nicht vorstellen, dass die Einheit ein Jahr später schon vier Tage Geschichte war.

Aust’s Lieblingsthema und das von Spiegel-TV waren in diesen Monaten die Stasi und ihre Machenschaften, Methoden aber auch die Menschen in diesem System. Einige von ihnen, vor allem Oberste, rufen den Mann heute noch an. Und übrigens: Stefan Aust – so gibt er von sich – war immer ein wenig schneller, neugieriger und investigativer als seine Kollegen und stellte mehr Fragen.

Quasi als Alibi teilte Herr Aust mit, wie man den Selbstmord einer alten SED-Genossin begleitet hatte und wie man sich der untergehenden Wirtschaft widmete, man sei ja auch bei „Trabi“ gewesen. Und weil er die Stelle mit den Särgen in seinem eigenem Buch nicht fand, konnten jetzt erst einmal Fragen gestellt werden.

Das übernahm Dietrich Rose, der wissen wollte, ob der Herr Aust irgendwann mal mit der RAF sympathisiert habe? Ganz klar: Nein, niemals, weil er ahnte, dass alles in Mord und Totschlag enden würde. Er sei der Reporter gewesen, der daneben steht und beobachtet. Hans-Georg Backhaus wollte wissen, wie der Aust den 3. Oktober als Termin für den Nationalfeiertag sehe? Antwort: Eigentlich emotionslos. Und dann noch endlich die Geschichte mit den Särgen.

Die Sparkassen-Kulturtage sind vorbei. Es wurde auch in diesem Jahr sehr viel geboten, und das nicht nur in Nordhausen. Das Finale war einem Mann vorbehalten, der mit seinen Leuten zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle war, der mit Ulrike Meinhoff in eine Schule ging und mit Rudi Dutschke in Prag 1968 den damaligen Frühling erlebte. Es war aber auch der Mann, der nicht nur für die DDR damals nicht viel übrig hatte, sondern auch für die jetzigen NBL's kein großes Herz hat. Siehe die Zeit seines Wirkens beim SPIEGEL. 14 Jahre waren es - mit einem Ende, das dem heute 64jährigen nicht unbedingt gefallen hat.
Autor: nnz

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