Die Schicksale der Überlebenden
Montag, 04. April 2011, 17:55 Uhr
Geschichte endet nicht. Es werden lediglich neue Kapitel aufgeschlagen. Eines das häufig weniger Beachtung findet, ist das Kapitel welches der Befreiung der KZ’s folgte: die Heimkehr der Überlebenden. Die Gedenkstätte Mittelbau Dora widmet dem Thema in den kommenden Wochen eine eigene kleine Ausstellung...
20 Briefe haben Annika, Johanna und Enno an ehemalige Insassen des KZ-Mittelbau Dora und in 12 verschiedene Länder verschickt. Die drei Jugendlichen, die seit dem Herbst des vergangenen Jahres ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Gedenkstätte absolvieren, hatten darum gebeten dass die Überlebenden ihnen ihre Erfahrungen nach der Befreiung und ihrer anschließenden Heimkehr zu erläutern.
Dank der Antworten, ausführlicher Archivarbeit und der Hilfe der Historiker an der Gedenkstätte, konnten die drei Jugendlichen eine kleine Ausstellung rund um das Thema Heimkehr erstellen. In der Forschung hat diese Thematik bisher kaum Niederschlag gefunden. erläutert Dr. Jens-Christian Wagner, der Leiter der Gedenkstätte man hat sich vor allem mit den Verbänden der ehemaligen Häftlinge oder der Entschädigungspolitik befasst, aber kaum mit den sozialen Aspekten der Ereignisse.
Das unmittelbare Martyrium hatte mit der Befreiung zunächst ein Ende. Die Alliierten richten nach der Befreiung eiligst DP-Camps ein, also Lager für sogenannte displaced persons, Menschen die im Zuge des Krieges aus ihrer Heimat verschleppt worden waren und sich als Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Insassen auf deutschem Boden wider fanden. Auch das Lager Dora wurde zu einem solchen Camp umgewandelt. 14.000 Zwangsarbeiter und Häftlinge wurden hier gesammelt und erhielten anständige Nahrung und dringend benötigte Medizinische Versorgung.
Viele Überlebende, die schließlich heimkehren konnten, wurden in ihrer Heimat als Helden gefeiert, wie etwa die Kämpfer der französischen Résistance. Andere, vor allem Osteuropäer, standen bei ihrer Heimkehr unter dem Generalverdacht mit dem dritten Reich kollaboriert zu haben und konnten sich so nur schwer wieder in die Gesellschaft einleben.
Jacobus Sanger überlebte (Foto: KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora)
Wieder andere standen schlicht vor dem nichts. Eugene Black, ein Überlebender aus dem KZ-Mittelbau Dora, schrieb nach seiner Befreiung in Bergen-Belsen:
An dem Tag (...) wurde mir mit einem Schlag bewusst, dass ich mich hier mit 17 Jahren befinde, heimatlos, mittellos, eine staatenlose Person, eine Waise, im Land des Feindes, der meine Familie, mich und Millionen andere vernichtete.
Während der Krieg Landstriche verwüstete und Dörfer ausradierte, fielen dem Holocaust ganze Familien zum Opfer. Vor allem die Überlebenden Juden zieht es in eine neue, eine unbekannte Heimat - nach Amerika oder auch in die Palästinensischen Gebiete die einmal den Staat Israel bilden werden. Nur wenige entscheiden sich im Land der Täter zu bleiben.
Allen ist gemein, dass die Erlebnisse während der Gefangenschaft ihr Leben bis zuletzt prägen werden.
Noch können Zeitzeugen aus erster Hand berichten wie es ihnen damals ergangen ist, doch schon bald wird man sich nur noch auf schriftliche Quellen oder alte Filme und Radiosendungen stützen können, wenn es darum geht unsere eigene Vergangenheit zu verstehen. Umso wichtiger war es den drei FSJ’lern, dass die Überlebenden in der Ausstellung selber zu Wort kommen. Zum einen eröffnen die persönlichen Einsichten dem Besucher einen viel näheren und verständlicheren Blick auf das Schicksal dieser Menschen als es die reine Betrachtung der Fakten das könnte, und zum anderen finden die so niedergeschriebenen Erinnerungen Eingang in den Kanon der schriftlichen Quellen und können auch von anderen Historikern in Zukunft genutzt werden.
Dr. Michael Grisko übergibt den Preis an Annika Schulte und Johanna Lehmann (Foto: Angelo Glashagel)
Durch das freiwillige Engagement der Jugendlichen konnte ein Projekt realisiert werden, das ohne ihre Unterstützung vielleicht nie zustande gekommen wäre, befand die Sparkassenkulturstiftung Hessen-Thüringen, welche die Ausstellung heute mit einem von zehn tatort-Kultur-Preisen für Freiwilligen-Projekte im Rahmen des FSJ auszeichnete.
