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Di, 12:46 Uhr
22.09.2009

Der Friede scheint dahin

In den vergangenen Jahren gab es aus Sitzungen des Nordhäuser Stadtrates kaum Spektakuläres zu berichten. Politische Schlagabtausche waren Fehlanzeige. Das könnte sich in diesem Jahr ändern. Die nnz mit dem Versuch einer Bestandsaufnahme...


Der Wahlkampf ist Geschichte. Nach fast 20 Jahren Demokratie, kleinen und großen Plakaten sollte eigentlich wieder zur Tagesordnung übergegangen werden. So, wie das vor fünf oder zehn Jahren eben auch war. Doch diesmal sitzen die Wahlkampf-Stachel tiefer. Vor allem bei der CDU, die sich von der SPD ein um das andere Mal vorgeführt sah. Hatten die Sozialdemokraten im Jahr 2004 bereits mit Slogan geworben „Das haben wir gemacht“, so sei jetzt übertrieben worden, ist aus CDU-Kreisen zu hören. Auch zu hören ist: Die Zeit der Freundlichkeiten und der gemeinsamen Politik ist vorbei.

Und die neue CDU-Fraktion, die scheint tatsächlich Ernst zu machen. Beispiel: Ältestenrat am 2. September. Da soll Gisela Hartmann (Bündnis90/Grüne) mit dem Vorschlag in die Sitzung geplatzt sein, einen Versammlungsleiter für den Stadtrat zu wählen. Das habe sich im Kreistag bewährt. Was Frau Hartmann zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst zu haben schien war die Tatsache, dass sich die Fraktionen von CDU, LINKE und FDP zuvor getroffen und genau das besprochen hatten. Die Verwundungen der SPD, insbesondere durch das Wahlkampfteam Wieninger/Jendricke waren auch bei den Sozialisten und Liberalen schmerzlich.

Für viele war die Grenze des Erträglichen erreicht. Hinzu kommt der Frust, dass die SPD mit dieser Taktik auch noch punkten konnte und als stärkste Fraktion in den neuen Stadtrat eingezogen ist. Für die LINKE gab es da noch einen anderen Stachel, den sie fast vergessen hätten und der seinen Ausgangspunkt in einer SPD-Veranstaltung in Ilfeld hatte.

Doch zurück zum Ältestenrat. Es wird kolportiert, dass Oberbürgermeisterin Rinke ob der Idee, die Versammlungsleitung zu verlieren, nicht allzu glücklich gewesen sei. Ihre Versuche, diesen Taktik- und Imageverlust abzuwenden, sollen während der Sitzung ebenso gescheitert sein wie danach die versuchte Umstimmung einiger „Aufständischer“ bei diversen Treffen und gemeinsamen Essen.

Die Dreiergruppe indes hatte nicht nur die Revolutionierung der Versammlungsleitung im Sinn, es sollen auch die Vorsitze der verschiedentlichen Ausschüsse besprochen worden sein, wonach die SPD lediglich den Vorsitz im Ausschuss Verkehr und Umwelt erhalten soll. Der für Bau und Wirtschaft könnte an die FDP gehen, der für Soziales an die LINKE.

Die Spielchen, sie gehen jedoch weiter. Nach all diesem unvermuteten Trouble bei Aufgalopp soll der Chef der SPD-Stadtratsfraktion, Andreas Wieninger, den Auftrag erhalten haben, der CDU-Fraktion einen Brief zu schreiben. Dessen Tenor: Wahlkampf war Wahlkampf, jetzt soll es um die Sache gehen und so weiter. Wieninger, so erfuhr die nnz im Polit-Nordhausen, vergaß jedoch nicht, die gehobene Stellung der SPD herauszuheben. „Wir sind die stärkste Fraktion“. Weiter hätte der Sozialdemokrat nicht schreiben brauchen...

Doch er schrieb weiter und so trafen sich in der vergangenen Woche die Vorstände der Fraktionen von SPD, CDU, LINKE und FDP. Ergebnis: Man werde weiterhin auf eine neue Versammlungsleitung beharren, ließen CDU, LINKE und FDP verlauten.

Wenn also den drei Fraktionen, die zusammen über 20 Sitze im Stadtrat und damit über die Mehrheit verfügen, nicht noch ein schmackhafter Knochen hingeworfen wird, der das Bündnis zumindest aufweichen könnte, dann stehen den Beobachtern künftiger Sitzungen des Stadtrates vermutlich ereignisreiche Stunden bevor. Und da sind die wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen Auswirkungen der unendlichen Gespräche zur Findung einer Thüringer Landesregierung noch nicht einmal inbegriffen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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Kommentare
Elefant
22.09.2009, 17:41 Uhr
Versammlungsleiter??
Ein großes Lob an das NNZ-Team für die gute Pressearbeit. Auf der NNZ-Seite bekommt man wirklich Informationen aus der Region. Hier könnte sich die lokale Tageszeitung mal ein paar Anregungen holen und nicht immer nur 2-3 Tage später die NNZ-Artikel veröffentlichen.

