Erfolgreicher Aktionstag
Freitag, 20. Mai 2011, 16:24 Uhr
Für die Vereinbarkeit von beruflichen und familiären Aufgaben hat heute das Familiennetzwerk des Landkreises Nordhausen geworben. Zur gut besuchten Podiumsdiskussion im Tabakspeicher kamen gut 50 Vertreter von Unternehmen, Verwaltungen, Verbänden und anderen Organisationen...
Anlass war der bundesweite Aktionstag des Bundesfamilienministeriums unter dem Motto Mitgedacht, mitgemacht – für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Kathrin Liesegang, Koordinatorin des Familiennetzwerks und Loni Grünwald (LINKE), Beigeordnete des Landkreises, begrüßten die Gäste. Wenn ich an die Wendezeit denke, fällt mir der Spruch ein: `Wer sich nicht wehrt, kommt an den Herd, sagte Loni Grünwald und verwies damit auf den Normalfall der arbeitenden Mutter in der früheren DDR. Diese Tradition setzt sich noch heute fort: Während in den alten Bundesländern nicht einmal jede dritte Mutter in Vollzeit arbeitet, ist es in den neuen Ländern jede zweite.
Insbesondere im Hinblick auf den demografischen Wandel werde eine gute Vereinbarkeit zunehmend zu einem wichtigen Standortvorteil, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Thüringen spürt die Auswirkungen des demografischen Wandels besonders stark. Es ist das Bundesland mit dem zweithöchsten Bevölkerungsverlust in Deutschland, sagte Jana Pfalzgraf, Referentin für Volkswirtschaft und Statistik bei der IHK Erfurt in ihrem Impulsreferat.
Schon jetzt sei die Zahl der Altersabgänge höher als die der Schulabgänger. 2030 wird mehr als jeder dritte Einwohner des Landkreises Nordhausen 65 Jahre und älter sein, nur 15 Prozent sind dann noch jünger als 20 Jahre. Betreffen wird dieser Bevölkerungsrückgang insbesondere den ländlichen Raum, so Jana Pfalzgraf. Als Folgen des demografischen Wandels befürchten Unternehmen in erster Linie den Mangel an qualifizierten Fach- und Führungskräften. Hier könne das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Betreuung von Kindern oder auch pflegebedürftigen Angehörigen ein wichtiger Ansatzpunkt sein – dem sich Unternehmen aus Pfalzgrafs Sicht aber noch nicht ausreichend annehmen.
Dass auch kleinere Unternehmen, die die wirtschaftliche Landschaft der Region bestimmen, auf eine familienfreundliche Personalpolitik setzen, zeigte Anja Winkler von der Trocha GmbH – Natur- und Kunststein in Niedersachswerfen. Bei uns hat sich in der Firma ein Familiennetzwerk gebildet, erzählt die Unternehmerin, die selbst Mutter von zwei kleinen Kindern ist. Die Kollegen helfen sich gegenseitig, wenn es bei einem mal nicht klappe, die Kinder pünktlich von der Kita abzuholen, so Anja Winkler.
Außerdem sei ihr die familiäre Atmosphäre wichtig, in der beispielsweise die männlichen Mitarbeiter auch als Väter wahrgenommen werden. Sie habe zielgerichtet am Kindergarten der Gemeinde nach neuen Mitarbeitern gesucht, weil sie davon ausging, dass junge Väter ganz anders in der Region verwurzelt sind. Bei allen Möglichkeiten, den Berufsalltag familienfreundlich zu gestalten, dürfe aber die Wirtschaftlichkeit nicht vergessen werden, meinte Anja Winkler, denn ohne Gehalt nütze die beste Vereinbarkeit nichts. Wie wichtig Familienfreundlichkeit ist, hat auch die Fachhochschule Nordhausen erkannt. Dies sei auch wichtig für das Image der FH, ein Marketinggewinn, so Prof. Dr. Sabine Seibold-Freund, die Familien- und Gleichstellungsbeauftragte der Fachhochschule. Die FH nimmt eine Vorreiterrolle im Landkreis beim Thema Vereinbarkeit ein, ist beim Audit Beruf und Familie der Hertie-Stiftung als familienfreundliche Hochschule ausgezeichnet worden und hat den Thüringer Familienpreis gewonnen.
