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nnz-Forum: Doppelzüngigkeit?

Freitag, 27. Mai 2011, 10:28 Uhr
Da wird eine Wanderung vom Karstförderverein angeboten. Am Sonntag durch den Alten Stolberg. Dazu hat ein Leser der nnz seine kritischen Anmerkungen...


Ich beziehe mich mit meinem Forumsbeitrag auf die Ankündigung des Karstwanderwegsvereins, eine Wanderung zu den Naturschönheiten des Alten Stolberg anzubieten. Ich begrüße sehr die Aktivitäten des Karstwanderwegsvereins. Der Weg ist zentrale Säule des Naturparks und führt die Menschen zu den einzigartigen Karsterscheinungen, die unsere Landschaft unverwechselbar und europäisch einmalig machen.

Mir fehlt in der Pressemitteilung allerdings die Angabe, dass der "Revierförster" Lars Kothe, der die Wanderung führt, Leiter der Forstanteilung des Bergbaukonzerns und Steinbruchunternehhmens im Alten Stolberg Knauf ist und nicht eben einfach nur ein Revierförster. Er verwaltet jene Waldflächen, die später dem Steinbruch zum Opfer fallen.

Ich weiß nicht, ob man diese Angabe absichtlich weggelassen hat, um für höhere Teilnehmerzahlen bei der Exkursion zu sorgen. Warum verzichtet die Firma auf diese Möglichkeit, ihren Firmennamen und damit seine Produkte zu bewerben? Ich verstehe aus Sicht von Knauf natürlich, dass die Firma angesichts der fast geschlossenen öffentlichen Meinung gegen den Gipsabbau im Kreis Nordhausen alles dafür tut, sich ein grünes Mäntelchen umzuhängen.

Das Unternehmen hat außerhalb von Rottleberode einfach ein Akzeptanzproblem. In der Tat jedoch tut Knauf einiges für die Rekultivierung der von ihr aufgerissenen Wunden. Das sei positiv angemerkt. Dennoch muss eine von Knauf zumindest mit organisierte Wanderung zu den Naturschönheiten des Alten Stolbergs kritisch beurteilt werden. Wenn sie vom Leiter der Forstabteilung des Unternehmens geführt wird, könnte sie auch als Teil der doppelzüngigen Strategie des Konzerns verstanden werden: Mit folgenden Säulen:

1.) "Wir sind doch gar nicht so schlimm, wie viele glauben. Schaut doch mal, wie sehr wir die Natur lieben und was wir alles für sie tun." 2.) aber ließ Werkleiter Materlik in einer PM vom 6.4.11 in der NNZ die eigentliche Katze aus dem Sack: Es sei für ihn u.a. unverständilich, warum in Thüringen keine "kleineren Aufschlüsse von Steinbrüchen" erlaubt seien, dafür aber Starkstromleitungen.

Mit derartigen Äußerungen wird die Naturliebe von Materlik aber ad absurdum geführt: Für ihn ist der Naturpark, den er laut besagter PM unterstützt, nur dann gut, wenn es weitere Steinbrüche im Gipskarst geben darf. - Ich denke, dass unter diesen Voraussetzungen Knaufs liebevolle Exkursion zu den Naturschönheiten des Alten Stolberg in einem ganz anderen Licht erscheint. Die möglichen Starkstromleitungen als Argumentations-Vehikel für die Ablehnung weiterer Steinbrüche im Kreis NDH zu benutzen, wirkt geradezu hilflos.

Denn erstens gibt es auch gegen diese in Thüringen massive Widerstände und zweitens würden diese zwar das Landschaftsbild verschandeln, sie sind aber nunmal keine Steinbrüche, die ganze Landstriche dem Erdboden gleichmachen, wie eben ein Gipssteinbruch. Zudem können sie unterirdisch verlegt werden, was auch gefordert wird.

Ich hoffe, liebe NNZ-Leser, dass Sie die Doppelzüngigkeit in der Knaufschen Argumentation erkennen! An Herrn Materlik sei noch die Information gerichtet, dass er nun einmal damit leben muss, dass die Mehrheit der Bevölkerung und der Gemeinden gegen den Gisabbau ist. An dieser Grundtendenz können auch Exkursionen durch den noch nicht abgebauten Teil des Alten Stolberg und Spaßnachmittage für Kinder nichts ändern.

"Wir wollen doch keinen Gipsabbau", sagte jüngst Miinisterpräsidentin Christine Lieberknecht ganz spontan zu uns BUNDLeuten, als sie uns mit dem Transparent "Gispabbau braucht keine Sau" am vergangenen Wochenende in Neustadt stehen sah.

Und Misstrauen ist tatsächlich angebracht: Die Ausweitung des Steinbruches Rüsselsee in einer Nacht- und Nebelaktion über die Köpfe der Menschen hinweg, zeigt das wahre Gesicht von Oberbergamt und Gipsindustrie. Deren Ziele kann auch eine Exkursion zu den Naturschönheiten und zu den Rekultivierungsversuchen von Knauf im Alten Stolberg nicht verdecken.

Eventuell biete ich demnächst eine eigene Exkursion durch das NSG Alter Stolberg an, dass von den Gipsabbauplänen von Knauf hoffentlich auch künftig unberührt bleibt.
Bodo Schwarzberg, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
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Autor: nnz

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