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Mi, 14:30 Uhr
01.07.2020
Arbeitsmarkt aktuell

Die Talsohle ist noch nicht durchschritten

Auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich in der Corona-Krise vor allem erst einmal viel Schatten. Im Vergleich mit der letzten großen Krise und der Entwicklung der zurückliegenden Jahre sieht Karsten Froböse, Chef der Nordhäuser Agentur für Arbeit aber auch ein wenig Licht. Über die aktuelle Lage informierte man heute in der Uferstraße

Grafik (Foto: Arbeitsagentur Nordhausen) Grafik (Foto: Arbeitsagentur Nordhausen)
Die gute Nachricht: im Vergleich zum Vormonat ist die Lage am Arbeitsmarkt in den drei Nordthüringer Kreisen Nordhausen, Kyffhäuserkreis und Eichsfeld nahezu unverändert. Die Arbeitslosenquote liegt mit 9202 Personen bei 6,9%. Die schlechte Nachricht: natürlich sind Shutdown und Kurzarbeit nicht spurlos an der Region vorübergegangen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat schieß die Zahl der Arbeitslosen mit einem Plus von 1.545 Personen über 20% in die Höhe. Die gute Nachricht: das ist immer noch weniger als vor vier Jahren, als man insgesamt 9.509 Arbeitslose zählte.

Das Wechselspiel zwischen düsterer Bestandsaufnahme und hoffnungsvollen Rückblick kann Karsten Froböse heute noch ein paar mal durchexerzieren. Seit März haben 3.200 Betriebe der Region Kurzarbeit angemeldet, das sind gute 45,6%. In der Finanzkrise 2008/09 waren es lediglich 1000 gewesen. Im Vergleich zu heute seien die Auswirkungen der damaligen Situation die „Variante light“ gewesen, meint Froböse. Anders als heute waren vor über 10 Jahren nicht alle Wirtschaftsbereiche betroffen, die Gaststätten etwa hatten trotz rapide fallender Aktienkurse noch geöffnet. Im Schatten der globalen Pandemie leidet nun so gut wie jeder Bereich des wirtschaftlichen Lebens. Aber auch hier kann man Licht sehen, so man gewillt ist. „2008 war die Unsicherheit groß, niemand wusste wem man noch Geld leihen kann und wer vielleicht auf faulen Krediten sitzt. Jetzt haben wir vor allem ein medizinisches Problem. Wenn erst einmal ein Mittel gegen das Virus gefunden ist, dürfte die Problemlage leichter zu heilen sein, als die Unsicherheit damals“.

Immerhin: im Juni sank die Zahl der Neuanmeldungen zur Kurzarbeit auf 65 Betriebe. Im Mai gingen 190 Anmeldungen ein, im April waren es ganze 1.960 und im März 1.000. Betrachtet man die nackten Zahlen, so befänden sich aktuell etwa 35.000 Arbeitnehmer in Nordthüringen in Kurzarbeit. Ganz so einfach ist es aber nicht, erläutert Froböse, eine Anmeldung bedeutet nicht automatisch, dass die Kurzarbeit auch vollumfänglich in Anspruch genommen wird. „Der Planungszeitraum der Unternehmen ist recht lang. Sie können also zum Beispiel von März bis Dezember Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter anmelden. Die Abrechnungen erfolgen Monat für Monat und das kann sich, je nach Lage, unterschiedlich auswirken. Vielleicht nutzen sie Kurzarbeit in einem Monat für 20 Beschäftigte, im nächsten nur noch für fünf oder vielleicht ist die Auftragslage so gut, dass man keinen Gebrauch mehr vom Kurzarbeitergeld machen muss“. Für die Abrechnung haben Unternehmen bis zu drei Monate Zeit, die absoluten Zahlen seit April wird Froböse also erst Ende des neuen Monats in Händen halten.

Wen es am stärksten getroffen hat
Die Talsohle der aktuellen Krise ist in jedem Fall noch nicht durchschritten, meint Froböse. „Dafür müsste die Wirtschaft deutlich mehr Gas geben. Die Situation ist schwierig. Wir haben zwanzig Prozent mehr Arbeitslose als im Vorjahr.“ Die Männer (+25,3%) sind beim Anstieg der Arbeitslosigkeit stärker als die Frauen (+14,1%) betroffen. Die Wirtschaft habe auch im letzten Monat weniger Arbeitskräfte als bislang nachgefragt. Insbesondere bei den Automobilzulieferern, bei Zeitarbeitsunternehmen, in Teilen des Einzelhandels und der Gastronomie sei die Nachfrage gering.

Getroffen hat es auch die jungen Arbeitnehmer, die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 56,7% oder 300 Personen auf 821.
„Wir kennen das aus anderen Krisen. Diejenigen, die noch nicht lange im Betrieb sind, sind die ersten die gehen müssen“, erklärt Froböse. Einmal mehr zeige sich aber auch wie wichtig eine ordentliche Ausbildung sei. Wer ohne Ausbildung einfach nur jobben gegangen ist um Geld zu verdienen, der stehe aktuell deutlich schlechter da.