Entscheidend sei es, dass die Familienfreundlichkeit nicht nur auf einem Zertifikat stehe, sondern praktisch gelebt und so auch von den Studierenden und Mitarbeitern erlebt werde. Studenten nähmen dieses Gefühl, dass Familien und Kinder willkommen seien, mit und lebten dies in ihren zukünftigen Arbeitsgebieten weiter, so Prof. Seibold-Freund. Zunehmend werde außerdem die Pflege von Angehörigen ein Thema, dem sich die FH stellen muss. Gezielt für die Väter setzt sich seit kurzem der Interessenkreis aktiver Väter an der Fachhochschule ein, den Patrick Billert ins Leben gerufen hat.
In der Diskussion plädierte er klar dafür, Väter stärker in die Familienaufgaben einzubeziehen und ihnen auch die Gelegenheit dazu zu geben. Zwar hat sich mit dem Elterngeld der Anteil der Väter deutlich erhöht, die sich für ihr Kind eine Auszeit gönnen. Aber laut dem Statistischen Bundesamt gehen nur gut 15 Prozent der Väter im Landkreis Nordhausen in Elternzeit – das ist der letzte Platz in Thüringen. Zum Vergleich: In Jena nutzen 43 Prozent der Väter die Elternzeit, der bundesweite Spitzenwert.
Familien zu entlasten und gleichzeitig gerade Frauen in Arbeit zu bringen, ist der Ansatz, den Babett Käferstein von der LIFT gGmbH im CORA-Modellprojekt zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf verfolgt. In der Dienstleistungsdrehscheibe stehen rund 20 Angebote von der Kinderbetreuung über den Bügelservice bis hin zum Fensterputzen zu Verfügung. Uns ist es wichtig, alles aus einer Hand anzubieten und so Familien zu entlasten, sagte Babett Käferstein.
Auch die Elternzeit selbst lasse sich stärker als bislang nutzen, um den Kontakt zur eigenen Firma aufrecht zu halten und sich weiterzubilden. So bietet das Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft e.V. Seminare beispielsweise zum Stressmanagement an, an dem Berufstätige in Elterzeit kostenfrei teilnehmen können – Kinderbetreuung im Nebenraum inklusive. Auch den Unternehmen entstehen keine Kosten. Juliana Kannegießer vom Bildungswerk berichtete davon, dass sich die Mütter oft ein Signal ihrer Arbeitgeber wünschten, sie bei der Vereinbarkeit zu unterstützen.
Das könne auch dazu führen, dass sich die Mütter den Wiedereinstieg früher wieder zutrauten. Die rege Diskussion im Publikum zeigte u.a., dass es in einigen Branchen besonders schwer sei, Angebote zur Vereinbarkeit zu machen, beispielsweise im Hotel- und Gaststättengewerbe oder wie wichtig es sei, die Vorstellung von Führungskräften zu überdenken und auch hier Teilzeitmodelle in Betracht zu ziehen.
Mit diesem Aktionstag will das Familiennetzwerk auch engeren Kontakt zur Wirtschaft suchen, so die Koordinatorin Kathrin Liesegang. Wir danken der IHK Nordhausen, der Stadt Nordhausen für die Bereitstellung des Tabakspeichers und allen Akteuren, die zum Gelingen des Aktionstages beigetragen haben. Das Familiennetzwerk des Landkreises Nordhausen gründete sich 2004 auf Initiative des damaligen Thüringer Familienministers Dr. Klaus Zeh. Hier treffen sich regelmäßig Vertreter von freien Trägern, kommunalen Verwaltungen, Vereinen und anderen Organisationen.
