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Wetterrückblick Nordhausen

Freitag, 04. März 2011, 10:57 Uhr
Eine kurze Auszeit der Klimaerwärmung? Diese Frage stellt sich nnz-Wetterexpertin Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp angesichts der Temperaturen im Monat Februar. Lesen Sie hier die ausführlichen Daten.


Die Klimaveränderung scheint in Nordhausen und Mitteleuropa derzeit eine Pause zu machen. Der Winter 2009/2010 und die drei aktuellen Wintermonate zeigten deutlich zu kühle, aber auch zu nasse Verhältnisse. Wir erinnern uns an den Dezember mit Schneemassen und an den Januar mit einer Tauphase und kräftigem Hochwasser. Trotzdem war das Jahr 2010 nach Aussagen der WMO (World Meteorological Organization) das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung mit einer positiven Abweichung von +0,53°C – zumindest global.

Wetter und Klima, das sind zwei Begriffe, die sehr genau voneinander zu trennen sind. Wetter ist Hitze, Kälte, Frost, Land- und Dauerregen, also der Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort in einer kurzen Zeitspanne – in der Regel Tage. Wetter ist schwer vorhersagbar. Dank moderner Wettersatelliten, die in ca. 36.000 km als geostationäre Satelliten mit der Geschwindigkeit der Erdrotation über uns kreisen, haben die Wetterexperten seit rund 50 Jahren eine gute Datenbasis, um unser Wetter verlässlich für eine bestimmte Region vorherzusagen. Nichtsdestotrotz ist die Erdatmosphäre ein chaotisches System, das auf kleinste Veränderungen unvorhersagbar reagieren kann. Klima hingegen ist das berühmte 30-jährige Mittel, derzeit gültig von 1961 bis 1990 und damit ein langjähriger Mittelwert.

Der Winter 2010/2011 war in Nordhausen zu kalt. Das langjährige Temperaturmittel beträgt 0,3°C, gemessen wurden -1,6°C (2009/2010: -1,8°C). 1963 war der kälteste Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnung in Nordhausen (-5,9°C). Der wärmste Winter seit 1956 wurde 2006/2007 mit +4°C registriert. Betrachtet man den Trend, also die Temperaturentwicklung der drei Wintermonate seit 1956, so zeigt sich eine Temperaturzunahme von ca. einem Grad in 50 Jahren. Einzelne Jahre wie die vergangenen beiden haben also zunächst keinen Einfluss auf die langfristige Entwicklung des Klimas bzw. der Temperatur.

Die mittlere Temperatur im Februar 2011 betrug -0,7°C, der kälteste Tag war der 22. Februar mit einer Tagesmitteltemperatur von -8,7°C. In der Nacht zum 23. Februar wurde mit -12,3°C die tiefste Februar-Temperatur gemessen. Am 7. Februar wurde mit +11,3°C die maximale Temperatur registriert. Bis Mitte Februar lag die mittlere Temperatur mit +2,7°C im positiven Bereich. Erst danach wurde es wieder richtig Winter. 24 Frost- und 11 Eistage, die überwiegend in der zweiten Monatshälfte auftraten, wurden gezählt. In den drei Wintermonaten gab es somit 72 Frosttage und 36 Tage mit Dauerfrost, wenige mehr als im vergangenen Winter.

Der Niederschlag, der ja im Dezember überwiegend als Schnee und im Januar überwiegend als Regen fiel, blieb im Februar mit nur 17 Millimetern hinter dem langjährigen Mittel (25 mm) zurück (Winter 2010/2011: 99 mm). Vor allem zwischen 10. und dem 12. Februar registrierte der Hellmann-Regenmesser den Niederschlag bei überwiegend positiven Lufttemperaturen als Regen. Der Regen kam wie in unserer Region üblich aus Westen, begleitet mit sinkendem Luftdruck und einigen kleineren Tiefdruckgebieten.

Ab der Monatsmitte kletterte der Luftdruck wieder nach oben, der Wind drehte auf östliche Richtungen und brachte uns die kalten, sonnigen und trockenen Februartage. Der Luftdruck schwankte im Februar zwischen 1000 und 1030 hPa.

Der Wind wehte überwiegend aus Osten (30%) und seltener aus Westen (23%). Die östlichen Winde lassen sich auf ein Hoch über Russland zurückführen, an dessen Südflanke die kalte und trockene Luft aus Osten vor allem in der zweiten Monatshälfte zu uns floss. Ein solches im Winter auftretendes Hoch wird als blockierende Hochdrucklage bezeichnet. Es ist ein stabiles Kältehoch, welches aufgrund der lang andauernden Kälte über dem eurasischen Kontinent entstanden ist. Die Tiefdruckgebiete hatten in diesem Winter nicht den richtigen Schwung, um das Hoch zu verdrängen und mussten daher in südliche Regionen rund um das Mittelmeer ausweichen, wo es dann in der Folge ausgiebig regnete.

Zurückzuführen ist die fehlende Energie auf die sogenannte Nordatlantische Oszillation, die die Druckdifferenz zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch beschreibt und vor allem im Winter unser Wetter maßgeblich beeinflusst. In diesem Winter war die Druckdifferenz häufig negativ, was bedeutet, das das Tief und Hoch nicht sehr ausgeprägt waren, die Druckdifferenz also gering war.

So fehlte den Tiefs der nötige Schwung und Antrieb.
Die Sonne schien und scheint derzeit ausreichend, bringt aber noch nicht die ersehnte Wärme zu uns, zum einen, weil die auskühlenden Nächte immer noch länger als die Tage sind und zum anderen fehlt vor allem in den Nächten die wärmende Wolkendecke, die die Wärmeausstrahlung der Erde als sogenannte atmosphärische Gegenstrahlung wieder zu uns zurücksendet. Die Sonne schien 83 Stunden, also rund 20 Stunden mehr als im 25-jährigen Mittel.

Ob die Klimaveränderung tatsächlich eine Pause macht – Klimaforscher prognostizieren ja eine sinkende globale Temperatur für die nächsten 10-15 Jahre, bevor der Anstieg bis zum Ende des 21. Jahrhunderts beginnt – kann man nach zwei kalten Wintern und einem zumindest in Deutschland kühlen 2010 für Deutschland, Thüringen und Nordhausen noch nicht ableiten, wohl aber befürchten. Denn eigentlich haben wir uns ja über das wärmere Wetter und lange warme Sommernächte auf der Terrasse gefreut, oder?
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz

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