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Die ersten Frühlingsblüher

Dienstag, 08. Februar 2011, 18:22 Uhr
Gibt es schon Leser, die die ersten Winterlinge des Jahres 2011, und damit, abgesehen von einigen ganz wenigen anderen Arten, die erste wirklich auffallende Blüte des nahenden Vorfrühlings gesehen haben?

Frühling in Nordhausen (Foto: B. Schwarzberg) Frühling in Nordhausen (Foto: B. Schwarzberg)

Die abgebildeten Pflanzen fand ich am heutigen Nachmittag, geschützt durch die Stadtmauer, an der unteren Wassetreppe. Das Knüllpapier stört zwar ein wenig den Anblick, aber der Anmut des Bildes tut dies keinen Abbruch und es unterstreicht ein wenig den urbanen Charakter des Fundortes.

Der Winterling, lateinisch Eranthis hyemalis, gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse und siedelte ursprünglich in feuchten, edellaubholzreichen Wälder Südosteuropas. Durch den Menschen wurde er jedoch u.a. auch in Mitteleuropa verbreitet. Vermutet wird, dass dies in Deutschland durch den Weinbau geschah. Auf den wärmebegünstigten Weinbergen fand die recht anpassungsfähige Art zusagende Lebensbedingungen, und breitete sich im Laufe der Zeit auch in südexponierten, besonnten Laubwäldern und in den Parkanlagen unserer Städte und Dörfer aus. Mittlereweile wird er auch gern in Gärten kultiviert, und erfreut meist noch vor dem Schneeglöcken Alljene unter uns, die sich nach dem Frühling sehnen.

Seine frühe Blütezeit und der typische Scheinquirl aus glänzenden, tief gespaltenen Laubblättern knapp unter dem leuchtend gelben Perigon, machen ihn unverwechselbar.

Eine besondere Attraktion ist seit 150 Jahren die Winterlingsblüte im oberen Rauhtal bei Jena, wo tausende gelbe Blütensterne den windgeschützten Hang in einem Laubwald schmücken und viele Menschen zum Verweilen einladen.

Den wenigsten Lesern wird zudem bekannt sein, dass sich der Winterling keinesfalls für einen schmackhaften Vorfrühlingssalat eignet: Er ist giftig und enthält herzwirksame Gamma-Chromonderivate, wie z.B. das Eranthin.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnz

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