Wer Kontakt zum Netzwerk sucht oder sich selbst engagieren möchte, kann sich bei Kathrin Liesegang telefonisch unter 03631/ 46 26 50 oder per E-Mail unter k.liesegang@jugendsozialwerk.de melden. Mehr zum Netzwerk gibt es auch unter www.familien-in-nordhausen.de (wird aktuell überarbeitet
Autor: nnzAnlass war der bundesweite Aktionstag des Bundesfamilienministeriums unter dem Motto Mitgedacht, mitgemacht – für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Kathrin Liesegang, Koordinatorin des Familiennetzwerks und Loni Grünwald (LINKE), Beigeordnete des Landkreises, begrüßten die Gäste. Wenn ich an die Wendezeit denke, fällt mir der Spruch ein: `Wer sich nicht wehrt, kommt an den Herd, sagte Loni Grünwald und verwies damit auf den Normalfall der arbeitenden Mutter in der früheren DDR. Diese Tradition setzt sich noch heute fort: Während in den alten Bundesländern nicht einmal jede dritte Mutter in Vollzeit arbeitet, ist es in den neuen Ländern jede zweite.
Insbesondere im Hinblick auf den demografischen Wandel werde eine gute Vereinbarkeit zunehmend zu einem wichtigen Standortvorteil, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Thüringen spürt die Auswirkungen des demografischen Wandels besonders stark. Es ist das Bundesland mit dem zweithöchsten Bevölkerungsverlust in Deutschland, sagte Jana Pfalzgraf, Referentin für Volkswirtschaft und Statistik bei der IHK Erfurt in ihrem Impulsreferat.
Schon jetzt sei die Zahl der Altersabgänge höher als die der Schulabgänger. 2030 wird mehr als jeder dritte Einwohner des Landkreises Nordhausen 65 Jahre und älter sein, nur 15 Prozent sind dann noch jünger als 20 Jahre. Betreffen wird dieser Bevölkerungsrückgang insbesondere den ländlichen Raum, so Jana Pfalzgraf. Als Folgen des demografischen Wandels befürchten Unternehmen in erster Linie den Mangel an qualifizierten Fach- und Führungskräften. Hier könne das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Betreuung von Kindern oder auch pflegebedürftigen Angehörigen ein wichtiger Ansatzpunkt sein – dem sich Unternehmen aus Pfalzgrafs Sicht aber noch nicht ausreichend annehmen.
Dass auch kleinere Unternehmen, die die wirtschaftliche Landschaft der Region bestimmen, auf eine familienfreundliche Personalpolitik setzen, zeigte Anja Winkler von der Trocha GmbH – Natur- und Kunststein in Niedersachswerfen. Bei uns hat sich in der Firma ein Familiennetzwerk gebildet, erzählt die Unternehmerin, die selbst Mutter von zwei kleinen Kindern ist. Die Kollegen helfen sich gegenseitig, wenn es bei einem mal nicht klappe, die Kinder pünktlich von der Kita abzuholen, so Anja Winkler.
Außerdem sei ihr die familiäre Atmosphäre wichtig, in der beispielsweise die männlichen Mitarbeiter auch als Väter wahrgenommen werden. Sie habe zielgerichtet am Kindergarten der Gemeinde nach neuen Mitarbeitern gesucht, weil sie davon ausging, dass junge Väter ganz anders in der Region verwurzelt sind. Bei allen Möglichkeiten, den Berufsalltag familienfreundlich zu gestalten, dürfe aber die Wirtschaftlichkeit nicht vergessen werden, meinte Anja Winkler, denn ohne Gehalt nütze die beste Vereinbarkeit nichts. Wie wichtig Familienfreundlichkeit ist, hat auch die Fachhochschule Nordhausen erkannt. Dies sei auch wichtig für das Image der FH, ein Marketinggewinn, so Prof. Dr. Sabine Seibold-Freund, die Familien- und Gleichstellungsbeauftragte der Fachhochschule. Die FH nimmt eine Vorreiterrolle im Landkreis beim Thema Vereinbarkeit ein, ist beim Audit Beruf und Familie der Hertie-Stiftung als familienfreundliche Hochschule ausgezeichnet worden und hat den Thüringer Familienpreis gewonnen.