Heimkehr? Wege nach der Befreiung wird im Rahmen der zentralen Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Lagerbefreiung am Dienstag den 12.April um 11 Uhr eröffnet und wird noch bis Juni 2011 in der Ausstellungsbaracke auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte zu sehen sein.
Autor: agl20 Briefe haben Annika, Johanna und Enno an ehemalige Insassen des KZ-Mittelbau Dora und in 12 verschiedene Länder verschickt. Die drei Jugendlichen, die seit dem Herbst des vergangenen Jahres ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Gedenkstätte absolvieren, hatten darum gebeten dass die Überlebenden ihnen ihre Erfahrungen nach der Befreiung und ihrer anschließenden Heimkehr zu erläutern.
Dank der Antworten, ausführlicher Archivarbeit und der Hilfe der Historiker an der Gedenkstätte, konnten die drei Jugendlichen eine kleine Ausstellung rund um das Thema Heimkehr erstellen. In der Forschung hat diese Thematik bisher kaum Niederschlag gefunden. erläutert Dr. Jens-Christian Wagner, der Leiter der Gedenkstätte man hat sich vor allem mit den Verbänden der ehemaligen Häftlinge oder der Entschädigungspolitik befasst, aber kaum mit den sozialen Aspekten der Ereignisse.
Das unmittelbare Martyrium hatte mit der Befreiung zunächst ein Ende. Die Alliierten richten nach der Befreiung eiligst DP-Camps ein, also Lager für sogenannte displaced persons, Menschen die im Zuge des Krieges aus ihrer Heimat verschleppt worden waren und sich als Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Insassen auf deutschem Boden wider fanden. Auch das Lager Dora wurde zu einem solchen Camp umgewandelt. 14.000 Zwangsarbeiter und Häftlinge wurden hier gesammelt und erhielten anständige Nahrung und dringend benötigte Medizinische Versorgung.
Viele Überlebende, die schließlich heimkehren konnten, wurden in ihrer Heimat als Helden gefeiert, wie etwa die Kämpfer der französischen Résistance. Andere, vor allem Osteuropäer, standen bei ihrer Heimkehr unter dem Generalverdacht mit dem dritten Reich kollaboriert zu haben und konnten sich so nur schwer wieder in die Gesellschaft einleben.
Jacobus Sanger überlebte (Foto: KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora)
Wieder andere standen schlicht vor dem nichts. Eugene Black, ein Überlebender aus dem KZ-Mittelbau Dora, schrieb nach seiner Befreiung in Bergen-Belsen: An dem Tag (...) wurde mir mit einem Schlag bewusst, dass ich mich hier mit 17 Jahren befinde, heimatlos, mittellos, eine staatenlose Person, eine Waise, im Land des Feindes, der meine Familie, mich und Millionen andere vernichtete.
Während der Krieg Landstriche verwüstete und Dörfer ausradierte, fielen dem Holocaust ganze Familien zum Opfer. Vor allem die Überlebenden Juden zieht es in eine neue, eine unbekannte Heimat - nach Amerika oder auch in die Palästinensischen Gebiete die einmal den Staat Israel bilden werden. Nur wenige entscheiden sich im Land der Täter zu bleiben.
Allen ist gemein, dass die Erlebnisse während der Gefangenschaft ihr Leben bis zuletzt prägen werden.
Noch können Zeitzeugen aus erster Hand berichten wie es ihnen damals ergangen ist, doch schon bald wird man sich nur noch auf schriftliche Quellen oder alte Filme und Radiosendungen stützen können, wenn es darum geht unsere eigene Vergangenheit zu verstehen. Umso wichtiger war es den drei FSJ’lern, dass die Überlebenden in der Ausstellung selber zu Wort kommen. Zum einen eröffnen die persönlichen Einsichten dem Besucher einen viel näheren und verständlicheren Blick auf das Schicksal dieser Menschen als es die reine Betrachtung der Fakten das könnte, und zum anderen finden die so niedergeschriebenen Erinnerungen Eingang in den Kanon der schriftlichen Quellen und können auch von anderen Historikern in Zukunft genutzt werden.
Dr. Michael Grisko übergibt den Preis an Annika Schulte und Johanna Lehmann (Foto: Angelo Glashagel)
Durch das freiwillige Engagement der Jugendlichen konnte ein Projekt realisiert werden, das ohne ihre Unterstützung vielleicht nie zustande gekommen wäre, befand die Sparkassenkulturstiftung Hessen-Thüringen, welche die Ausstellung heute mit einem von zehn tatort-Kultur-Preisen für Freiwilligen-Projekte im Rahmen des FSJ auszeichnete. Heimkehr? Wege nach der Befreiung wird im Rahmen der zentralen Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Lagerbefreiung am Dienstag den 12.April um 11 Uhr eröffnet und wird noch bis Juni 2011 in der Ausstellungsbaracke auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte zu sehen sein.
