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Barbara Rinke wirbt für Kleingärten

Sonntag, 03. April 2011, 12:46 Uhr
Fehlender Nachwuchs und Überalterung machen Kleingartenanlagen in Thüringen Sorgen. Zwar könne man im Südharz noch nicht von einer kritischen Situation sprechen, nachdenklich stimme sie dennoch, sagt Dieter Springmann, Vorstandsvorsitzender des Kreisverbandes Nordhausen. Ein Bericht von Kurt Frank...

Arbeit im Kleingarten (Foto: Kurt Frank) Arbeit im Kleingarten (Foto: Kurt Frank)
Seit 33 Jahren bearbeitet Horst Barth seine Parzelle in der Kleingartenanlage „Am Schurzfell“ in Nordhausen

Die heute 60-jährigen Kleingärtner haben schon seit Jahrzehnten ihre Parzelle unterm Spaten. Ihr Jahresrhythmus ist bestimmt durch Pflanz- und Erntezeit. Auf ihrem Stückchen Land bearbeiten sie zu je einem Drittel Obst und Gemüse sowie Blumen. Auf dem übrigen Drittel Wiese erholen sie sich nach getaner Arbeit. Meist bis zum 70. Lebensjahr. Dann übergebensie ihr grünes Lebenswerk schweren Herzens in meist fremde Hände. Der Ernst der Lage wird im Südharz deutlich, bedenkt man das Durchschnittsalter der Gartenfreunde von derzeit 60 Jahren. Es sind überwiegend Rentner und Vorruheständler, die in den Anlagen zu finden sind. Wird dem nicht wirkungsvoll entgegengewirkt, könnte schon in einigen Jahren die Apokalypse Wirklichkeit werden.

Horst Barth gehört zu den Gründungsvätern der Anlage „Am Schurzfell“ in Nordhausen. Seit 33 Jahren bearbeitet er mit seiner Frau liebevoll das Stückchen Land. Hoffnung, dass seine Kinder später einmal auf seiner Scholle gärtnerisch tätig werden, hat er nicht. Der 74-Jährige ist noch rüstig und will deshalb weiter werken, solange ihn die Füße tragen.

Der Kreisverband und sein Chef stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Die Homepage des Verbandes im Internet, die über freie Gärten informiert, ist zwar eine gute Sache, ihreWirkung gering. Laut Homepage (www.Kleingaertner-Nordhausen.de), die über die einzelnen Gartenvereine informiert, und der Kleingartenbörse stehen derzeit 40 Parzellen im Terrain der Stadt leer. Mit 14 leer stehenden Gärten hält Salza, die größte Anlage im Landkreis, die Spitze.

Es folgen mit je vier die Vereine „Schöne Aussicht“, „Braune Erde“, „Dr. Schreber“ und „Am Holungsbügel“. Jetzt will man Anlagen noch stärker für die Öffentlichkeit zugänglich machen, mit Garten-, Kinder- und Grillfesten Besucher in die grünen Lungen locken und für eine Tätigkeit werben. Der Kreisverband bereitet derzeit Flyer vor, der vor allem jungen Familien einen Kleingarten schmackhaft machen sollen.

„Oberbürgermeisterin Barbara Rinke will mit mir in die Städtische Wohnungsbaugesellschaft gehen und der Geschäftsführerin Carola Franke einen Packen Flyer auf den Tisch legen“, sagt Springmann. Die Berater sollen angehalten werden, nebenbei Wohnungsuchende für einen Kleingarten zu interessieren. Auch die Wohnungsbaugenossenschaft und die Stadtinformation will der Kreisverband für eine Werbung gewinnen, Kleingartenjubiläen noch stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken.142 Hektar hat der Kreisverband für seine Kleingärten gepachtet.

Mit 83 Hektar ist die Kommune dominant. Insgesamt sind 43 Gartenvereine im Kreisverband mit etwa 3000 Mitgliedern vertreten, 31 Vereine sind es im Territorium der Rolandstadt. Mit der Idee, sogenannte „Tafelgärten“ zu vergeben, kann sich der Kreisverband nicht anfreunden. Dabei werden ungenutzte Parzellen kostenlos zur Verfügung gestellt, um dort Obst und Gemüse für Bedürftige anzubauen. Langzeitarbeitslose, so Schröter, erhielten eine sinnvolle Beschäftigung. Dafür fehlten unter anderem noch verbindliche rechtliche Regelungen, meinen Dieter Springmann und sein Rechtsberater Diethard Flöter.
Kurt Frank
Autor: nnz

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