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Mo, 16:00 Uhr
09.02.2009

Totenbuch aufgefunden

In Frankreich ist ein Verzeichnis der Toten des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora aufgefunden worden. Das seit Jahren verschollen geglaubte Dokument war lange Zeit von ehemaligen Häftlingen und Angehörigen aufbewahrt worden und soll morgen übergeben werden...


Das Original wird in Paris an die KZ-Gedenkstätte übergeben. „Damit kehrt eine wertvolle Quelle und ein einzigartiges Zeugnis aus der KZ-Zeit an den Entstehungsort zurück“, freut sich Dr. Jens-Christian Wagner über den unerwarteten Fund. Der Leiter der Gedenkstätte in Nordhausen wird das Totenbuch am 10. Februar in einer Feierstunde im Pariser Museum der Befreiung (Mémorial Leclerc et de la Libération de Paris – Musée Jean Moulin) in Empfang nehmen. Übergeben wird ihm das Buch von Madame Odette Christienne.

Die für Erinnerungspolitik zuständige Beigeordnete des Bürgermeisteramtes von Paris hatte letztlich die „Rückkehr“ in die Wege geleitet. Das chronologische Verzeichnis der Sterbefälle im KZ-Komplex Mittelbau-Dora wurde von Lagerinsassen handschriftlich geführt. Im Zeitraum vom 3. Oktober 1943 bis zum 8. April 1945 registrierten sie insgesamt 8007 ermordete und verstorbene KZ-Häftlinge. Neben den Namen sind weitere Angaben enthalten, unter anderem
die Haftnummern, Geburts- und Sterbedaten sowie zum Teil eine genauere Bezeichnung der verschiedenen Sterbeorte.

Damit können Tote einzelnen KZ-Außenlagern oder Bauprojekten zugeordnet werden, die seit Sommer 1943 im Rahmen der versuchten Untertageverlagerung der Rüstungsindustrie im Südharz entstanden waren. Die Arbeitskraft zehntausender KZ-Häftlinge wurde dabei
rücksichtslos ausgebeutet.

„Bislang stand uns lediglich eine qualitativ unzureichende, in Teilen kaum lesbare Reproduktion des Totenbuchs zur Verfügung“, so Wagner. Dabei handele es sich um eine Ende der 1960er Jahre in Frankreich beschaffte Ablichtung, die im Essener Dora-Prozess (1967-70) gegen drei SS-Angehörige als Beweismittel gedient habe, erläutert der Historiker. Eine Kopie davon befindet sich heute u.a. auch im Hauptstaatsarchiv Weimar.

Bei der Befreiung des KZ Mittelbau durch amerikanische Truppen im April 1945 hatte der Häftling Georges Greffier das Totenbuch an sich genommen. Nach seinem Tod verwahrte es seine Witwe, die es dem ehemaligen Widerstandkämpfer René Jossrés vermachte. Von ihm erhielt Madame Christienne das bedeutende Dokument. Sie wandte sich schließlich an einen Verband ehemaliger KZ-Häftlinge, die Association Française Buchenwald Dora et Kommandos, und kam so in Kontakt
mit der Gedenkstätte.

Das Totenbuch steht ab sofort der Forschung zur Verfügung. Die enthaltenen Angaben bilden eine der wesentlichen Grundlagen für das Gedenkbuch des KZ Mittelbau-Dora. Dieses wird derzeit an der Gedenkstätte erarbeitet und soll zum 65. Jahrestag der Lagerbefreiung im April 2010 vorgelegt werden.
Autor: nnz

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