Wieder mehr Weiterbildungen
Menschen wollen oder müssen sich in diesen Zeiten beruflich neuorientieren.
Nachdem die Bildungseinrichtungen ihr persönliches Angebot erweitern bieten sich für die Menschen wieder mehr Möglichkeiten zur Qualifizierung. „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist eine Qualifizierung entscheidend“, bestätigt Froböse. Nachfragestarke Bereiche, wie beispielsweise die Altenpflege oder die Gesundheitsbranche suchen gut ausgebildete Leute. Ab September beginnen die Qualifizierungen zur Pflegefachkraft. Das könne für manch einen eine gute Alternative sein. „Der Beruf ist anspruchsvoll und mit hohen persönliche Anforderungen verbunden“, so Froböse. „Aber er bietet konjunkturunabhängig berufliche Perspektiven.“

Insgesamt absolvieren aktuell rund 470 Arbeitslose eine berufliche Bildungsmaßnahme. Vor einem Jahr waren es knapp 540. Auch hier habe sich der Lockdown ausgewirkt. „Gemeinsam können wir hier jetzt mehr bewegen.“

Der Blick in die Landkreise


Im Landkreis Eichsfeld ging die Arbeitslosigkeit zum Vorjahr um ein Drittel nach oben. 2.545 Jobsuchende wurden registriert, etwa so viel wie im Mai. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 4,7 Prozent, genau wie im Vormonat. Die Quote des Vorjahres betrug 3,6 Prozent.

Im Landkreis Nordhausen waren im Juni 3.484 Menschen arbeitslos. Hier blieb die Arbeitslosigkeit zum Vormonat annähernd konstant. Zum Vorjahr betrug die Steigerung rund ein Fünftel. Die Arbeitslosenquote lag im Juni unverändert bei 8,2 Prozent. Im Vorjahresmonat betrug sie noch 6,8 Prozent.

Im Kyffhäuserkreis ging die Zahl der Arbeitslosen zum Mai zurück. 3.173 Menschen waren Ende Juni ohne Arbeit. Das sind über 50 weniger als vier Wochen zuvor. Der Anstieg zum Vorjahr um 10,5 Prozent fiel in den drei Landkreisen am geringsten aus. Der Kyffhäuserkreis hatte im Juni eine Arbeitslosenquote von 8,5 Prozent und lag damit über den 7,6 Prozent des Vorjahres.

Die Zukunft macht keine Ferien


Der Beginn des neuen Ausbildungsjahres rückt näher. Noch ist nicht für alle Bewerber klar, wie es nach den Ferien weitergeht. Neben den Schülern seien auch die arbeitslosen Jugendlichen angesprochen, die aktuell noch keine Berufsausbildung haben. Auch mit Mitte zwanzig sei es für eine Berufsausbildung nicht zu spät. Bei über 600 Ausbildungsstellen stehen derzeit die Entscheidungen noch aus, oder sie sind noch nicht besetzt.

In Bad Frankenhausen habe man für den 05. August und in Nordhausen für den 12. August eine Ausbildungsbörse gemeinsam mit den Kreishandwerkerschaften, der IHK und Vertretern der Landkreise vorbereitet. Für den Landkreis Eichsfeld ist die Börse in Planung. Schüler und Bertriebe hätten so in letzter Minute noch die Möglichkeit sich kennenzulernen. “Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Flexibilität und Engagement der Schlüssel zum Erfolg“, so Froböse. „An diesen Tagen haben Jugendliche noch eine weitere Chance auf einen Ausbildungsplatz.“ Ein Corona-Ausbildungsjahrgang solle vermieden werden. Karsten Froböse: „Es geht um die Zukunft der jungen Menschen und Zukunft macht keine Ferien.“ Es gäbe noch zahlreiche gute Ausbildungsangebote in den Landkreisen. Interessenten können sich unter 03631 650350 anmelden. Aus Gründen des Infektionsschutzes ist eine Anmeldung erforderlich.

Die ausführliche Arbeitsmarktstatistik findet sich wie gewohnt hier
Angelo Glashagel
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Kommentare

01.07.2020, 20.20 Uhr
Paul | Talsohle.....
die wird mit Sicherheit noch kommen. Bzw. ist sie ja schon im Anrollen. Erste Betriebsschließungen, Entlassungen o. Stellenabbau. Bis jetzt noch verhalten, aber die richtige Entlassungswelle kommt noch.
Oder glaubt jemand daran, daß die millionen von Kurzarbeitern alle ihre Arbeistelle wiederkriegen und alles wie vorher weitergeht ??? Das passiert mit Sicherheit nicht. Gerade die "großen"Autobauer haben schon großen Stellenabbau angekündigt. Und wer da alles noch mit fällt kann sich jeder ausrechnen. Autozulieferer haben schon dicht gemacht. Und unsere Regierung in ihrem Umweltwahn ist mit daran Schuld, daß es zu sehr vielen Entlassungen kommen wird. Und auch der Maschinenbau ist davon stark betroffen. Aber Kopf hoch : WIR SCHAFFEN DAS !

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