Do, 14:19 Uhr
26.02.2009
Das kann ich nicht verstehen!
Wer ein Häuschen sein eigen nennt, der kann sich nicht immer glücklich schätzen. In Nordhausen haben einige Eigenheimbesitzer schlicht und ergreifend Pech. Sie haben vor Jahrzehnten ihr Haus dort gebaut, wo es jetzt seitens der Stadtverwaltung nicht mehr gewollt ist.
Barbara Kase ist keine Frau der großen Worte, der großen Reden schon gar nicht. Es musste also schon eine Menge zusammenkommen, dass sie vor dem Stadtrat ans Mikrofon tritt. Vor zwei Wochen war es soweit. So stand sie nun da, ihr Mund war wie ausgetrocknet, ihr wurde ein Glas Wasser gereicht.
Schmucke Grundstücke am Heringer Weg - Ergebnis jahrzehntelangner fleißiger Arbeit
Frau Kase kann nicht verstehen und fragte, warum sie und ihre Nachbarn nichts mehr an ihren Häusern machen dürfen. Die stehen entlang des Heringer Weges. Diese marode Straße hat einem Bebauungsplan der Stadtverwaltung Nordhausen den Namen gegeben, der – so er beschlossen wird – die Werte der dortigen Grundstücke und Häuser mittelfristig gen Null fahren läßt.
Das gesamte Revier – vom Heringer Weg bis zum Uthleber Weg - soll ein Gewerbegebiet werden. Wir wollen dort eine gewerbliche Entwicklung forcieren, da sind Konflikte nicht vermeidbar, sagt Bau- und Wirtschaftsdezernentin Inge Klaan (CDU) der nnz. Und da sind Interessen der Verwalter dieser Stadt nicht immer identisch mit dem Einzelnen, der letztlich von ihnen verwaltet wird. Kollaterale Schäden nennt man das wohl.
Weil Barbara und Ingolf Kase im Jahr 1980 das Häuschen gekauft und viel Geld, Arbeit sowie Herzblut danach investiert haben, wollen sie das Grundstück nicht nur erhalten, sondern vielleicht auch erweitern, irgendwann mal ihren Kindern übergeben. Vielleicht brauchen die mehr Platz? Geht hier nicht, wird abgelehnt, weil künftig ein Gewerbegebiet vermarktet werden soll. Das jetzige Haus, das Grundstück in seiner jetzigen Beschaffenheit hat Bestandsschutz, erläutert die Dezernentin, eine Garage, ein Carport, ja sogar eine Terrasse wird nicht genehmigt, denn Wir wollen hier Gewerbe entwickeln. Und da ist eine Wohnbebauung in nachbarschaftlicher Nähe nur störend, ist Konfliktpotential, wirtschaftshemmend. Da gelten für die Unternehmen, die sich eventuell irgendwann mal ansiedeln, eben höhere Grenzen bei den Immissionswerten.
Das letzte Wort hat bei alldem – es handelt sich immer noch um einen Entwurf – der Nordhäuser Stadtrat. Dessen Mitglieder müssen entscheiden: Werden die Menschen am Heringer Weg abgestraft? Haben Sie dort eine Zukunft? Erfüllt sich die Hoffnung einer Gewerbeansiedlung? Wie viele Arbeitsplätze sind aufzuwiegen? Was zählt der Einzelne? Und vor allem wollen Barbara Kase und die anderen Betroffenen die Frage beantwortet wissen: Wer ist wir?
Ein Teil des Wir sitzt vermutlich im Bauausschuss des Stadtrates. Wie dessen Vorsitzender Volker Fütterer (SPD) der nnz sagte, werde man sich mit dem Thema noch beschäftigen. Unterdessen fanden die Stadträte bereits Beschäftigung mit einem verwandten Thema, der Domäne (siehe nnz-Archiv). Hier würden die Meinungen im Ausschuss auseinandergehen. Vielleicht kommt am Ende das heraus, was immer das Trachten der Politik ist – ein Kompromiss. Den hatte in der jüngsten Sitzung des Stadtrates auch Claus-Peter Roßberg (FDP) angemahnt. Innerhalb der Domäne sollte es quasi zu einem Sortimentstausch kommen. Die Domäne verzichtet auf einen Teil ihres innenstadt-relevanten Sortiments und setzt statt dessen verstärkt auf die Möbelsparte. Dann wäre die Innenstadt gerettet und alle wären zufrieden. Vielleicht.