Zwei Fragen zum Inhalt des Artikels: Welche Aufgabe hat ein Versammlungsleiter bei der Stadt? Oder soll das so eine Form eines Stadtratspräsidenten sein?
Stadtbürger
22.09.2009, 19:28 Uhr
Richtig so!
Mit viel Freude und Wonne habe ich den Bericht hier gelesen. Endlich haben die Stadträte erkannt, dass sie seit Jahren der Frau Rinke nur hinterher rennen. Jetzt haben sie die Chance, eigenes Profil zu entwickeln und können daraus auch potentielle Gegenkandidaten für Jendricke und Wieninger hervor bringen.

An Elefant: Ja, ich denke es ist ein Stadtratspräsident damit gemeint. So, wie in jeder größeren Kreisstadt in Thüringen (z. B. Mühlhausen). Dort leitet nicht der OB die Sitzung, sondern der Präsident. Warum unsere OB das nicht will? Liegt doch ganz klar auf der Hand: Es ist ein Stück Machtverlust für sie. Sie kann nicht länger die Regie bestimmen und den Stadtrat nach ihrer Pfeife tanzen lassen. Wie sagte sie doch so schön bei der ersten Sitzung nach der Kommunalwahl: Der Stadtrat und der Oberbürgermeister sind gleichberechtigt! Und das dieser aufmüpfige Stadtrat nun auch noch seine "Emanzipation" vor der OB durchsetzen will, ist doch einfach unerhört.

Es kann doch nicht sein, dass eine Mehrheit dort bestimmen will, was gemacht wird. Damit wird das Herrschen der OB doch erschwert und die Machtgelüste eingedämmt.

Ich finde es gut, dass man sich hier über Parteigrenzen hinweg zusammenrauft und dem lächerlichen Treiben der SPD in Nordhausen ein Ende setzen will. Der Wahlkampf jedenfalls war unter aller Kanone!

Außerdem kann sich jedes Lager in diesem "Bündnis" repräsentiert fühlen: Konservativ - Mitte - Links. Für jeden was dabei und damit auch repräsentativ für alle Bürger der Stadt. Mir macht es jedenfalls Mut, dass nun an einem Strang gezogen wird.

Tja, Frau Rinke, so ist das mit der Demokratie - entweder man gewinnt oder man verliert. Sie haben jetzt verloren (zurecht nach Ihrer Wählertäuschung bei der Stadtratswahl). Oder wie sagte es der große Münte (Zitat): "Opposition ist Scheiße!". Liebe OB - finden Sie sich jetzt bitte mit Ihrer Rolle ab!
Willi
23.09.2009, 19:15 Uhr
@Stadtbürger
Da kann ich Ihnen nur Recht geben. Wenn man sich mal die Abstimmungsergebnisse so ansieht, das sind fast immer DDR Verhältnisse. Es wird Zeit, dass im Nordhäuser Stadtrat richtig Politik gemacht wird. Dazu gehört auch eine starke Opposition. Natürlich immer zum Vorteil der Stadt Nordhausen!
Linki
23.09.2009, 22:23 Uhr
neue OB-Wahlen
Frau Rinke wird sich wohl nicht lange über einen anderen Versammlungsleiter ärgern müssen. Nach dem Erfurter Machtpocker wird sie wohl von Herrn Matschi für ihre Loyalität und Treue ein Ministerpöstchen bekommen und dann kann die Nordhäuser Wählergemeinschaft dem Stadtrat wieder einen neuen Versammlungsleiter wählen. Es muss ja nicht zwingend Herr Jendricke sein, da das OB-Amt Gott sei dank nicht vererbt werden kann.
Peppone
23.09.2009, 23:40 Uhr
Man muss sich mit der Rolle abfinden,
die einem der Wähler gegeben hat. Und die lautet in der Stadt Nordhausen nun mal Opposition für die Konservativen und auch für die Linken. Natürlich neben den Grünen und den Liberalen der Stadt.

An Opposition an sich gibt es ja auch nichts auszusetzen, Opposition steht mitunter für Veränderung und Wandel.

Das die Nordhäuser SPD bei ihrem Kommunalwahlauftritt im Porzelanladen alles zerschlagen hat, was noch heil in den Regalen stand, kann man den Verlierern der Wahl nicht vorwerfen! Viel zu oft haben sie in der Vergangenheit den wirklich Regierenden der Stadt die Steigbügel gehalten und unter dem Deckmantel der guten Sache als Stimmenbeschaffer gedient. Das hätte eigentlich eine andere Behandlung, selbst in Wahlkampfzeiten verdient.

Von einer Partei die regiert, kann man eigentlich verlangen, dass sie in der Lage ist Mehrheiten zu beschaffen. Schafft sie dies nicht, ist sie keine Regierungspartei! Und genau hier liegt die Versuchung für die Sozialisten und die Konservativen. Dem anfäglichem Säbelgerassel im Nordhäuser Stadtrat wird nur die Frage folgen, wer kippt als erster um?

Werden es die Konservativen sein, die der geteilten Macht erliegen, oder werden es die Linken sein? Eine von beiden Parteien wird es sein.

Gemeinsam ist Konservativen und Linken, dass sie bei der nächsten Wahl genau so vorgeführt werden, wie es bei der letzten Wahl der Fall war. Aber wie heißt es immer so schön, Macht macht sexy! Und dafür nimmt man einiges in Kauf.;-)
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