Entscheidend sei es, dass die Familienfreundlichkeit nicht nur auf einem Zertifikat stehe, sondern praktisch gelebt und so auch von den Studierenden und Mitarbeitern erlebt werde. Studenten nähmen dieses Gefühl, dass Familien und Kinder willkommen seien, mit und lebten dies in ihren zukünftigen Arbeitsgebieten weiter, so Prof. Seibold-Freund. Zunehmend werde außerdem die Pflege von Angehörigen ein Thema, dem sich die FH stellen muss. Gezielt für die Väter setzt sich seit kurzem der Interessenkreis aktiver Väter an der Fachhochschule ein, den Patrick Billert ins Leben gerufen hat.
In der Diskussion plädierte er klar dafür, Väter stärker in die Familienaufgaben einzubeziehen und ihnen auch die Gelegenheit dazu zu geben. Zwar hat sich mit dem Elterngeld der Anteil der Väter deutlich erhöht, die sich für ihr Kind eine Auszeit gönnen. Aber laut dem Statistischen Bundesamt gehen nur gut 15 Prozent der Väter im Landkreis Nordhausen in Elternzeit – das ist der letzte Platz in Thüringen. Zum Vergleich: In Jena nutzen 43 Prozent der Väter die Elternzeit, der bundesweite Spitzenwert.
Familien zu entlasten und gleichzeitig gerade Frauen in Arbeit zu bringen, ist der Ansatz, den Babett Käferstein von der LIFT gGmbH im CORA-Modellprojekt zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf verfolgt. In der Dienstleistungsdrehscheibe stehen rund 20 Angebote von der Kinderbetreuung über den Bügelservice bis hin zum Fensterputzen zu Verfügung. Uns ist es wichtig, alles aus einer Hand anzubieten und so Familien zu entlasten, sagte Babett Käferstein.
Auch die Elternzeit selbst lasse sich stärker als bislang nutzen, um den Kontakt zur eigenen Firma aufrecht zu halten und sich weiterzubilden. So bietet das Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft e.V. Seminare beispielsweise zum Stressmanagement an, an dem Berufstätige in Elterzeit kostenfrei teilnehmen können – Kinderbetreuung im Nebenraum inklusive. Auch den Unternehmen entstehen keine Kosten. Juliana Kannegießer vom Bildungswerk berichtete davon, dass sich die Mütter oft ein Signal ihrer Arbeitgeber wünschten, sie bei der Vereinbarkeit zu unterstützen.
Das könne auch dazu führen, dass sich die Mütter den Wiedereinstieg früher wieder zutrauten. Die rege Diskussion im Publikum zeigte u.a., dass es in einigen Branchen besonders schwer sei, Angebote zur Vereinbarkeit zu machen, beispielsweise im Hotel- und Gaststättengewerbe oder wie wichtig es sei, die Vorstellung von Führungskräften zu überdenken und auch hier Teilzeitmodelle in Betracht zu ziehen.
Mit diesem Aktionstag will das Familiennetzwerk auch engeren Kontakt zur Wirtschaft suchen, so die Koordinatorin Kathrin Liesegang. Wir danken der IHK Nordhausen, der Stadt Nordhausen für die Bereitstellung des Tabakspeichers und allen Akteuren, die zum Gelingen des Aktionstages beigetragen haben. Das Familiennetzwerk des Landkreises Nordhausen gründete sich 2004 auf Initiative des damaligen Thüringer Familienministers Dr. Klaus Zeh. Hier treffen sich regelmäßig Vertreter von freien Trägern, kommunalen Verwaltungen, Vereinen und anderen Organisationen.
Wer Kontakt zum Netzwerk sucht oder sich selbst engagieren möchte, kann sich bei Kathrin Liesegang telefonisch unter 03631/ 46 26 50 oder per E-Mail unter k.liesegang@jugendsozialwerk.de melden. Mehr zum Netzwerk gibt es auch unter www.familien-in-nordhausen.de (wird aktuell überarbeitet