Ein Gutes hatte die Rede von Frau Kase vor dem Stadtrat schon mal. Jetzt war einer vom Rathaus da und hat sich den Buckel auf der Straße vor unserem Grundstück angeschaut. Der Mann hat Abhilfe versprochen. Immer, wenn die schweren Lkw darüber fahren, zittern nicht nur die Tassen im Wohnzimmerschrank.
Autor: nnzBarbara Kase ist keine Frau der großen Worte, der großen Reden schon gar nicht. Es musste also schon eine Menge zusammenkommen, dass sie vor dem Stadtrat ans Mikrofon tritt. Vor zwei Wochen war es soweit. So stand sie nun da, ihr Mund war wie ausgetrocknet, ihr wurde ein Glas Wasser gereicht.
Schmucke Grundstücke am Heringer Weg - Ergebnis jahrzehntelangner fleißiger Arbeit
Frau Kase kann nicht verstehen und fragte, warum sie und ihre Nachbarn nichts mehr an ihren Häusern machen dürfen. Die stehen entlang des Heringer Weges. Diese marode Straße hat einem Bebauungsplan der Stadtverwaltung Nordhausen den Namen gegeben, der – so er beschlossen wird – die Werte der dortigen Grundstücke und Häuser mittelfristig gen Null fahren läßt.
Das gesamte Revier – vom Heringer Weg bis zum Uthleber Weg - soll ein Gewerbegebiet werden. Wir wollen dort eine gewerbliche Entwicklung forcieren, da sind Konflikte nicht vermeidbar, sagt Bau- und Wirtschaftsdezernentin Inge Klaan (CDU) der nnz. Und da sind Interessen der Verwalter dieser Stadt nicht immer identisch mit dem Einzelnen, der letztlich von ihnen verwaltet wird. Kollaterale Schäden nennt man das wohl.
Weil Barbara und Ingolf Kase im Jahr 1980 das Häuschen gekauft und viel Geld, Arbeit sowie Herzblut danach investiert haben, wollen sie das Grundstück nicht nur erhalten, sondern vielleicht auch erweitern, irgendwann mal ihren Kindern übergeben. Vielleicht brauchen die mehr Platz? Geht hier nicht, wird abgelehnt, weil künftig ein Gewerbegebiet vermarktet werden soll. Das jetzige Haus, das Grundstück in seiner jetzigen Beschaffenheit hat Bestandsschutz, erläutert die Dezernentin, eine Garage, ein Carport, ja sogar eine Terrasse wird nicht genehmigt, denn Wir wollen hier Gewerbe entwickeln. Und da ist eine Wohnbebauung in nachbarschaftlicher Nähe nur störend, ist Konfliktpotential, wirtschaftshemmend. Da gelten für die Unternehmen, die sich eventuell irgendwann mal ansiedeln, eben höhere Grenzen bei den Immissionswerten.
Das letzte Wort hat bei alldem – es handelt sich immer noch um einen Entwurf – der Nordhäuser Stadtrat. Dessen Mitglieder müssen entscheiden: Werden die Menschen am Heringer Weg abgestraft? Haben Sie dort eine Zukunft? Erfüllt sich die Hoffnung einer Gewerbeansiedlung? Wie viele Arbeitsplätze sind aufzuwiegen? Was zählt der Einzelne? Und vor allem wollen Barbara Kase und die anderen Betroffenen die Frage beantwortet wissen: Wer ist wir?
Ein Teil des Wir sitzt vermutlich im Bauausschuss des Stadtrates. Wie dessen Vorsitzender Volker Fütterer (SPD) der nnz sagte, werde man sich mit dem Thema noch beschäftigen. Unterdessen fanden die Stadträte bereits Beschäftigung mit einem verwandten Thema, der Domäne (siehe nnz-Archiv). Hier würden die Meinungen im Ausschuss auseinandergehen. Vielleicht kommt am Ende das heraus, was immer das Trachten der Politik ist – ein Kompromiss. Den hatte in der jüngsten Sitzung des Stadtrates auch Claus-Peter Roßberg (FDP) angemahnt. Innerhalb der Domäne sollte es quasi zu einem Sortimentstausch kommen. Die Domäne verzichtet auf einen Teil ihres innenstadt-relevanten Sortiments und setzt statt dessen verstärkt auf die Möbelsparte. Dann wäre die Innenstadt gerettet und alle wären zufrieden. Vielleicht.
Ein Gutes hatte die Rede von Frau Kase vor dem Stadtrat schon mal. Jetzt war einer vom Rathaus da und hat sich den Buckel auf der Straße vor unserem Grundstück angeschaut. Der Mann hat Abhilfe versprochen. Immer, wenn die schweren Lkw darüber fahren, zittern nicht nur die Tassen im Wohnzimmerschrank.


